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| 19:00 Uhr

Lausitzer Vogelwelt wird von Mink und Waschbär bedroht

Neschwitz/Hoyerswerda. In der Teichlausitz schrillen die Alarmglocken. Fremdländische Kreaturen bringen die Vielfalt der Vogelwelt in Gefahr. Die ist auf Exoten wie Waschbär und Mink nicht vorbereitet. Torsten Richter / trt1 trt1

Insbesondere in der Teichlausitz machen sich diese Arten an Eiern in Nestern und Jungvögeln zu schaffen. "Früher gab es fast auf jedem Teich mindestens eine Vogelfamilie", weiß Experte Dr. Winfried Nachtigall, Geschäftsführer des Fördervereins Sächsische Vogelschutzwarte

Neschwitz. "Doch seit Jahren haben solche Bilder Seltenheitswert." Das verwundert nicht, leben auch Mink und Waschbär im gleichen Habitat wie die Wasservögel. "Selbst von den vor ein paar Jahrzehnten noch sehr häufigen Blesshühnern schaffen es nur noch ein paar Jungvögel, groß zu werden", beschreibt Nachtigall die Problematik.

Diese beschränke sich indes nicht nur auf das Teichland, sondern umfasse die komplette Oberlausitz und weitere Teile Sachsens. Allerdings gebe es derzeit noch keine Zahlen, wie groß die Schäden tatsächlich seien. Denn normalerweise würden Minke und Waschbären, die Wissenschaftler als "Neozoen", also "neue Tiere" bezeichnen, in Europa gar nicht vorkommen. Ihre ursprüngliche Heimat befindet sich in großen Teilen Nordamerikas. Durch Aussetzaktionen sowie Ausbrüche aus Pelztierfarmen konnten hierzulande zahlreiche Tiere fliehen und sich vermehren. Aufgrund des neuen Lebensraums haben sie kaum Feinde. Im Gegenzug besitzen heimische Arten gegen die "Fremdländer" nur wenige Schutzmechanismen.

Deshalb werden Waschbär und Mink bejagt. In der Oberlausitz erlegen die Jäger eigenen Angaben zufolge pro Jahr Waschbären lediglich im zweistelligen Bereich. Die Bejagung gilt als sehr aufwendig, da nicht wenige Tiere in menschlichen Siedlungen lebten und deshalb besondere Sicherheitsbestimmungen beachtet werden müssen.

Laut Winfried Nachtigall gefährden Minke und Waschbären insbesondere die im Schilf brütenden Vogelarten. Neben dem Blesshuhn zählten unter anderem auch Enten sowie verschiedene Rohrsängerarten dazu.

Vor einiger Zeit ist dem Biologen eine Aufnahme einer Blesshuhnfamilie mit sechs Jungtieren, die auf einem Teich schwimmen, gelungen. "Solch ein fotografischer Schnappschuss ist heutzutage eine richtige Rarität geworden", kommentiert der Ornithologe. Er beobachtet bereits seit über 30 Jahren die heimische Vogelwelt.

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Auch vor einem dramatischen Rückgang an Haus- und Feldsperlingen warnt der Geschäftsführer des Fördervereins Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz, Dr. Winfried Nachtigall. Die Bestände hätten sich in den vergangenen Jahren um ein Drittel verringert. Die zahlreichen Luken und Löcher in Häusern und Nebengebäuden seien durch Sanierungsarbeiten beseitigt. "Sperlinge sind de facto wohnungslos geworden." Darüber hinaus litten die Tiere unter Nahrungsengpässen, weil die früher artenreiche Feldflur durch die veränderte Landbewirtschaftung ziemlich artenarm geworden sei, erklärt Nachtigall. trt1