ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:21 Uhr

Hoyerswerda
Lebendige Geschichte im Bahnhof

Mehr als fünf Jahre hat der Bahnhof auf eine neue Bestimmung gewartet. Wie Frank Hirche sagt, existiert die Idee, eine Art Museum zu schaffen, bereits seit drei Jahren. In Hoyerswerda sollen auch Kunstwerke der Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ gezeigt werden.
Mehr als fünf Jahre hat der Bahnhof auf eine neue Bestimmung gewartet. Wie Frank Hirche sagt, existiert die Idee, eine Art Museum zu schaffen, bereits seit drei Jahren. In Hoyerswerda sollen auch Kunstwerke der Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ gezeigt werden. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Im Hoyerswerdaer Bahnhof wird eine Dauerausstellung zu den Themen Flucht, Vertreibung und Integration entstehen. Federführend dafür ist der Landtagsabgeordnete Frank Hirche. Das Ziel: Das Museum soll im Herbst 2018 öffnen. Von Sascha Klein

Die Geschichte von Flucht und Vertreibung ist für viele Menschen noch immer ein zwiespältiges Thema. Die einen wollen die Erinnerung an ihre Heimat nicht missen. Die anderen haben Berührungsprobleme mit dem Thema, das einen schwierigen Spagat bedeutet.

Der Hoyerswerdaer Landtagsabgeordnete Frank Hirche (CDU) will das Thema umfassend erklären und den Hoyerswerdaer Bahnhof zu einer sachsenweiten Anlaufstelle für die Themen Flucht, Vertreibung und Integration machen. Seine Idee: Im Dachgeschoss entsteht ein Begegnungszentrum mit einer umfangreichen Ausstellung – die erste museale Auseinandersetzung mit dem Thema in Sachsen. Hintergrund für Hirche: Er ist Vorsitzender des Landesverbands der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat. Unter anderem sollen Schülergruppen aus dem gesamten Bundesland ab Herbst 2018 nach Hoyerswerda fahren können, um sich dort über das Thema zu informieren. Weiterer Ansatzpunkt für Gruppen ist das letzte Rettungsboot der „Wilhelm Gustloff“ auf dem Geierswalder See. Die „Gustloff“, einst Kreuzfahrtschiff der Nazis, ist am 30. Januar 1945 mit etwa 8000 Flüchtlingen und 1500 Wehrmachts-Angehörigen vor der pommerschen Küste versenkt worden.

Die künftige Ausstellung, die offiziell kein Museum ist, soll sich in drei Abschnitten erklären: Heimat, Flucht und Integration. „Wir möchten die Gäste mehr auf der emotionalen Ebene ansprechen“, sagt Dr. Jens Baumann vom Sachgebiet Kulturförderung im Sächsischen Innenministerium. Mit ihm arbeitet Frank Hirche eng zusammen. Die Idee hinter der Ausstellung: Mit Hilfe von speziellen Brillen sollen Besucher direkt im Geschehen sein und miterleben, wie es gewesen ist, seine Heimat verlassen zu müssen, aus brennenden Dörfern zu fliehen, im übervollen Eisenbahnwaggon gen Westen zu fahren und schließlich im Lager Elsterhorst bei Nardt anzukommen. „Wir wollen die Geschichte sichtbar machen“, sagt Baumann. Das bedeutet: Weg von langen Erklärtafeln, hin zu starken Bildern.

Die Ausstellung soll jedoch keine Liebeserklärung an die einst deutschen Gebiete sein, sondern sie soll Aufklärung leisten – erklären, wie die NS-Diktatur, die Gräuel von Auschwitz und der Zweite Weltkrieg dazu geführt haben, dass Menschen Mitte der 1940er-Jahre ihre Heimat verlassen mussten. Die Ausstellung soll allerdings auch zeigen, wie die Menschen etwa aus Schlesien und Ostpreußen in Sachsen eine zweite Heimat gefunden haben, so Jens Baumann.

Wieso gerade Hoyerswerda? Hirche stammt aus Hoyerswerda, und er ist auch Sprecher der Interessengemeinschaft Bahnhof. Andererseits gibt es in der Stadt mit dem Lager Elsterhorst einen geschichtlichen Ansatzpunkt. Darüber hinaus existiert mit dem Stadtverband des Bundes der Vertriebenen ein Partner, der bei diesem Projekt mit Zeitzeugenberichten und personeller Unterstützung helfen kann. Laut Jens Baumann unterstützt das Innenministerium das Austellungs-Projekt in Hoyerswerda zunächst mit 250 000 Euro. Die Initiatoren profitieren auch von weiteren Fördermitteln, die über die Stadt Hoyerswerda akquiriert werden.

Neben der Ausstellung soll es auch Mieter im Bahnhofsgebäude geben. Laut Hirche ist geplant, neben dem bereits laufenden Friseurgeschäft eine Bäckereifiliale sowie zwei Medizintechnik-Firmen in dem Haus unterzubringen. Alle drei Etagen sollen dann über einen Aufzug erreichbar sein. Das Gebäude wäre damit barrierefrei.

Mit den Planungen beauftragt ist Thomas Gröbe, der ebenfalls Miteigner des Bahnhofs ist. Wie er betont, sollen passende Baufirmen Anfang kommenden Jahres gesucht und gefunden werden. Wann die Ausstellung zum Thema Flucht, Vertreibung und Integration öffnet, kommt laut Frank Hirche auch darauf an, wie schnell Baufirmen gefunden werden. Das Ziel lautet aber weiterhin: Herbst 2018 – pünktlich zu den 750-Jahr-Feiern Hoyerswerdas.