| 02:45 Uhr

Lausitzer Rotmilane brauchen artgerechte Lebensräume

Ornithologin Madlen Dämmig erklärte im Haus der Tausend Teiche des Biosphärenreservates das neue Rotmilan-Projekt.
Ornithologin Madlen Dämmig erklärte im Haus der Tausend Teiche des Biosphärenreservates das neue Rotmilan-Projekt. FOTO: trt1
Wartha. Sie gehören zu den größten Greifvögeln der Oberlausitz, wiegen über ein Kilogramm und können bis zu 30 Jahre alt werden. Doch durch industrielle Landwirtschaft und nicht heimische Fressfeinde sind die Rotmilane massiv bedroht. Ein neues Projekt soll jetzt gegensteuern. trt1

Manchmal scheinen Rotmilane minutenlang über Waldrändern, Feldern und selbst über Dörfern in der Luft zu stehen. Mit geschultem Auge suchen die Greife den Boden nach Beute ab. Doch der Nahrungserwerb fällt ihnen in jüngster Zeit offenbar immer schwerer. Das sagen zumindest die Experten der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz. "Durch die riesigen Raps- und Maisschläge mit ihren hohen Pflanzen haben Rotmilane kaum noch Chancen, dort lebende Mäuse und andere Kleinsäuger zu erspähen und zu schlagen", erklärt die Neschwitzer Ornithologin Madlen Dämmig.

Immer weniger Brutpaare

So sei es kein Wunder, dass die Zahl der Brutpaare des eleganten Vogels, der im Volksmund auch als Gabelweihe bezeichnet wird, in den vergangenen Jahren sachsenweit massiv zurückgegangen ist. Lebten zwischen 2004 und 2007 im Freistaat noch zwischen 1000 und 1400 Brutpaare, seien es 2011 nur noch rund 900 gewesen. Aktuellere Zahlen gebe es für Sachsen noch nicht, so Dämmig.

Um die Art dauerhaft zu erhalten, ist Ende 2013 das Bundesprojekt "Rotmilan - Land zum Leben" des Deutschen Landschaftspflegeverbandes angelaufen. Die O4berlausitz zähle neben dem Raum um Leipzig und Delitzsch zu den beiden sächsischen Projektgebieten von deutschlandweit insgesamt elf. Im rund 400 Quadratkilometer großen Areal zwischen Hoyerswerda im Norden und Bautzen im Süden sowie von Kamenz im Westen bis zur Daubaner Heide im Osten sei die Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz für die einzelnen Maßnahmen zuständig, in persona die Vogelkundlerin Madlen Dämmig. "Ich berate Landwirte und Waldbesitzer, wie sie zum Schutz der Rotmilane beitragen können", erklärt die Fachfrau. Beispielsweise sei es günstig, wenn große Feldfluren nicht innerhalb weniger Stunden abgeerntet würden, sondern über mehrere Tage. Das böte den Greifvögeln eine größere Chance, Nahrung zu erbeuten. Darüber hinaus sei es sinnvoll, ein, zwei Hektar mit niedrig wachsenden Pflanzen zu bestellen, um den Rotmilanen freie Sicht bis zum Boden zu gewähren. Das sei allerdings kein leichtes Unterfangen bei 166 Landwirtschaftsbetrieben allein im Projektgebiet, so Dämmig.

"Es ist einfacher, mit den Kleinbauern zu reden als mit den großen Agrargenossenschaften", weiß sie aus Erfahrung. Darüber hinaus biete sie den Schutz von Horstbäumen mittels einer Glasfolie an. Diese soll verhindern, dass insfremdländische, aggressive Waschbären die Gehölze erklimmen und Eier oder Jungvögel fressen. Der Erfolg könne sich sehen lassen. Bei Horstbäumen ohne Schutz werde fast die Hälfte der Jungvögel nicht flügge, mit Schutz dagegen um die 85 Prozent. Im Jahr 2014 lebten im Oberlausitzer Untersuchungsgebiet zwischen 26 und 34 Brutpaare des Rotmilans. 33 Jungvögel seien flügge geworden. Der Bruterfolg liegt bei rund 77 Prozent.

In Europa beheimatet

Warum ausgerechnet der Rotmilan geschützt werden soll? Weil die Art fast ausschließlich in Europa und dort vor allem in Deutschland vorkomme. Mit weltweit nicht mal 30 000 Brutpaaren seien diese Greife nicht gerade reichlich vertreten. Nicht zuletzt strahlten sie durch ihre Größe und rostbraune Färbung eine gewisse Eleganz aus.

Gerade im Oberlausitzer Teichland zählten die Rotmilane neben den Seeadlern zu den charakteristischsten Greifvögeln. Außerdem bedeute ihre Anwesenheit, dass das dortige Landschaftsgefüge noch relativ in Ordnung sei. "Und wir arbeiten daran, dass dies auch künftig so bleibt", bringt es Madlen Dämmig auf den Punkt. Das Rotmilan-Projekt laufe noch bis September 2019.