Von Torsten Richter-Zippack

Er sollte 700 Meter lang werden, eine Schleuse erhalten und dazu zwei Brücken. Doch daraus wird definitiv nichts mehr. Der Überleiter 7 ist begraben. „Er hat keine Priorität“, sagt Marco Henkel, Referent beim Dresdner Wirtschaftsministerium, nüchtern. Aus diesem Grund seien auch keine Planungen und Kostenschätzungen vorhanden. In früheren Jahren geisterte die Summe von zehn Millionen Euro über dem Kanal. Warum der Überleiter zwischen dem Partwitzer See und dem Blunoer Südsee nicht gebaut wird, begründet Marco Henkel so: „Er ist für die Sanierung der Tagebau-Restseen nicht erforderlich und würde demzufolge ausschließlich touristisch zu nutzen sein.“

Das ist den Kanal-Befürwortern Ort von Beginn an klar gewesen. Dennoch ist die Enttäuschung groß. Beispielsweise bei Siegfried Rasper aus Klein Partwitz. Er hatte vor rund zehn Jahren eine Bürgerinitiative zum Bau des Überleiters 7 ins Leben gerufen. „Eigentlich wäre dieser Kanal der Höhepunkt der neuen Seenplatte. Schließlich handelt es sich um die günstigste Verbindung vom Partwitzer See in den Ostteil der Restlochkette. Ich selbst lege das Vorhaben nicht zu den Akten, will weiter darum kämpfen.“

Rasper weist darauf hin, dass das Spreetaler Seengebiet jetzt nur über den Überleiter 6 erreicht werden könne. Allerdings müssten Boote und Schiffe auf dem angrenzenden Neuwieser See eine ziemlich schmale Fahrrinne benutzen. Schließlich befinden sich dort Flächen des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland. Eine Stellungnahme vonseiten der Naturschützer gibt es allerdings noch nicht.

Siegfried Rasper fordert, dass sich der Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen (LSS) mit ganzer Kraft hinter den Überleiter 7 stellen sollte. Er verweist auf den Leipziger Raum, wo in die dortige Bergbaufolgelandschaft südlich der Messestadt sehr viel Geld investiert worden sei, das auch und gerade den Touristen zugute komme. „Wir wollen hier in der Lausitz auch ein Stückchen von diesem Kuchen abhaben“, fordert der Klein Partwitzer.

Zweckverband LSS und Tourismusverband Lausitzer Seenland merken an, dass eine Kanalrealisierung allein aus Paragraf-4-Mitteln des Verwaltungsabkommens zur Bergbausanierung möglich sei. Für die laufende Periode (bis Ende 2022) funktioniere das jedoch nicht mehr. Und selbst wenn: Dann müssten andere wichtige Vorhaben zurückgestellt werden. „Eine Überlegung, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll, ist somit im Gesamtverbund zu betrachten und mit der Notwendigkeit und Finanzierung anderer Vorhaben zu vergleichen“, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. „Dies kann nicht so einfach erfolgen und bedarf weiterer Gespräche mit den verantwortlichen der Region“, fügt sie an. Die gleiche Ansicht vertritt auch Daniel Just, Geschäftsführer des Zweckverbandes LSS.

Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) ist ein Befürworter des Überleiters 7. „Er war stets Bestandteil des Seenverbandes im Lausitzer Seenland. Deshalb erachten wir eine Umsetzung als sinnvoll.“ Harig schlägt vor, bei künftigen Verwaltungsabkommen zu prüfen, ob der Kanal realistisch sei. Allerdings müsse ebenso geschaut werden, dass im Zuge eines Kanalbaus keine anderen wichtigen Vorhaben gestrichen werden.