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Leere Ställe in Bergen und Bluno

Verwaister Rinderstall in Bergen: Claudia Mönch und Roland Nuck mussten eine einschneidende Entscheidung treffen.
Verwaister Rinderstall in Bergen: Claudia Mönch und Roland Nuck mussten eine einschneidende Entscheidung treffen. FOTO: cw
Elsterheide. Schwierige Zeiten für die Landwirte fordern ihren Tribut. Die Agrar betriebe in Bergen und Bluno schaffen ihre Milchkühe ab. Einen anderen Ausweg gab es nicht, die drohende Insolvenz zu verhindern. Catrin Würz

Im verwaisten Kuhstall in Bergen herrscht gespenstische Ruhe. Kein einziges Tier steht in den besenrein ausgefegten Boxen. Schon im September war ein Großteil der 200 Tiere aus dem Bergener Stall an einen Landwirtschaftsbetrieb in Schleswig-Holstein abgegeben worden. Einige Jungtiere werden sogar bis in den Libanon verkauft.

Den 240 Milchkühen der Agrarprodukt "Heideland" Bluno GmbH steht das noch bevor. Auch sie werden bis Ende des Monats umziehen. Ebenfalls nach Norddeutschland, wo ein Betrieb in Niedersachsen die Tiere übernimmt. Denn auch in Bluno muss die Milchkuhhaltung eingestellt werden. 17 Mitarbeiter haben in den beiden Tochterunternehmen der Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno deswegen eine Kündigung erhalten.

"Das war eine sehr, sehr schwierige Entscheidung für uns. Aber sie war nötig, um das Unternehmen als Ganzes zu retten", sagt Claudia Mönch, die Geschäftsführerin der Landwirtschafts-GmbH. Schon seit weit über einem Jahr war der Agrarbetrieb heftig zwischen die Mühlsteine der anhaltenden Milchkrise in Deutschland mit Niedrigstpreisen einerseits und den sandigen, ertragsarmen Böden der Region andererseits geraten. Seitdem klaffte die Spanne zwischen den Kosten, die bei der Herstellung eines Kilogramms Milch anfallen und den Erlösen aus dem Milchpreis weit auseinander. Claudia Mönch nennt konkrete Zahlen. Wegen der ertragsarmen Böden auf den Flächen der Elsterheide und den damit höheren Kosten bei der Futterproduktion beliefen sich die Herstellungskosten in Bergen und Bluno für ein Kilogramm Milch auf zirka 47 bis 50 Cent.

In der Molkerei bekamen die Bauern zuletzt aber nur knapp 21 Cent wie im Juni. Monat für Monat liefen auf diese Weise gut 40 000 Euro Verlust in jeder der beiden Tochtergesellschaften mit Milchkühen auf. Das kann kein Unternehmen auf Dauer ausgleichen, das geht an die Substanz und brachte den Gesamtbetrieb arg in Liquiditätsnöte. "Kurz vor knapp haben wir die Reißleine gerissen", so Claudia Mönch. Auch, wenn die Milchpreise derzeit ganz leicht ansteigen, sei es die richtige Entscheidung gewesen. Die Landwirte sehen sich als Spielball der Großmolkereien und der europäischen Agrarpolitik, die nach dem Fall der Milchquote zu Überproduktion führte.

Mit dem Zuschließen ihrer Ställe verabschieden sich die Bergener und Blunoer Bauern nun von einer Philosophie, die sie eigentlich für ein gutes und sinnvolles System halten. Boden - Pflanze - Tier - Boden heißt die Formel, mit der die Landwirte in der Lausitz ein System der Nachhaltigkeit pflegten. "Die kargen Erträge aus dem Boden werden veredelt, indem sie teilweise als Futter für Tiere zu Milch und Fleisch werden. Teile der Gülle sorgen danach für die Düngung des Bodens. Die Kulturlandschaft in der Region wird auf diese Weise ordentlich bewirtschaftet und damit erhalten", erläutert Roland Nuck, Geschäftsführer der Bergener Landwirtschafts GmbH.

Was jahrzehntelang genau so funktionierte, scheint nun wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. Auch können die Bauern ihr Grünland, das bisher für den Futteranbau für die Kühe da war, nicht einfach in Ackerflächen umwandeln. "Die Auflagen zum Natur- und Umweltschutz steigen in Deutschland stetig, während die Förderung für die Landwirte sinkt. Trotz höheren Aufwands, den ein deutscher Bauer betreiben muss, soll er zu Weltmarkt-Niedrigstpreisen produzieren. Das geht nicht auf", so Nuck.

Geschäftsführerin Claudia Mönch glaubt auch, dass sich die Landwirtschaft gerade in einem einschneidenden Umbruchprozess befindet. Wenn Politik und Bürger die Nahrungsmittel einerseits zu Billigpreisen wollen (die dann woanders produziert werden) und die Bauern andererseits immer rigoroser in Agrar-Umwelt-Programme gedrängt werden, dann entsteht ein neues landwirtschaftliches Produkt, quasi Naturschutz auf Kulturflächen. Das sei prinzipiell in Ordnung, so Claudia Mönch. "Aber auch das muss jemand bezahlen. Sonst sind eines Tages keine Landwirte mehr da, die das machen könnten."

Zum Thema:
Zur Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno gehören: die Bergener Landwirtschafts-GmbH, die Agrarprodukt "Heideland" Bluno GmbH, die Spreewitzer Rinderzucht und Landschaftspflege GmbH die LPH Neue Energien GmbH (Photovoltaik)