Von Sascha Klein

Sigrid Roeser wälzt einen dicken Ordner. Stellungnahmen, Gutachten, Kostenvoranschläge, Kommunikation mit der Kirchenverwaltung, mit der Denkmalbehörde. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates (GKR) in Lauta Dorf ist erneut damit beschäftigt, ein großes Bauprojekt auf die Beine zu stellen. Worum es im Kern geht: um den Erhalt der Laurentiusglocke, des großen Lautaer Symbols, und deren jüngerer Schwester.

Ortstermin an der Kirche in Lauta Dorf: Neben der Laurentiuskirche steht der alte, verwitterte, kleine Glockenturm. Es braucht keinen Baufachmann, um zu sehen: In dem Turm steckt jede Menge Arbeit. Auf den ersten Blick wird klar: Die Verkleidung des Glockenturms hat seine besten Tage lange hinter sich. Sie ist vermutlich in den 1960er-Jahren letztmals erneuert worden. Was erst derjenige sieht, der die Treppe des Glockenturms hochsteigt: Auch dort muss dringend etwas passieren.

Dass etwas am Glockenturm und an den Glocken getan werden muss, kann allerdings jeder in Lauta Dorf hören, wenn die Glocken läuten. Immer wieder steht eine der beiden still. Dann müssen die fleißigen Helfer den Turm emporsteigen und schauen, was diesmal nicht richtig funktioniert.

Der Glockenturm muss jetzt saniert werden, sonst verstummen die beiden Glocken aus den Jahren 1501 und 1512 womöglich für immer. Der Sockel ist durch Nässe stark geschädigt und auch die tragende Holzkonstruktion, die laut Sigrid Roeser vermutlich aus dem 17.Jahrhundert stammt, ist durch Umwelteinflüsse stark angegriffen. Die starken Schwingungen beim Läuten sorgen dafür, dass die Schäden immer größer werden.

Was dazu kommt: Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die beiden Glocken unsachgemäß wieder eingebaut worden. Statt an einem Holzbalken und Holzjochen sind sie an Stahlträger und Stahljochen befestigt worden. Die Folge: Glocken und Klöppel nutzen sich schneller ab. Wenn die Glocken nicht jetzt instandgesetzt werden, drohen größere Schäden.

Vor allem die Laurentiusglocke ist betroffen. Sie ist das Symbol der Stadt Lauta. Seit 1934 führt Lauta die Glocke mit dem Abbild des Heiligen Laurentius im Wappen. Auch mit der Bildung der Stadt vor mehr als 50 Jahren hat Lauta die Glocke im Wappen behalten. Die Laurentiusglocke stammt laut Überlieferung von einer Kapelle auf dem Koschenberg nahe Großkoschen. Ihr Entstehungsjahr: 1401. Sie ist 1512 umgegossen worden und nach Lauta Dorf gekommen. Sie wiegt 335 Kilogramm. Die zweite Glocke aus dem Jahr 1501, mit 445 Kilogramm deutlich schwerer, ist im Zweiten Weltkrieg knapp dem Einschmelzen entgangen. Die Bronzeglocke musste im Jahr 1942 abgegeben werden, ist jedoch nach 1945 wieder nach Lauta Dorf zurückgekommen.

Die Vorbereitungen für die Sanierung von Glocken und Glockenturm sind jedoch gar nicht so einfach. Denn: „Wir hatten schon eine Firma in Nördlingen gefunden, die unsere Glocken instandsetzt“, sagt Sigrid Roeser. Dann hätte das Unternehmen jedoch bekanntgegeben, dass es in Kürze schließt. Jetzt sollen die Glocken von einem Luckauer Unternehmen abgebaut und in die Niederlande gebracht werden. Die historischen Bronzeglocken werden dort an der Aufhängung umgeschweißt, mit neuen Klöppeln versehen und wieder denkmalgerecht an Holzjochen eingebracht. Später wird zudem die sanierungsbedürftige Läuteanlage saniert.

Auch in Sachen Finanzierung muss die Kirchengemeinde in Lauta Dorf zum wiederholten Male kreativ werden. Nach der vorgezogenen Dach-, Decken-, Fenster- und Orgelsanierung in den vergangenen Jahren und Gesamtkosten in Höhe von rund 240 000 Euro – ein Großteil aus Fördermitteln – steht jetzt der nächste Invest-Brocken an.

GKR-Vorsitzende Sigrid Roeser schätzt die Bausumme für die Sanierung des Glockenturms und der beiden Glocken insgesamt auf rund 135 000 Euro. Ein Großteil der Kosten – etwa 115 000 Euro, darunter 30 000 Euro Eigenmittel – sind bereits finanziert.

Es fehlen aber immer noch etwa 20 000 Euro. Diese will die Kirchengemeinde durch Spenden und per Benefizveranstaltungen in den kommenden Wochen einwerben. Zum Hintergrund: Bei der Dachsanierung war es gelungen, 40 000 Euro Spenden zu sammeln. Allerdings: Die Zeit wird knapp. Es soll bereits im April/Mai 2020 gebaut werden. Bis dahin muss die Finanzierung stehen.