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Lauta drängt auf eine Altlasten-Lösung

Am oberen Bildrand ist das Gebiet am Schleichgraben. Dort, wo die Bebauung der Werkssiedlung Lauta-Nord endet, gibt es weiterhin Probleme. Rechts zu sehen sind die Solarflächen auf dem ehemaligen Lautawerk-Areal.
Am oberen Bildrand ist das Gebiet am Schleichgraben. Dort, wo die Bebauung der Werkssiedlung Lauta-Nord endet, gibt es weiterhin Probleme. Rechts zu sehen sind die Solarflächen auf dem ehemaligen Lautawerk-Areal. FOTO: Radke/LMBV
Lauta. Im kommenden Jahr feiert Lauta 100 Jahre Produktionsstart des Lautawerks. Die Folgen der Aluminiumproduktion sind heute noch zu spüren. Sascha Klein

Der aktuelle Problemfall: die Blaue Donau. Das Gebiet der früheren Teerteiche nahe Lauta-Nord ist weiterhin mit phenolhaltigem Wasser verunreinigt. Seit Anfang der 1990er-Jahre schützt ein Drainagesystem die Anlieger vor noch mehr Gestank und den Boden vor weiterer Kontamination. Doch jetzt sei genau dieses Drainagesystem in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden. Die Herausforderung für die Stadt Lauta: Es ist nicht klar, wem diese Drainageleitungen gehören. Dementsprechend kann niemand verpflichtet werden, sich des Baus anzunehmen. Betroffen sind auch Anlieger in der Parkstraße und am Markt in Lauta-Nord, sagt Lautas Bauamtsleiter Wolfhardt Persicke. Immer wieder drückten stinkende Wässer in die Keller. Die Folge: Die Wohnqualität sinkt massiv.

Die Angst der Stadtverwaltung: Sollte sie sich bereiterklären, den ersten Schritt zu machen, kämen auf die Stadt Lauta im schlimmsten Falle Millionenkosten zu. Diese will sie jedoch in keinem Fall übernehmen und verweist darauf, dass die Altlastensanierung - das Lautawerk ist eines dieser Alt-Industriegebiete in Sachsen - Sache von Bund und Freistaat ist. Deshalb haben Stadtverwaltung und Stadtrat einen offenen Brief an den Lautaer Wahlkreisabgeordneten und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) geschrieben. Die Hoffnung der Lautaer: Womöglich findet die Verwaltung durch Hilfe und Vermittlung Tillichs eine Möglichkeit, den verworrenen Fall zu entwirren und eine Lösung zu finden, wie in Zukunft keine weiteren Schadstoffe in den Boden gelangen.

Im offenen Brief deutet die Stadtverwaltung eine technische Lösung an. Das bedeutet: In einem bestimmten Bereich müsste verunreinigter Boden großflächig ausgetauscht werden. Manfred Rüster beschäftigt sich im Projektmanagement Lautawerk seit 1994 mit der Altlastensanierung vor Ort. Er schätzt, dass eine Sanierung zwischen sechs und sieben Millionen Euro verschlingen könnte. Instandsetzung oder Neubau der Drainageleitung inklusive Monitoring könnte 1,5 Millionen Euro kosten.

Was die Lautaer jetzt von den zuständigen Behörden fordern: ein besseres Gewässermonitoring, um Anzeichen für neue Schäden oder eine Verlagerung des Grundwasserschadens schnell erkennen und im Ernstfall handeln zu können. Der Schleichgrabeneinlauf in den Erikasee soll kontrolliert und beprobt werden, um auszuschließen, dass auch dieser See durch Altlasten der Aluproduktion verunreinigt wird. Zudem fordern Verwaltung und Stadtrat Sofortmaßnahmen, damit phenolhaltiges Wasser nicht mehr in Keller in der Parkstraße und am Markt laufen kann. Zuletzt möchten die Lautaer auch durchsetzen, dass geprüft wird, inwieweit die Blaue Donau durch Zugabe von Nähr- und Sauerstoff saniert werden kann und ob die vorhandene Drainage erneuert und teils ersetzt werden kann.

Knackpunkt für Lauta: Es muss sich jemand finden, der das bezahlt. Die Lautaer sind der Überzeugung, dass sie die Finanzierung dieser Aufgaben komplett überfordert und sie kommunalrechtlich auch nicht zuständig seien. Dabei berufen sich die Initiatoren auf Gespräche mit dem Bautzener Landratsamt. "Ökologische Altlastenprojekte dieser Dimension können adäquat nur von Bund und Ländern bewältigt werden", heißt es im offenen Brief.

Zum Thema:
1917: Das Lautawerk entstand ab und soll nach unbestätigten Berichten bis zu 270 Millionen Reichsmark gekostet haben. Im Jahr 1918 begann die Produktion. Das Werk war zum Ende des Ersten Weltkrieges erst zu knapp einem Drittel ausgebaut. In der DDR gehörte das Aluminiumwerk zu den Großbetrieben. Im Juli 1990 wurde die Alu-Produktion eingestellt. In den Jahren danach sind die meisten Gebäude abgerissen worden. Heute erinnert an der B 96 noch der alte Wasserturm an die Geschichte des einst riesigen Werks.Nach 1990 begann die großflächige Sanierung des teils schwer kontaminierten Geländes. Abwässer der Gasgeneratorenanlage in unabgedichtete Erdbecken führten zu Verunreinigungen auf einer Fläche von rund neun Hektar. Zwischen 2002 und 2005 ist an den Teerteichen rund 240 000 Tonnen belastetes Material entnommen worden.Die Blaue Donau liegt im Grundwasserabstrom der Teerteiche. Durch gaswerktypische Schadstoffe ist in diesem Gebiet ein großflächiger Grundwasserschaden eingetreten.Das Tagebaurestloch "Heide V" ist bis 1990 als Absatzanlage zur Einspülung von Bauxitschlämmen genutzt worden.Die erwarteten Gesamtkosten für die Sanierung des Altlasten-Großprojekts Lautawerk werden auf 50 bis 60 Millionen Euro beziffert.