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| 15:57 Uhr

Ärger im Lausitzer Seenland
Gäste beklagen Chaos am Partwitzer See

Wildes Campen am Seerundweg ärgert Bürgermeister Koark besonders.
Wildes Campen am Seerundweg ärgert Bürgermeister Koark besonders. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Partwitz. Wilde Camper, Müllprobleme, Lagerfeuer auf verbotener Insel, frei laufende Hunde am Strand: Die Liste des Ärgers von Besuchern am Partwitzer See im Lausitzer Seenland ist lang. Der zuständige Gemeinde-Bürgermeister kündigt mehr Kontrollen an. Von Torsten Richter-Zippack

Rund um den Partwitzer Badestrand scheint es drunter und drüber zu gehen. Von „Chaos“ und „teilweiser Anarchie“ sprechen manche Gäste, getrost der Devise „Jeder macht, was er will“. Eine Besucherin aus dem Raum Dresden, die ihren Namen lieber nicht nennen will, beklagt sich über die häufig frei am Strand herumlaufenden Hunde, die zwischen den Badegästen ins Wasser rennen. Eine weitere Besucherin, diesmal aus der Chemnitzer Gegend, beschwert sich über den Metallzaun, der den Badestrand vom Seeradweg abriegelt. „Das sieht aus, als wolle man die Leute hier nicht haben, quasi aussperren. Es soll drei Strandzugänge geben, ich sehe hier nur den einen, und das ist ein bisschen wenig.“ Nicht zuletzt fehlen Abfallbehälter, Toiletten und Umkleidebereiche, bemängelt sie.

Nach RUNDSCHAU-Recherchen gibt es am Partwitzer See eine ganze Anzahl weiterer Dinge zum Ärgern. Beispielsweise, dass immer wieder die aus Sicherheitsgründen gesperrte Halbinsel Scado, die das Gewässer in ein Nord- und in ein Südbecken teilt, betreten wird. Mehr noch: An manchen Tagen lodern sogar Lagerfeuer im Inselwald auf. Und das bei der höchsten Waldbrandwarnstufe. Darüber hinaus gibt es direkt zwischen Radrundweg und Strand eine Grillstelle, ebenfalls nur ein paar Meter vom Wald entfernt. Und entlang des Radweges zwischen dem schwimmenden Haus und dem Jetbootzentrum in Richtung Lieske wird mal eben schwarz gecampt. Außerdem sind einige Camper auch im umliegenden Wald oder Feld zu finden. Der Seeradweg in Richtung Lieske wird von manchen wie selbstverständlich mit Autos befahren, obwohl das Asphaltband den unmotorisierten Verkehrsteilnehmern vorbehalten ist.

„Die Gemeinde Elsterheide ist teilweise für den Partwitzer See zuständig, konkret für die Nutzung der Wasserfläche und den Badestrand zwischen Segelgelände und Halbinsel“, erklärt Bürgermeister Dietmar Koark. „Die Probleme sind uns teilweise bekannt.“ Aufgrund des Hitzesommers 2018 zähle der See in diesem Jahr besonders viele Besucher. Um die Böschungen und die dortigen Anpflanzungen zu schützen, habe sich die Gemeinde für den Bau des Metallzaunes entschieden, heißt es aus dem Bergener Rathaus. So sei eine gewisse Besucherlenkung möglich. Der Strand werde einmal wöchentlich gereinigt. Dabei kämen rund zwei prall gefüllte Müllsäcke an Abfällen zusammen. Dietmar Koark gibt zu, dass es an den Strandzugängen Papierkörbe geben müsste. Ebenso sei ein Sanitärgebäude notwendig. „Aber selbst am Geierswalder See gibt es noch die provisorische Containerlösung“, erklärt der Gemeindechef. Dort ist der Badebetrieb schon sehr viel länger als am Partwitzer See offiziell möglich. Ob im kommenden Jahr auch in Partwitz ein Sanitärcontainer aufgestellt wird, sei derzeit noch unklar. Auf jeden Fall werde an einer Lösung gearbeitet.

Die Feuerstellen am Seeradweg und auf der Halbinsel seien der Gemeinde bis dato noch nicht gemeldet worden. Für die schmale Landzunge in den See zeichnen sich die Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) verantwortlich. Von dort heißt es, dass die Probleme bekannt seien. Nach Angaben von LMBV-Abteilungsleiter Michael Matthes werden sowohl eigene Kontrollen als auch Überprüfungen durch Fremdfirmen durchgeführt. Die Halbinsel sei durch Sperrschilder deutlich gekennzeichnet. Für Bürgermeister Dietmar Koark wäre die Abtrennung des Eilandes vom Festland mittels eines bereits im Gelände angedeuteten Grabens sinnvoll.

Was den Bergener Rathauschef besonders ärgert, sind die wilden Camper am See. Diese stehen in den Parktaschen neben dem Rundradweg. Jeden Tag dort Strafzettel zu verteilen, lohne sich finanziell allerdings nicht. „Dafür gibt es noch keine Lösung“, gesteht der Bürgermeister. „Wir werden aber über den kommenden Winter zu einem Ergebnis kommen“, kündigt Dietmar Koark an. Derzeit sind in der Elsterheide zwei Politessen auf ehrenamtlicher Basis im Einsatz. Diese könnten natürlich nicht immer überall sein. Inzwischen trage deren Arbeit aber Früchte, wie Dietmar Koark betont: „Die Kontrollen haben sich unter den Gästen inzwischen herumgesprochen. Wir müssen die Leute disziplinieren.“

Koark berichtet von ähnlich wilden Zuständen in den Anfangsjahren des Badebetriebes am Geierswalder See. Inzwischen hätten sich dort die Verhältnisse eingepegelt. Mit dem Partwitzer See werde es aller Voraussicht nach eine ähnliche Entwicklung geben.