"Ohne meine langen Unterhosen wäre ich bei minus 20 Grad in Samara den Heldentod gestorben", sagt Pfarrer Norbert Krüger. Der Lautaer ist kürzlich von einer Reise aus dem russischen Samara zurückgekehrt. Dort hat der 55-jährige Pfarrer aus Lauta-Dorf fünf Gottesdienste in der deutschen St. Georg Gemeinde gefeiert. Er hat Bibelstunden, Konfirmandenunterricht und Predigten gehalten. "Ich hatte an einem Tag mal zwei Gottesdienste. Dazwischen lag allerdings eine halbe Tagesreise", erzählt er. Ein Gottesdienst musste abgesagt werden. "Da rief der Dorfpolizist an, dass auf den Straßen vor Schnee kein Durchkommen war", berichtet der Pfarrer weiter. Noch eine Besonderheit sei, dass Gottesdienste in Russland selten kürzer als 100 Minuten seien.

"Bei uns kaum denkbar", sagt Krüger. Da die Entfernungen aber so groß sind, wird vieles mit dem Gottesdienst verbunden. "Vor allem das Teetrinken", sagt er. "Und wenn dort mal ein deutscher Pfarrer zu Gast ist, da flippen die Christen dort völlig aus. Ich jedenfalls wurde wie der Stellvertreter von Jesus behandelt. Wahnsinn", so Krüger.

Zur Armenspeisung haben sich in Samara die orthodoxe, katholische und evangelische Gemeinde sowie die Stadtverwaltung zusammengeschlossen, um pro Tag 40 warme Mahlzeiten zu spenden. Gerade in die evangelischen Kirchen kämen viele Konfessionslose um das Gespräch zu suchen, und auf Probleme aufmerksam zu machen.

Wer in Samara zum Konfirmandenunterricht geht, der ist nicht unbedingt jung. "Da sind auch Senioren mit dabei", sagt Pfarrer Krüger. Vor allem gibt Pfarrerin Olga Temirbulatova ihren Konfirmanden auch noch richtige Hausaufgaben auf.

Die ersten Kontakte mit der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde "St. Georg" mit wolgadeutschen Wurzeln wurden 2010 geknüpft. Damals absolvierte Sebastian Berthold aus Lauta in der russischen Gemeinde seinen Zivildienst. Voriges Jahr hatten die Kirchgemeinden Lauta-Dorf und Lauta dann Besuch aus Samara.