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| 16:48 Uhr

Lautstark gegen Lohndumping

Vor dem Haupteingang des Hoyerswerdaer Kauflands haben sich 75 Mitarbeiter versammelt, um zu demonstrieren. Lautstark und auf Plakaten fordern sie: "Altersarmut bekämpfen, Vernichtungswettbewerb stoppen und Existenzen sichern".
Vor dem Haupteingang des Hoyerswerdaer Kauflands haben sich 75 Mitarbeiter versammelt, um zu demonstrieren. Lautstark und auf Plakaten fordern sie: "Altersarmut bekämpfen, Vernichtungswettbewerb stoppen und Existenzen sichern". FOTO: Anja Guhlan/ang1
Hoyerswerda. Direkt vor dem Haupteingang der Hoyerswerdaer Kaufland-Filiale haben sich gestern 75 Kaufland-Mitarbeiter aus der gesamten Oberlausitz versammelt. Der Betrieb wird bestreikt. Anja Guhlan / ang1

Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi.

Mit Rasseln und Trillerpfeifen machen die Mitarbeiter aus neun Niederlassungen jede Menge Lärm. Auch Mitarbeiter der Hoyerswerdaer Filiale streiken mit und unterstützen die Kollegen. "Wir sind laut - weil man uns die Kohle klaut", rufen sie.

Mit dem Streik will Verdi Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen für den Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausüben. In den vergangenen Wochen hatte es in allen drei Bundesländern wiederholt Aktionen gegeben. "Die Beschäftigten werden von Tag zu Tag wütender, dass von der Arbeitgeberseite kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt wird", sagt die für die Oberlausitz zuständige Streikleiterin Sonja Zimmer.

Zum 31. Mai waren die Gehalts- und Lohntarifverträge für den Einzel- und Versandhandel in den drei Bundesländern gekündigt worden. Verdi fordert eine Anhebung der Gehälter und Löhne um sechs Prozent. Die Arbeitgeber boten bisher 1,5 Prozent mehr Geld und im Folgejahr nochmals ein Prozent. "Das ist kein verhandlungsfähiges Angebot", betont Zimmer. "Die Mitarbeiter sind mehr wert." Und genau das steht auch auf einigen Plakaten, die die Mitarbeiter in die Höhe halten.

Streikleiterin Zimmer argumentiert, dass die Kosten für den Lebensunterhalt steigen und besonders im Einzelhandel wie bei Kaufland es viele Teilzeitbeschäftigte gibt, die zwar flexibel arbeiten sollen, aber dann zu wenig verdienen. "Gerade alleinerziehende Mütter haben es besonders schwer", so Zimmer. Teilzeitbeschäftigt bei Kaufland, flexible Arbeitszeiten und dadurch keine Möglichkeit einem Zweitjob nachzugehen. Dazu kommen die Betreuungskosten und -modalitäten. Zudem hatte Kaufland laut Zimmer im vergangenen Jahr ein Rekordumsatzjahr seit der Wiedervereinigung zu verzeichnen. So hat die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, in diesem Jahr erstmals die 85-Milliarden-Umsatzgrenze übersprungen. Allein Kaufland in Deutschland setzte rund 14 Milliarden Euro um. "Mitarbeiter sollen sich deshalb nicht mit den angebotenen 1,5 Prozent abspeisen lassen", ruft Zimmer auf.

Auch Hoyerswerdaer Mitarbeiter wollen das nicht hinnehmen. "Der Einzelhandel ist im Umbruch und die derzeitigen Verhandlungen sehen nicht sehr rosig aus. Es ist gut, dass die Mitarbeiter wach werden und jetzt kämpfen und sich wehren", sagt eine ehemalige Kaufland-Mitarbeiterin aus Hoyerswerda, die ihre Kollegen an diesem Tag tatkräftig unterstützt.

Während die Kaufland-Mitarbeiter immer noch mit Trillerpfeife und Rasseln lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam machen, kommt der Hausleiter der Hoyerswerdaer Filiale zum Haupteingang. Er begrüßt mit anderen arbeitenden Kollegen die Kundschaft und versorgt diese mit Informationen, dass das Kaufland weiterhin für den Einkauf zugänglich ist. "Der Verkauf in der Filiale ist gesichert. Es herrscht kompletter Regelbetrieb. Den Streik sitzen wir aus", kommentiert Christian Hoffmann. Er als Hausleiter hat keinen direkten Einfluss auf die Verhandlungen. Das übernehmen die Arbeitergeberverbände. Die Verhandlungen sollen am 2. August fortgesetzt werden. Sonja Zimmer kündigt indes an, dass Verdi je nach Ausgang der Verhandlungen zu weiteren Streiks aufrufen will.

Zum Thema:
Die Schwarz-Gruppe ist der größte Handelskonzern Europas und der viertgrößte Handelskonzern der Welt. Der deutsche Handelskonzern mit Sitz in Neckarsulm ist das Mutterunternehmen von Lidl und Kaufland. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben Filialen in 20 Staaten und mehr als 350 000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Konzern einen Umsatz von mehr als 85 Milliarden Euro. Der Konzern peilt in den nächsten fünf Jahren einen Umsatz von 100 Milliarden Euro an.