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Investition
Klinikum baut HNO-Abteilung aus

Die HNO-Abteilung des Lausitzer Seenland Klinikums Hoyerswerda hat ein neues Gerät für die endoskopische Video-Schluck-Untersuchung bekommen. Oberärztin Dr. Adriana Felsöova (vorne) und Chefärztin Dr. Sylvia Balzer führen das Gerät vor.
Die HNO-Abteilung des Lausitzer Seenland Klinikums Hoyerswerda hat ein neues Gerät für die endoskopische Video-Schluck-Untersuchung bekommen. Oberärztin Dr. Adriana Felsöova (vorne) und Chefärztin Dr. Sylvia Balzer führen das Gerät vor. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Das Lausitzer Seenland Klinikum will jetzt verstärkt in die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung investieren und sich dort breiter aufstellen. Ein Grund dafür: die neue Chefärztin Sylvia Balzer. Von Sascha Klein

Dr. Adriana Felsöova führt die Spitze des Endoskops ganz vorsichtig in die Nase der Patientin ein. Das sieht aus wie ein dünnes, sehr biegbares Kabel. Die Oberärztin schaut kurz auf den Monitor. Darauf sieht sie das Bild, das die Endoskop-Kamera liefert. Hinter ihr überwacht Chefärztin Dr. Sylvia Balzer die Untersuchung. Die Medizinerinnen arbeiten gerade an dem neuen Gerät der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung. Damit können sie untersuchen, ob die Nahrung, die ein Patient aufnimmt, auch wirklich problemlos in der Speiseröhre ankommt. Das ist eine endoskopische Video-Schluck-Untersuchung und für die Fachleute in Hoyerswerda ein Quantensprung.

Bis jetzt hat die HNO-Abteilung neun Betten – eine eher kleine Abteilung im Seenland-Klinikum. Sie soll im kommenden Jahr jedoch deutlich an Gewicht gewinnen. „Wir haben in diesem Jahr bereits rund 200.000 Euro in die HNO-Abteilung investiert“, sagt Geschäftsführer Jörg Scharfenberg. Rund 70.000 Euro hat allein das Gerät für die Video-Schluck-Endoskopie gekostet. „Wir haben zudem das OP-Spektrum erheblich erweitert“, sagt Scharfenberg. Das Ziel: Statt Basisversorgung will Hoyerswerda künftig auch in diesem Gebiet eine Schwerpunktversorgung anbieten und damit mehr Patienten bekommen. Deshalb soll es künftig auch mehr HNO-Betten geben. Die Anzahl soll von derzeit neun auf mindestens 15 steigen. Eine weitere Steigerung sei nicht ausgeschlossen.

Ein entscheidender Faktor für Scharfenberg ist die neue HNO-Chef­ärztin Sylvia Balzer. Sie ist vor viereinhalb Monaten aus Thüringen nach Hoyerswerda gekommen und hat bereits etliches bewegt. Einige Operationen, für die Patienten zuvor in andere Kliniken verlegt werden mussten, sind jetzt in Hoyerswerda möglich. Drei Beispiele: die Tumorchirurgie im Mundraum, aufwändigere Operationen an der Ohrspeicheldrüse und Operationen am Mittelohr bei Schwerhörigkeit. Mit diesen neuen Angeboten wollen die Hoyerswerdaer ihr Spektrum deutlich ausbauen und Patienten, und damit auch die Einnahmen, in der Region behalten. Allein in den ersten 100 Tagen der Chefarzt-Tätigkeit von Sylvia Balzer hatte die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung 205 stationäre Patienten und 195 Eingriffe.

Klinikum-Geschäftsführer Jörg Scharfenberg sieht bei den neuen OP-Möglichkeiten in Hoyerswerda vor allem einen Vorteil bei den Patienten. Sie müssten zu Untersuchungen, Aufklärungsgesprächen, Diagnostik, OP und Nachbehandlung oftmals nicht mehr viele Stunden unterwegs sein.

Um das Spektrum in Hoyerswerda zu erweitern, will das Klinikum im kommenden Jahr weitere 50.000 Euro in die Hand nehmen und ein zweites, vollständiges Untersuchungszimmer schaffen. So könnten Wartezeiten reduziert werden. Zudem sei der Untersuchungsraum nötig, weil das Klinikum auf mehr Patienten hofft.

Sylvia Balzer hat in ihren ersten 100 Tagen als Chefärztin bereits einen Kennenlern-Marathon hinter sich. Neben sämtlichen Mitarbeitern und anderen Fachabteilungen im Krankenhaus hat sie eine Tour bei den niedergelassenen HNO-Ärzten hinter sich – von Finsterwalde bis Cottbus, von Bautzen bis Görlitz. „Das waren sehr interessante Gespräche“, sagt sie. Von etlichen Kollegen habe sie Hinweise für eine bessere Zusammenarbeit mit auf den Weg bekommen.

Privat ist sie in Hoyerswerda noch nicht ganz angekommen, sagt Sylvia Balzer. Gemeinsam mit ihrem Mann lässt sie in Uhyst ein Haus ausbauen, in das sie gemeinsam mit den beiden Katzen ziehen wollen. Zurzeit lebt die Chefärztin in einer Ein-Raum-Wohnung in Kliniknähe. Wenn dann etwas Ruhe eingekehrt und der Hausbau beendet ist, dann will die 55-Jährige sich einen Hund anschaffen. Dann möchte sie in der knappen Freizeit viele Ecken der Lausitz mit Mann und Hund erkunden.