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| 18:45 Uhr

100 Jahre Fußball in Lauta
Die gute, alte Fußballzeit

 Lutz Schmaler trainiert die Bambini-Mannschaften des FSV Lauta. Bei den „Oldboys“ spielt er am Sonntag selbst.
Lutz Schmaler trainiert die Bambini-Mannschaften des FSV Lauta. Bei den „Oldboys“ spielt er am Sonntag selbst. FOTO: Rainer Könen
Lauta. Beim FSV Lauta betreut Lutz Schmaler die kleinsten Nachwuchskicker. Am Wochenende feiert der Verein 100. Geburtstag. Von Rainer Könen

1964 war es. Lutz Schmalers Augen glänzen, als er davon erzählt. Er kickte damals mit einer Cottbuser Bezirksauswahl in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, gegen ein Auswahlteam des dortigen Bezirks. Eine Partie, die das Vorspiel für das anschließende Duell zwischen den Fußball-Nationalmannschaften der DDR und einer Olympiaauswahlmannschaft der damaligen BRD bildete. „Über 40 000 Menschen waren im Stadion“, blickt der heute 70-Jährige auf dieses Ereignis zurück. Eine beeindruckende Kulisse sei das gewesen, erinnert sich der gebürtige Hoyerswerdaer.

So ging sie los, seine Fußballkarriere. Deren Höhepunkt war sicher seine Station bei DDR-Ligist Vorwärts Cottbus. In der zweiten Fußballliga. Eine schöne Zeit sei das gewesen, erzählt Schmaler, der seit 2014 beim FSV Lauta ist.

Dort hatte Schmaler, der zuvor schon etliche Vereine in der Region trainierte, die erste Männermannschaft übernommen, war mit ihr im Jahr darauf aufgestiegen, von der Kreisliga in die Kreisoberliga. Seit drei Jahren kümmert er sich beim FSV Lauta um den Nachwuchs, trainiert und betreut die E- und F-Jugend. Die Bambini-Kicker.

Schmaler, der das war, was man unter einem klassischen Straßenfußballer versteht, jemand, der seine fußballerische Begabung auf Wiesen und Bolzplätzen, auf Schulhöfen und Hinterhöfen auslebte, vermisst diesen Typus des Fußballers in der heutigen Zeit. Der Grund: „Es gibt für die Jugend einfach zu viele Ablenkungen“, erzählt er. Es macht ihm Spaß, den Fußball-Kids ein paar einfache Wahrheiten über Fußball, Ballbehandlung und Technik zu vermitteln. Wichtig sei vor allem, alles kindgerecht und spielerisch zu vermitteln. Letztendlich habe man als Nachwuchscoach auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Gelte es doch auch, Werte wie Zuverlässigkeit oder Disziplin zu vermitteln.

Was mitunter nicht immer einfach sei, wie er bekennt. Schmaler erlebte als Jugendlicher seine fußballerische Sozialisation bei Lok Hoyerswerda, dem Verein, mit dem er als Spielertrainer in den 1970er-Jahren gar in die dritte DDR-Liga aufstieg. Er hat sie verinnerlicht, die klassischen Werte dieses Sports. Disziplin, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen. Wenn er auf seine Laufbahn zurückblickt, sind es diese Eigenschaften, die ihn so weit nach oben brachten. Jedoch: „Mir war klar, dass die zweite Liga für mich das absolute Maximum ist“, so der ehemalige Heizungsmonteur, der in seiner aktiven Zeit meist als Mittelfeldspieler eingesetzt wurde.

Wenn der FSV Lauta an diesem Wochenende „100 Jahre Fußball in Lauta“ feiert, ist das für ihn auch eine Zeit des Innehaltens, des Zurückblickens. Er sei ein wenig aufgeregt, bekennt der rüstige Rentner. Warum? Rückblick. Vor mehr als 40 Jahren gab es eine Begegnung am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1968: Da spielte er mit Vorwärts Cottbus gegen den 1. FC Union Berlin. Sein erstes Spiel für die Cottbuser. Ein Pokalspiel. Schmaler verlor mit seiner Mannschaft mit 0:1 gegen den späteren FDGB-Pokalsieger.

Am Sonntag, wenn die „Old Boys“ Lauta gegen das Traditionsteam des 1.FC Union Berlin antreten werden, wird Lutz Schmaler bei den Lautaern mitspielen. „Ich hoffe, ich kann zehn Minuten durchhalten“, grinst er. Vielleicht trifft er auf ehemalige Union-Spieler, die damals, bei seiner Premiere in der DDR-Liga, dabei waren. „Wäre schön, dann könnte man sich austauschen, über die gute, alte Fußballzeit.“

100 Jahre Fußball in Lauta geht zurück auf die Gründung des Arbeitersportvereins SSVgg. Adler 19 im Jahr 1919. 1926 wurde der bürgerliche Sportverein Turnerschaft 1926 gegründet; 1948 BSG Turbine Lautawerk.