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Streit ums alte Kinderwochenheim
Lautas DRK-Chef: „Wir sind doch der Stadt egal“

Dietmar Lehmann, der Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes, wirkt betrübt: Er sieht im Moment keine Chance, dass der Ortsverband eine andere Heimstatt als das Kinderwochenheim findet.
Dietmar Lehmann, der Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes, wirkt betrübt: Er sieht im Moment keine Chance, dass der Ortsverband eine andere Heimstatt als das Kinderwochenheim findet. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Die Situation ist verfahren: Die Stadt Lauta will das alte Kinderwochenheim verkaufen. Doch dort ist die Lautaer DRK-Zentrale. Wenn das Rote Kreuz raus muss, bedeute das das Ende der Lautaer DRK-Ortsgruppe, sagt Ortsvorsitzender Dietmar Lehmann. Das DRK steht vor der Zerreißprobe. Von Anja Guhlan

Der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Lauta ist seit dem Jahr 1996 in dem ehemaligen Kinderwochenheim an der Friedrich-Engels-Straße/ Krankenhausstraße beheimatet. Der Tafel-Laden des DRK-Ortsvereins versorgt aktuell rund 500 Bedarfsgemeinschaften, Tendenz steigend. Zudem bietet der Verband eine Kleiderkammer an, die ebenfalls rege genutzt wird. „Diese soziale Arbeit in der Stadt ist notwendig“, sagt Dietmar Lehmann, der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins. Neben der Tafel und der Kleiderkammer gibt es noch die Blutspende, die bereits vor zwei Jahren in die Passauer Straße ausgesiedelt wurde, und eine Seniorensportgruppe mit 15 Aktiven.

Nun soll ihr Domizil – das ehemalige Kinderwochenheim – von der Stadt verkauft werden. Drei Bieter gibt es aktuell, die daraus entweder ein Hundezentrum, ein Mehrgenerationenhaus oder ein Gesundheitszentrum aufbauen wollen. „Egal, welcher Bieter das Objekt letztendlich kauft, er kauft uns mit“, betont der DRK-Ortschef. Die Bieter des Mehrgenerationenwohnen, das Ehepaar Vetter aus Leippe, sowie die Bieterin Dr. Elisabeth Petsch für das Gesundheitszentrum haben das DRK in ihre Pläne eingebunden und Räumlichkeiten gegen Mietzahlungen angeboten. Das gefällt Lehmann zwar, aber letztlich muss die Miethöhe stimmen. „Bisher zahlen wir hier nur die Betriebskosten. Ein Verkauf des Objekts würde also in jedem Fall einen finanziellen Mehraufwand bedeuten“, so Lehmann.

Der dritte Bieter Martin Geyer, der ein Hundezentrum in Lauta auf der Fläche etablieren möchte, sieht einen Auszug des DRK für notwendig an. „Das würde für uns das Aus bedeuten“, schätzt Lehmann ein.

Die Stadtverwaltung hatte dem DRK als Alternative zwar Räumlichkeiten in der ehemaligen Nordschule in der Straße der Freundschaft angeboten. Doch Dietmar Lehmann erklärt, dass ein Ausbau der Räumlichkeiten momentan nicht machbar oder zu schaffen sein. „Wir sind doch der Stadt und den Stadträten völlig egal“, schimpft Lehmann und droht zunächst mit einer Teilauflösung der Kleiderkammer und der Tafel. Später würde sich sicherlich der gesamte Ortsverband, der seit dem Jahr 1934 besteht, auflösen. „Somit würde einer der ältesten Vereine in der Stadt sang- und klanglos verschwinden“, sagt Lehmann und fügt hinzu: „Dabei ist die soziale Arbeit einer Stadt wichtiger denn je.“

Dietmar Lehmann, seit 1978 Vorsitzender des Ortsverbandes, erinnert sich nur ungern an eine ähnliche Situation. „Damals hatten wir unser Domizil in der Bachstraße. Auch damals wurde das Objekt verkauft und wir mussten ausziehen. Zum Glück hat man zu diesem Zeitpunkt entsprechende Räumlichkeiten für uns gefunden“, so Lehmann.

Doch nun stellt sich ein Gefühl der Resignation ein. Lehmann gibt langsam alle Hoffnung auf, denn er sieht absolut keine Möglichkeiten, in welches Objekt das DRK einziehen könnte. Für die rund 15 ehrenamtlichen Helfer, die derzeit die Lautaer Bedürftigen mit Lebensmitteln oder Kleidern versorgen, sowie für die rund 30 Mitglieder würden dann notwendige Aufgaben wegfallen.