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| 18:36 Uhr

Altes Handwerk an altem Instrument
Experte aus Niesky restauriert Lauta Dorfs Orgel

 Johannes Soldan (57), Orgelbauer aus Ödernitz bei Niesky, saniert die Orgel in der Laurentiuskirche in Lauta Dorf. Das Instrument ist inzwischen 225 Jahre alt und kaum verändert worden.
Johannes Soldan (57), Orgelbauer aus Ödernitz bei Niesky, saniert die Orgel in der Laurentiuskirche in Lauta Dorf. Das Instrument ist inzwischen 225 Jahre alt und kaum verändert worden. FOTO: LR / Sascha Klein
Lauta Dorf. Der Lausitzer Orgelbauer versetzt die Balganlage vom Dachboden wieder direkt ans Instrument. Von Sascha Klein

Johannes Soldan (57) steht neben der Orgel der Laurentiuskirche in Lauta Dorf und schaut auf den Blasebalg. Das neu eingebundene Leder glänzt noch richtig am alten Gebälk. Das ist ein Teil seiner Arbeit. Sein Auftrag lautet: Die alte Orgel soll nach der Restaurierung wieder erklingen.

„Die Orgel hier ist schon eine Besonderheit“, sagt der Orgelbauer aus Ödernitz bei Niesky. Denn sie ist noch weitgehend im Originalzustand. Andere Orgeln, vor allem in den westlichen Bundesländern, seien oftmals nur noch äußerlich ein Original, technisch aber deutlich verändert worden. In Lauta Dorf hat sich am Innenleben in den vergangenen 225 Jahren wenig verändert. Die Orgel in der Dorfkirche stammt aus dem Jahr 1794. Ihr Erbauer: Carl Gotthold Claunigk aus Sonnewalde im Elbe-Elster-Kreis.

Eine ganz einschneidende Änderung hat die Orgel in Lauta Dorf in den vergangenen Jahrzehnten allerdings doch erfahren: Um den Blasebalg nicht mehr per Hand betätigen zu müssen, ist irgendwann ein Motor eingebaut worden. Weil jedoch dieser Motor einst extrem laut gewesen ist, ist die Balganlage der Orgel irgendwann auf den Dachboden verfrachtet worden. Ein genaues Datum lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Im Rahmen der Arbeiten am Dach der Dorfkirche in den Jahren 2017 und 2018 haben sich die Verantwortlichen überlegen müssen, ob sie die Balganlage wieder direkt an der Orgel montiert haben wollen. „Die Orgelsachverständigen haben uns das empfohlen“, betont Sigrid Roeser, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Das Projekt Orgelsanierung kostet zwischen 8000 und 10 000 Euro. Das Geld stammt aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde und aus Spenden.

So hat Orgelbauer Soldan mit der Orgel in Lauta Dorf einen ganz speziellen Fall an Land gezogen. Er hat die komplette Balganlage auseinandergebaut. Die Blasebälge hat er in seine Werkstatt mitgenommen und restauriert, andere Teile ganz neu gebaut. Dabei kommen ihm seine beiden Berufe zugute: Tischler und Orgelbauer. Der Lausitzer hat Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre beide gelernt. Seit knapp 40 Jahren beschäftigt er sich nun schon mit den stolzen Orgeln. Er ist viel in Deutschland unterwegs, hat aber auch schon in Namibia, in den USA, in der Slowakei und Rumänien gearbeitet. „Man muss Tischler und Orgelbauer sein, aber auch ein wenig Schuhmacher und Musiker“, sagt Soldan. Gewisse Elektrik-Kenntnisse seien auch nicht von Nachteil, sagt er.

In Lauta Dorf hat der Nieskyer alle seine Fähigkeiten in die Waagschale werfen müssen. „Es macht schon Spaß, sowas zu machen, mit alten Materialien und alter Substanz“, sagt er. Und noch ist der Experte in Lauta Dorf auch nicht ganz fertig. Das alte Instrument aus dem 18. Jahrhundert wird ihn weiterhin fordern.

 Lauta Dorf: Johannes Soldan (57), Orgelbauer aus Ödernitz bei Niesky, saniert die Orgel in der Laurentiuskirche in Lauta Dorf. Er hat die Balganlage völlig neu aufgebaut. Sie war vorher im Stockwerk darüber angebracht.
Lauta Dorf: Johannes Soldan (57), Orgelbauer aus Ödernitz bei Niesky, saniert die Orgel in der Laurentiuskirche in Lauta Dorf. Er hat die Balganlage völlig neu aufgebaut. Sie war vorher im Stockwerk darüber angebracht. FOTO: LR / Sascha Klein