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Lebensrettung am Ziegelteich

An dieser Stelle wurde der dreijährige Junge aus dem See gezogen. Ob er auf der Gummimatte auch in den See rutschte, ist bisher unklar.
An dieser Stelle wurde der dreijährige Junge aus dem See gezogen. Ob er auf der Gummimatte auch in den See rutschte, ist bisher unklar. FOTO: Anja Hummel
Bröthen. Keine Atmung, kein Puls. Die junge Frau fühlt kein Lebenszeichen, das kleine Herz von Joseph hat aufgehört zu schlagen.Im Wechsel mit ihrem Partner versucht Claudia D.* das Kind ihrer Freundin zu reanimieren. Anja Hummel

Vergeblich. "Wir haben nicht aufgehört bis der Rettungswagen kam", erzählt die gelernte Krankenschwester, während sie auf die Stelle blickt, an der sich die dramatischen Szenen nur einen Tag zuvor abgespielt haben.

Am Ufer des Bröthener Ziegelteiches gegenüber der Hauptstraße hatte sich am Mittwochnachmittag ein tragisches Unglück ereignet. Nur weil couragierte Bürger zur Stelle waren, lebt ein Dreijähriger noch. "Wir kamen erst dazu, als der Kleine schon von zwei Ersthelferinnen beatmet wurde", erzählt Claudia D. "Ich weiß nicht, was vorher passiert ist." Dabei hat sie keine zehn Minuten vor dem Unglück noch mit der Mutter telefoniert. "Wir waren auf dem Spielplatz neben dem See verabredet", erzählt sie. "Unsere Kinder sind in der selben Kita-Gruppe."

Laut Polizei war das Kind auf dem Spielplatz aus dem Sichtbereich der Mutter entwischt, die sofort nach ihrem Sohn suchte und ihn bewegungslos im Wasser des Sees treiben sah. Laute Hilferufe machten zwei Frauen, beide aus Bröthen, auf das Unglück aufmerksam. Die Ersthelferinnen holten das Kind an Land und begannen mit der Reanimation.

Nur kurze Zeit zuvor holte die Mutter ihren Sohn Joseph aus dem Kindergarten des Ortes ab. Mit dabei waren auch ihre beiden anderen Söhne im Kleinkindalter. Um zum Spielplatz zu gelangen, gibt es nur den einen Weg - entlang des Ziegelteiches. "Wir sind nur froh, dass der Junge außer Lebensgefahr ist", sagt die Kita-Leiterin.

Auch für Claudia D. ist der Gesundheitszustand vom kleinen Joseph das Wichtigste. "Es war unendlich erleichternd zu hören, dass er wieder atmet." Noch vor Ort im Rettungswagen konnten ihn die Sanitäter zurück ins Leben holen. Ein Rettungshubschrauber brachte den Dreijährigen dann in eine Spezialklinik. "Seine Mutti war im absoluten Schockzustand und der Ohnmacht nahe", erzählt Claudia D. Sie hofft nun, dass der Unfall keine Spätfolgen für Joseph haben wird. "Ich kann an nichts anderes mehr denken", sagt die junge Frau immer noch sichtlich bewegt. "Es ist einfach furchtbar. Jeder, der Kinder hat, weiß, wie schnell so etwas passieren kann." Da reiche ein kurzer Moment und schon sei es zu spät. Immer wieder schaut sie fassungslos auf die Gummimatte, die vom Uferbereich direkt ins tiefe Wasser führt. Die Löschwasserentnahmestelle der Feuerwehr ist komplett ungesichert. Zwar weiß Claudia D. nicht, ob Joseph auch an dieser Stelle ins Wasser fiel. "Aber solch ein Platz muss gesichert werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert oder passieren kann", fordert sie. Generell müsse der Weg entlang des Sees sicherer gestaltet werden. Schließlich wird die Route täglich von Kindern und ihren Eltern genutzt.

Die Polizei bedankt sich indes sehr für das couragierte Handeln der Ersthelfer aus Bröthen. Mit ihrem beherzten Eingreifen haben die Bürger dem kleinen Joseph das Leben gerettet.

*Name geändert

Zum Thema:
Im Dezember 2015 stürzte ein Kleinkind in Piskowitz bei Kamenz in einen Gartenteich. Der 18 Monate alte Junge geriet nur für einen kurzen Moment aus dem Blickfeld seiner Mutter, lief auf das Nachbargrundstück und fiel unbemerkt in den Teich. Trotz Reanimation verstarb der Junge kurze Zeit später in der Klinik. Ein weiterer tragischer Unglücksfall ereignete sich im September 2015: Ein einjähriges Mädchen stürzte in Hoyerswerda aus einem Fenster im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses. Mit schweren Verletzungen kam das kleine Mädchen in die Notfallklinik. Die Mutter befand sich zum Unglückszeitpunkt in einem anderen Zimmer als ihre zwei Kinder.