ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:28 Uhr

Blick in die Zukunft
Lausitz 2040: Auf den Spuren der Zukunft

Auf dieser fiktiven Karte findet sich ein Großteil der Ideen wieder, wie sich die Infrastruktur zwischen Hoyerswerda, Weißwasser und Senftenberg entwickeln könnte. Für die B 178n bei Weißwasser wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Sie könnte nahe Boxberg auf die Trasse der vorhandenen B156 einschwenken und dann westlich oder östlich an Weißwasser vorbeiführen.
Auf dieser fiktiven Karte findet sich ein Großteil der Ideen wieder, wie sich die Infrastruktur zwischen Hoyerswerda, Weißwasser und Senftenberg entwickeln könnte. Für die B 178n bei Weißwasser wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Sie könnte nahe Boxberg auf die Trasse der vorhandenen B156 einschwenken und dann westlich oder östlich an Weißwasser vorbeiführen. FOTO: LR / Katrin Janetzko
Hoyerswerda. 2040: Die letzte geförderte Braunkohle in der Lausitz ist verstromt und das Lausitzer Seenland lockt Gäste aus halb Europa an die neuen Seen – per Straße wie per Bahn. Der Strukturwandel macht es möglich. Oder doch nicht? Von Sascha Klein

Die RUNDSCHAU wagt den Blick in die Glaskugel. Im Rahmen der Diskussion um den Braunkohle-Ausstieg in den kommenden 30 Jahren scheint kein Gedanke zu futuristisch. In der Lausitz muss geklotzt werden, um jährlich rund 1,4 Milliarden Euro Wertschöpfung der Kohle zu ersetzen.

Deshalb überschlagen sich Lokal-, Landes- und Bundespolitiker zurzeit mit Ideen, die Infrastruktur in der Lausitz endlich entscheidend voranzubringen. Der bange Blick auf den Bundesverkehrswegeplan, der alle Projekte in Deutschland bündelt – und für die Lausitz wenig bereithält – ist passé. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat kürzlich in Hoyerswerda gesagt, dass es künftig nicht nur nach Bedarf gehen könne. Wenn die Lausitz vorankommen soll, bedürfe das einer Art Staatsvertrag mit dem Bund – und viel Geld.

Schöne, neue Welt also? Der Ministerpräsident sagt: Wieso nicht? Kretschmer hat, gemeinsam mit Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD), die bislang fantasiereichste Idee in den Ring geworfen: eine ICE-Strecke von Berlin über Weißwasser nach Görlitz. ICE in der Lausitz? Das klingt viel zu schön, um wahr zu werden. Aber was ist, wenn das wirklich gelingt?

1. Juli 2040, Bahnhof Weißwasser: Heute fährt der erste ICE durch die Lausitz. Das Elektroauto des amtierenden Hoyerswerdaer Oberbürgermeisters rollt an. Sensationelle 25 Minuten hat die Fahrt gedauert. Dank der neuen B 160 von Hoyerswerda nach Weißwasser muss jetzt niemand mehr kilometerweit über die enge, kurvige Strecke zwischen Burgneudorf und Neustadt/Spree rollen. Jetzt geht es geradeaus, zweispurig. Das wird künftig der Zubringer für alle aus dem Raum Hoyerswerda, die ihren ICE nach Berlin erwischen wollen. Noch 2018 hat es per Auto gut 40 Minuten von Hoyerswerda bis Weißwasser gebraucht, nun sind Bahnreisende innerhalb von 45 Minuten von Weißwasser in der Bundeshauptstadt. Schnell zur Arbeit oder zu einem der Kultur- oder Shoppingtempel: kein Problem. Hoyerswerda – Berlin in gut 70 Minuten? Wer heute per Auto ins Zentrum fährt und nicht rast, schafft es kaum unter 100.

Die B 160, die Verbindung von der Glasmacherstadt Weißwasser in die Zuse-Stadt Hoyerswerda ist eigentlich schon vor Jahren so gut wie ad acta gelegt worden – bis Schleifes Bürgermeister Reinhard Bork im Spätsommer 2018 wieder auf die alten Planungen aus den 2000er- und 2010er-Jahren aufmerksam gemacht hat. Der Tagebau Nochten wird nicht erweitert, dann wird die Vision der neuen Lausitz-Querung in der Strukturwandel-Debatte wieder spruchreif.

Dagegen sind die Verbindungen von Hoyerswerda nach Norden und Süden schon fast so simpel zum Träumen. Der Bund nimmt viel Geld und viel Planer zur Hand und baut die Verbindung vom Ortsausgang B 97 nach Schwarze Pumpe teils dreispurig – nach Süden wird die B 97 Richtung Dresden hinter Dörgenhausen regelmäßig dreispurig, ebenso wie zwischen Bernsdorf und Ottendorf-Okrilla. Im Moment sieht die sächsische Staatsregierung in einem Ausbau keinen Bedarf. Es sind zu wenig Autos unterwegs. Auch das Argument, dass sich das Seenland immer weiter entwickelt und mehr Verkehr bringen wird, zieht zurzeit nicht. Geplant ist aktuell „nur“ die Ortsumgehung Ottendorf-Okrilla. Ob aber im Zuge des Strukturwandels mehr möglich wird?

Mitte 2040: Lohsa hat oft Grund, sich zu freuen. In diesen Wochen umso mehr: Die B 178n nimmt Fahrt auf. Es ist die Verbindung zwischen der A 4 bei Weißenberg und der A 15 bei Roggosen. Vorbei ist das Gezuckele bis zur B 97 und dann weiter zur A 15 bei Cottbus. Jetzt erreichen die Lohsaer über die B 156 (Weißwasser – Uhyst) die neue B 178n bei Boxberg – und schon geht es fix Richtung A 15 oder A 4. Die Idee der B 178n geht auf den Bad Muskauer Landtagsabgeordneten Thomas Baum (SPD) zurück, der seit Mitte der 2010er-Jahre für die Idee einer schnellen Lausitz-Verbindung von Sachsen nach Brandenburg wirbt. Seit Ende Juli 2018 läuft eine Machbarkeitsstudie der Sächsischen Staatsregierung. Der Blick in die Glaskugel: Die neue B 178n nutzen 2040 auch Tausende polnische und tschechische Seenland-Touristen, um an den Bärwalder See, den Silbersee und den Knappensee zu kommen – wenn sie nicht gerade mit dem ICE bis Weißwasser fahren.

Auch Bahnreisende haben 2040 – beim Blick in die Glaskugel – viel bessere Chancen, von und nach Hoyerswerda sowie ins gesamte Seenland zu kommen. Die S-Bahn von Leipzig und von Dresden nach Hoyerswerda ist längst ein Stück Normalität. Situationen wie 2018, dass sich Lausitzer überlegen mussten, ob sie abends aus den sächsischen Metropolen noch per Bahn nach Hause kommen, sind Vergangenheit. Ebenso ein Stück Alltag ist die Seenland-Bahn. Die verbindet Dresden und Kamenz mit Bernsdorf und Senftenberg – ein Traum für gestresste Großstädter, die am Wochenende einfach kurz mit dem Fahrrad ins Seenland wollen. Eine günstige Situation für alle Bernsdorfer: Sie sind plötzlich zum Drehkreuz geworden. Per Bahn geht es schnell. Auch mit dem Auto erreicht jeder die Wohn- und Industriestadt problemlos: über den Autobahnanbinder zur A 13.