Lausitzhalle, Haupteingang: Der Weg ist klar: an der Garderobe vorbei links oder rechts in den Großen Saal. Doch Moment: Wo geht es eigentlich hin, wenn man rechts am Saal vorbeigeht und dann noch einmal abbiegt? Ist das die kleine, große Freiheit? Wer die richtige Tür öffnet, dem erschließen sich mit dem Atrium völlig neue Möglichkeiten.
Dirk Rolka steht an der einen Seite des überraschend großen Atriums der Hoyerswerdaer Lausitzhalle und spricht noch schnell mit einem Techniker. Es ist kurz vor 19 Uhr. Gleich geht es los – die nächste Ausgabe von „Sommer im Atrium“. An der Stirnseite sind Bühne und Bühnentechnik aufgebaut. „Wir haben dort die Fläche pflastern lassen, damit die Bühne einen besseren Stand hat“, sagt der Geschäftsführer. Auf der anderen Seite des Atriums steht eine kleine Bar, an der es diverse Getränke und Brezeln als Snack gibt. Der Grill daneben bietet die Möglichkeit, auch eine Bratwurst und ein Steak zuzubereiten.
An diesem Abend haben sich kurz vor Veranstaltungsbeginn etwa 60 Gäste eingefunden. Das ist der Rahmen, mit dem Geschäftsführer Dirk Rolka rechnet: „Unser Ziel sind 50 bis 70 Gäste pro Veranstaltung“, sagt er. Diese Reihe „Sommer im Atrium“ soll bewusst klein und fein sein. Zudem ist es eine Möglichkeit für die Lausitzhalle, auch kleinere Veranstaltungen in einem ganz besonderen Rahmen anzubieten – abseits des riesigen Großen Saals mit seinen mehr als 800 Plätzen.

Atrium der Lausitzhalle wird zur Freiluft-Variante

Wie die Lausitzhalle auf diese Atrium-Idee gekommen ist: Schuld ist die Corona-Pandemie mit ihren vielen Einschränkungen für die Veranstaltungsbranche. Wie Dirk Rolka sagt, haben 2021 viele Häuser versucht, kleine Formate zu entwickeln, um überhaupt aufmachen zu dürfen. „Viele Veranstalter sind einfach vor die Tür gegangen. Wo hätten wir da hingehen sollen?“, sagt er ironisch. „Vor der Tür“ ist für die Lausitzhalle der Lausitzer Platz. Laut Rolka hat sein Haus auch rechtlich lange Zeit gar keine Chance gehabt, Kultur anzubieten.

Hoyerswerda

Dann die Erleuchtung: Die Lausitzhalle hat ein Kleinod, mit dem selbst viele Mitarbeiter nicht gerechnet haben: „Vor 2021 ist dieses Atrium meines Wissens nie genutzt worden. Es war ganz nicht klar, wofür das ist“, sagt Dirk Rolka. Das Atrium hat einen reizvollen Innenhof-Charme – umgeben von den mächtigen Mauern des altehrwürdigen „Haus der Berg- und Energiearbeiter.“ Das Ambiente verbreitet ein Gefühl einer Oase mitten in der Hoyerswerdaer Neustadt.
Für die Lausitzhalle-Akteure ist es auch im zweiten Jahr noch nicht selbstverständlich, Kennern des Hauses zu erklären, was dieses Atrium eigentlich ist: „Viele sagen: ,Ihr habt Bäume in der Lausitzhalle?‘“, sagt Dirk Rolka und lacht. Bei manchem rufe das nur ungläubiges Kopfschütteln hervor. Andere seien sich auch nach fast 40 Jahren regelmäßiger Besuche im Haus sicher, dort noch nie Bäume gesehen zu haben. Aber: Es gibt sie tatsächlich.

Sommerserie läuft bis Ende August 2022

Also versucht die Lausitzhalle nun, auch in der Sommerpause 2022 aus der Not eine Tugend zu machen. Zwischen dem 25. Juni und dem 27. August gibt es den „Sommer im Atrium“ – mit Konzerten, Kabarett, Comedy und Lesungen. „Unsere Erfahrung ist: Meist läuft die Reihe schleppend an und wird später viel durch Mund-zu-Mund-Progaganda verbreitet“, sagt Dirk Rolka.
Was für den Erfolg der Reihe „Sommer im Atrium“ mitentscheidend ist: die Wetter-App der Techniker. Sie müssen anhand der Wettervorhersage einschätzen, ob der Abend im Atrium möglich ist oder ob Regen ansteht. Am jüngsten Donnerstag – zu Gast war Comedian und Erzieher Yves Macak – hat es pünktlich um 18.50 Uhr angefangen zu regnen.
Die Techniker sind aufgrund der Vorhersage allerdings vorbereitet gewesen. Das heißt: Im Regenfall können die Verantwortlichen reagieren. Der „R-Zieher“ Macak hat sein Programm im Großen Saal aufgeführt – selbst wenn es nur 60 bis 70 Gäste gewesen sind. Immerhin: Trocken geblieben sind alle.

Veranstaltungsreihe „Sommer im Atrium“

Die Lausitzhalle Hoyerswerda bietet in der Sommerpause zwischen Ende Juni und Ende August 2022 mehrere Veranstaltungen im Atrium des Hauses an. Bei „Sommer im Atrium“ geht es um Musik, Kabarett, Comedy und Lesungen.
Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr. Ein Ticket kostet jeweils 25 Euro. Eine Ausnahme: Die Lesung mit Grit Lemke kostet 10 Euro; 25 Euro werden fällig, wer Lesung und eine exklusive Lausitzhalle-Führung bucht. Tickets können online unter lausitzhalle.de bestellt werden.
21. Juli 2022: Tatjana Meissner – Kabarett
28. Juli 2022: Bartlomiej Fras und Julianna Vinci – klassische Musik
4. August 2022: Matthias Machwerk – Comedy
11. August 2022: Lukas Reiner – Straßenmusik
18. August 2022: Dirk Zöllner und André Drechsel – musikalische Lesung
25. August 2022: Grit Lemke („Kinder von Hoy“) – Lesung
27. August 2022: Christian Haase (solo) – Konzert
Die Veranstaltung am 14. Juli 2022 mit Jan Langreder fällt laut Lausitzhalle aus organisatorischen Gründen aus.