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| 17:28 Uhr

Feste
Lausitzer Katholiken feiern Fronleichnam

Die sorbischen Brautjungferntrachten der Mädchen und Frauen (Druschkis) bilden den besonders farbenfrohen Teil der Fronleichnamsprozessionen, hier in Wittichenau.
Die sorbischen Brautjungferntrachten der Mädchen und Frauen (Druschkis) bilden den besonders farbenfrohen Teil der Fronleichnamsprozessionen, hier in Wittichenau. FOTO: Catrin Wuerz
Wittichenau. Am Donnerstag ist in Teilen der Oberlausitz Feiertag. Prozessionen begleiten das kirchliche Hochfest.

In Wittichenau ist die Nacht zum heutigen Donnerstag für viele Einwohner eine der kürzesten des Jahres. Schließlich zeigt der Kalender Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi. Aus diesem Anlass verwandeln sich die Mädchen und Frauen in farbenfrohe Druschkis. Doch bevor die sorbischen Trachten und der dazugehörige Schmuck so richtig sitzen, sind die Anziehfrauen gefragt, erklärt der Wittichenauer Pfarrer Dr. Wolfgang Kresák. Viele stehen bereits gegen 4 Uhr auf, denn um 9 Uhr setzt sich die erste von insgesamt vier Fronleichnamsprozessionen in Bewegung. Startpunkt ist traditionell die Katholische Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Zwei der Prozessionen finden direkt am Fronleichnamstag statt, die beiden weiteren an diesem Sonntag. „Wir gehen verschiedene Wege, somit erreichen wir viele Menschen“, erklärt Kresák. Fronleichnam ist laut der gleichnamigen sächsischen Verordnung in 25 Orten innerhalb der katholischen sorbischen Lausitz gesetzlicher Feiertag, darunter in der gesamten Stadt Wittichenau.

Die Prozessionen werden traditionell von der Kreuzgruppe angeführt, die Weihrauch und Kerzen mit sich führt. Es folgen Männer, Frauen und Kinder. Markant sind die vielen Banner beziehungsweise Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine. „Früher haben sich die jeweiligen Zünfte präsentiert“, erzählt Pfarrer Kresák.

Er schätzt die Gesamtzahl der Wittichenauer Prozessionsteilnehmer auf rund 1500 bis 2000 Menschen. Zum Vergleich: Das Elsterstädtchen zählt etwa 6000 Einwohner. „Die Menschen kommen alle freiwillig. Sogar die Kinder folgen mit Stolz und Freude. Hinzu gesellen sich viele Gäste aus nah und fern“, sagt der Kirchenmann. Für den heutigen Donnerstag habe sich beispielsweise eine Reisegruppe via Bus aus Thüringen angekündigt.

Ebenfalls eine Fronleichnamsprozession findet am Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau statt. Traditionell werden Kirche und Prozessionsweg mit jungen Birken geschmückt. Nach Angaben von Schwester Maria Cora stammen die Bäumchen aus dem Klosterforst. „Das Fronleichnamsfest ist in unserer Gegend durchaus verankert“, sagt die junge Frau. Sowohl die Prozessionen als auch die sich daran anschließende Heilige Messe seien in der Regel gut besucht.

Fronleichnam ist von zentraler Bedeutung für den katholischen Glauben, denn es feiert die leibliche Gegenwart Jesu Christi während des Abendmahls (Eucharistie). Das theologische Vorbild für die Prozessionen bildet die Wanderung des Gottesvolkes durch die Wüste, bei der der Herr mitten unter ihm ging und es ins gelobte Land führte.