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Lautaer Geschichte in Kästen und Kartons

Ralf Kiefel und Barbara Brunner mit Teilen der "Sammlung Lautawerk".
Ralf Kiefel und Barbara Brunner mit Teilen der "Sammlung Lautawerk". FOTO: R. Hoffmann/rhf1
Knappenrode. Ralf Kiefel stellt die Sammlung seines Vaters dem Energiemuseum Knappenrode zur Verfügung. Dessen Leiterin ist begeistert. rhf1

Barbara Brunner, wissenschaftliche Volontärin der Energiefabrik Knappenrode, und der freie Mitarbeiter Dr. Claudius Noack haben am Sonntag zum 40. Internationalen Museumstag große Teile der "Sammlung Lautawerk" gezeigt. Die Besucher konnten die noch in Karteikästen und Kartons liegenden Dokumente aus der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts bis in die 2000er-Jahre betrachten. Darunter sind fast 400 Postkarten, knapp 1500 Arbeitsbücher des Lautawerks aus den 1930er-/1940er-Jahren, Bauzeichnungen der Werkssiedlung, ungezählte Fotos, Geldscheine, eine Vereinsfahne, etliche Alltagsgegenstände und Zeitungsauszüge.

Der gebürtige Lautaer Hans Kiefel hat diese Sammlung in Jahrzehnten zusammengetragen. Sein Sohn Ralf Kiefel stellt sie gemeinsam mit seiner Frau Katrin dem Sächsischen Industriemuseum zur Verfügung. Er erzählt lachend, dass die Schätze sein damaliges Kinderzimmer gefüllt haben, in Regalen, Karteikästen - gerahmt und geordnet.

Viele Menschen haben wertvolle private Sammlungen mit großer aktueller, historischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Die "Sammlung Lautawerk" ist ein fundamentales Zeitdokument und eine unersetzliche Bündelung Wissens zu regionaler Industriekultur. Kiefels haben sich eine Entscheidung über den Verbleib der Sammlung nicht einfach gemacht. Angedacht war auch der Verbleib der Zeitdokumente bei der Stadt Lauta oder im Bestand des Lausitzer Technologiezentrums Lauta, wo von der Seniorenakademie eine repräsentative Schau zusammengetragen wurde.

Entscheidend war wohl eine Begegnung mit der Knappenroder Museumsleiterin Kirstin Zinke bei einem Tag der offenen Tür. Es waren die Erfahrungen und die Professionalität der Knappenroder Museologen und deren Ausrichtung in Sachen regionale und Lausitzer Industriegeschichte, die den Ausschlag gaben, die "Sammlung Lautawerk" in der Nachbarstadt zu bewahren.

Bei Gesprächen am Rande der Präsentation zeigte Kirstin Zinke sich noch immer begeistert von diesem "gewaltigen Konvolut und seiner akribischen Dokumentation".

Zugleich ist sie froh über den Mut der Familie Kiefel, sich von ihren Schätzen zu trennen und sie in geeigneter Form dem Museum zu übertragen. "Diese Sammlung wird unseren Enkeln und Urenkeln noch in 100 Jahren von einer wechselvollen Industriegeschichte Zeugnis geben und Wissen vermitteln, das anderenorts in Vergessenheit zu geraten droht."

Barbara Brunner ist fasziniert von der Zuordnung der Materialien, die Hans Kiefel damals ohne Google aufgebaut hat. Deren Systematik macht es den Museologen schon jetzt möglich, bestimmte Materialien aufzufinden.

Hans Kiefel war ein Allrounder. Er hat auch eine viel beachtete Dokumentation zu menschlichen Schicksalen während der 1940er Jahre in Lautawerk und Umgebung zusammengetragen. Sein Sohn erinnert sich an Dankesbriefe aus der Ukraine. Sein Vater hat mit seinen Belegen dazu beigetragen, dass ein ehemaliger Zwangsarbeiter nun eine bescheidene Rente bekommt.

Derzeit wird in Knappenrode ein neues Ausstellungsprofil zur Industriegeschichte der Lausitz zusammengetragen. Mit Sicherheit werden Teile der Sammlung Kiefel einfließen. Und wer Zeitzeugnisse zur Verfügung stellen möchte, wird mit offenen Armen begrüßt.