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| 17:42 Uhr

Sorbenparlament
Lausitzer Sorben und Wenden wählen eigenes Parlament

Thomas Zschornak verkündet in Schwarzkollm den Wahlaufruf für ein Sorbenparlament im Beisein von Hannes Wilhelm Kell, Sprecher der Niederlausitz (l. von Zschornack), und Martin Walde, Sprecher der Oberlausitz (r. von Zschornak).
Thomas Zschornak verkündet in Schwarzkollm den Wahlaufruf für ein Sorbenparlament im Beisein von Hannes Wilhelm Kell, Sprecher der Niederlausitz (l. von Zschornack), und Martin Walde, Sprecher der Oberlausitz (r. von Zschornak). FOTO: Reinhard Hoffmann
Hoyerswerda . Die Initiativgruppe Serbski Sejm startet ihren offiziellen Wahlaufruf in Schwarzkollm. Von Reinhard Hoffmann

Die erste frei gewählte sorbisch-wendische Volksvertretung soll bis zum 3. November dieses Jahres per Briefwahl bestimmt sein. Die Kandidaten dafür können Kommunen, sorbisch/wendische Verbände, Vereine und Einrichtungen bis zum 13. August benennen. Parallel dazu können sich Wählerinnen und Wähler bis spätestens zum 27. Oktober in die Wählerlisten eintragen lassen. So sieht es der Zeitplan der Initiativgruppe „Serbski Sejm“ und deren Trägervereins Smy vor. Am 1. Mai haben beide an der Schwarzen Mühle in Schwarzkollm ihren Wahlaufruf gestartet. Wahlberechtigt ist jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland ab dem 16. Lebensjahr, unabhängig vom Wohnort, der sich als Sorbe/Wende bekennt. Bei dem Maifest haben sich gleich mehr als 60 Besucher als Wähler registrieren lassen.

Initiativgruppe und Trägerverein bemühen sich seit sieben Jahren um ein demokratisch legitimiertes Parlament als Vertretung von derzeit etwa 60 000 Menschen sorbischer Nationalität. Nachprüfbar ist die Zahl jedoch nicht. Eine von den Initiatoren eingerichtete Internetpetition für ein eigenes Parlament haben jedoch bis Ende April knapp 1000 Menschen unterzeichnet.

In den sieben Jahren waren die Aktivisten auf dem Weg durch die gesellschaftlichen Instanzen und der Selbstfindung. Im Januar vorigen Jahres konstituierte sich die Rada Starostow (Ältestenrat) im Schloss Hoyerswerda.

Mit dem Versuch, ein eigenständiges sorbisches Parlament zu gründen, stoßen die Akteure auf viele Probleme, angefangen beim Geld. Denn die Stiftung für das Sorbische Volk hat den Förderantrag zur Wahl der Volksvertretung abgelehnt, weil „der Fördergegenstand nicht dem im Staatsvertrag über die Errichtung einer Stiftung für das sorbische Volk beschriebenen Stiftungszweck entspricht“. Das Geld für die Wahldurchführung müssen die Mitglieder des Ältestenrates, die, wie alle Mitglieder der Initiativgruppe, ehrenamtlich arbeiten, deshalb durch Spenden akquirieren. Der Stiftungsrat verwaltet jedoch nach eigenen Angaben in diesem Jahr ein Budget von rund 18,7 Millionen Euro.

Der im Herbst gewählte Sejm soll eine Verfassung für das sorbische Gemeinwesen erarbeiten. Territoriale Umstrukturierungen sind nicht angedacht. Es geht um eine Kultur- und Bildungsautonomie für das sorbisch/wendische Volk und die Selbstbestimmung seiner inneren Angelegenheiten. Das erklärten die beiden Sprecher der Initiative für ein Serbski Sejm, Martin Walde und Hannes-Wilhelm Kell. Zu den Zielen des Sejm gehöre ebenfalls, einen neuen Staatsvertrag zwischen Bund, dem Freistaat Sachsen, Land Brandenburg und dem Sorbischen Parlament zu verhandeln.

All dem steht der Bundesvorstand der Domowina in Bautzen nach wie vor ablehnend gegenüber. Im Landtag in Dresden wurden die Protagonisten des Sejm zur Klärung „innersorbischer Anliegen“ auf die Domowina, den sächsischen Sorbenrat und sorbische Vereine verwiesen. Tatsächlich scheint sich bei Sejm-Aktivisten das Bestreben zur Zusammenarbeit mit Mitgliedern und Funktionären der Domowina durchgesetzt zu haben.

In der Bevölkerung kommen die aufgeworfenen Fragen jedoch selten an oder sie steht ihnen skeptisch gegenüber. Die Mehrzahl der Sorben/Wenden erwartet von beiden Seiten eine Aussöhnung, um gemeinsam einen neuen Weg zu finden.

Klar sei den Aktivisten der Sejm-Befürworter, dass ihre Bemühungen nur erfolgreich sein werden, wenn es gelingt, im sorbischen und deutschen Umfeld Akzeptanz und Unterstützung zu finden. Das bestätigen die beiden Sprecher der Gruppe. Deshalb wollen die Initiatoren des Wahlaufrufes zum Serbski Sejm in den kommenden Monaten auf einer Reihe von Regionalforen in der Nieder-, Mittel- und Oberlausitz für ihre Idee und ihren Wahlaufruf werben.