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| 14:57 Uhr

Weihnachtsmärchen in der Lausitzhalle
Generalprobe für den „Classico“

 Mario Petermann als tapferes Schneiderlein und Torsten Hauser als Mussfrau Trine stehen auf der Lausitzhallenbühne.
Mario Petermann als tapferes Schneiderlein und Torsten Hauser als Mussfrau Trine stehen auf der Lausitzhallenbühne. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Weihnachtszeit ist Märchenzeit: Die LR schaute bei der Probe vom „Tapferen Schneiderlein“ in der Lausitzhalle zu.

Wenn in der spanischen Primera División der FC Barcelona auf Real Madrid trifft, ist da meist vom „Classico“ die Rede. Vom Klassiker schlechthin. Ein Begriff, den man sicher auch hier und da auf andere Lebensbereiche übertragen kann, etwa auf die Kultur.
Ein „Classico“ im übertragenen Sinne ist wohl auch das traditionelle Weihnachtsmärchen, das in der Lausitzhalle am 23. und 24. Dezember alljährlich tausende von Menschen anzieht. Und dies seit rund drei Jahrzehnten.

Die vier Vorstellungen sind ständig ausverkauft. Seit vielen Jahren reißt man sich auch um die Tickets für die Generalprobe. Wenn man so will, ist das Weihnachtsmärchen im Programmplan der Lausitzhalle der Klassiker unter den dortigen Veranstaltungen.  
Regisseurin Karen Lukschanderl hat in der vergangenen Woche mit dem Ensemble fleißig geprobt. Klar, es ist wieder ein Grimm´sches Werk: Im Mittelpunkt steht ein tapferes Schneiderlein, das auf seinem Weg durch die Welt so manches erlebt. Damit sollen die Zuschauer  auf die Festtage eingestimmt werden.
Jens-Uwe Röhl erzählt an diesem Samstagnachmittag, kurz vor der Generalprobe, dass „ich eine riesige Rolle habe“. Stimmt. Er mimt einen Riesen, der sich mit dem von Mario Petermann dargestellten Schneiderlein anlegt – und im Laufe der Handlung diesem Männchen mit der flinken Nadel im Zweikampf sogar unterliegt. Damit nicht genug: „Eine Sau bin ich auch noch“, grinst der 55-Jährige. Ein Wildschwein, eines, das obendrein noch tanzen darf. Jens-Uwe Röhl ist zufrieden. Diese Figuren liegen ihm. Könnte allerdings mit dem Umziehen ein wenig knapp werden, das hat er schon gemerkt. Aber „wird schon irgendwie hinhauen“, ist er zuversichtlich.
In diesem Jahr wirken insgesamt acht Darsteller des Lausitzhallenensembles mit, dazu kommen noch die jungen Damen des Showballetts. Geprobt wurde in den vergangenen Wochen zumeist daheim. Texte lernen. Regisseurin Karen Lukschanderl, die natürlich mitwirkt und als Gouvernante Fräulein von Mückebein auf die junge Prinzessin (Helene Déus) achtgeben muss, erzählt, dass man das Stück vor dieser Generalprobe nur drei Mal habe komplett durchspielen können. „Ist nicht viel“, meint sie. Aber sie kann sich auf ihr eingespieltes Ensemble verlassen. Sie weiß, wenn es im Spielfluss hapert, muss improvisiert werden. Ist doch Märchenzeit.
Für die tänzerischen Einlagen sind die jungen Frauen des Showballetts zuständig. Ohne diese Elemente geht es im Weihnachtsmärchen einfach nicht. Die Tänzerinnen sind ein fester Bestandteil dieser Produktion, die in diesem Jahr, die Generalprobe eingeschlossen, wieder einmal knapp 4000 Menschen in die Halle lockt.

Im Foyer hinter der Bühne macht sich kurz vor Beginn  Nervosität breit, hier noch ein Blick ins Textbuch, dort noch ein wenig Make-up und Torsten Hauser hat Probleme mit seinem BH. „Kann mir den mal jemand zumachen“, ruft er. Bühnentechniker Hauser ist langjähriges Ensemblemitglied, eine Rolle wie die der Mussfrau Trine ist für ihn eine Herausforderung. Sprachlich, optisch. Ein wenig hölzern kommt seine Trine in der Anfangssequenz noch rüber. Das Wesen einer Generalprobe ist, dass diese einen Hauch von Premiere vermitteln soll. Wird durchgespielt, auch wenn es holpert. Aber zum Wesen einer Generalprobe gehört es auch, dass der Regisseur diese mal unterbricht. Jedoch: „Das verkneift man sich mittlerweile“, erzählt Regisseurin Lukschanderl. Denn der Besuch der Generalprobe ist ja nicht kostenfrei. Wer ein paar Euro fürs Ticket bezahlt, blendet schnell aus, dass die da oben auf der Bühne eigentlich noch im Probemodus sind. Muss alles klappen. Und wenn nicht, wird kompensiert, mit übergroßer Spielfreude.

Am Samstag gab es nach der Generalprobe eine Auswertung. Was gelang, was nicht. Am Sonntag gingen die ersten beiden Vorstellungen über die Bühne. Vom Publikum gab es eine Menge Beifall. An Heiligabend stehen die letzten Vorstellungen auf dem Programm. Um 14 und um 16 Uhr wird sich der Vorhang für „Das tapfere Schneiderlein“ heben. Eine unterhaltsame und mit einigen Überraschungen versehene Inszenierung, die am Ende – ist ja schließlich Weihnachten – auf jeden Fall ein Happy End hat.