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| 14:50 Uhr

Kräppelchen, Töpferkunst und Lederwaren
Lausitzer Handwerk auf Striezelmarkt

 Nichts geht über eine Tüte Kräppelchen: Die Wittichenauerin Gisela Koerner (r.) und Kollegin Sylke Meuschke verkaufen die Nascherei  auf dem Striezelmarkt.
Nichts geht über eine Tüte Kräppelchen: Die Wittichenauerin Gisela Koerner (r.) und Kollegin Sylke Meuschke verkaufen die Nascherei auf dem Striezelmarkt. FOTO: LR / Anja Hummel
Dresden. Wer über den ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands schlendert, findet Leckereien aus Wittichenau, Töpfereien aus Schwarzkollm und Lederwaren aus Senftenberg. Von Anja Hummel

Die Kräppelchen-Maschine läuft im Hochbetrieb. Die Teigbällchen schwimmen im Erdnussöl, bis sie braungebrannt in die Tüte purzeln. Puderzucker drüber, fertig. Als „schnell, heiß und lecker“ beschreibt Gisela Koerner ihre hausgemachte Nascherei. Sie steht direkt neben der Maschine und füllt Teig nach. Seit 27 Jahren verkauft die gebürtige Wittichenauerin ihre „Sächsischen Spezialitäten“, so steht es auf ihrer Weihnachtshütte neben dem Riesenrad geschrieben, auf dem Dresdner Striezelmarkt.

Von Quarkkeulchen über Crepes bis hin zu Glühwein schiebt die gelernte Konditorin alles über den Tresen.  Aber die Kräppelchen, sagt sie, sind ihre wahre Spezialität. „Damit haben wir uns in den vergangenen Jahren in Dresden einen richtigen Namen gemacht“, sagt sie stolz. „Es macht einfach Spaß, hier zu sein.“ Zwischendurch nascht sie selbst immer mal wieder gerne das ein oder andere Kräppelchen.

 Dass die Striezelmarkt-Zeit höchst anstrengend ist, streitet die fitte 66-Jährige aber auch nicht ab. Jeden Morgen um 5 Uhr klingelt der Wecker, erst abends um zehn ist sie wieder in der Wohnung. Und heute ist ihr auch noch die große Kräppelchen-Maschine durchgebrannt. Das bedeutet extra Stress. Dreimal im Jahr steht sie auf dem Dresdner Altmarkt. Denn neben dem Striezelmarkt ist sie mit ihren Süßwaren auch fester Bestandteil des Frühjahrs- und Herbstmarktes. Und wo gibt es ihre Kräppelchen in der Lausitz? „Nirgendwo“ antwortet Gisela Koerner. Das restliche Jahr über widmet sie ihre Zeit etwas komplett anderem – ohne Zucker, ohne Lebensmittel, ohne Kräppelchen-Maschine. „Ich biete bioenergetische Gesundheitsberatung an“, sagt sie. In Wittichenau hat sie ihre Praxis. Wer die originalen Koernschen Kräppelchen möchte, muss sich also auf den Weg nach Dresden machen.

 Andreas Hegewald (51) aus Schwarzkollm ist mit seiner Töpferware zum 25. Mal auf dem Striezelmarkt Dresden.
Andreas Hegewald (51) aus Schwarzkollm ist mit seiner Töpferware zum 25. Mal auf dem Striezelmarkt Dresden. FOTO: LR / Anja Hummel

Während Gisela Koerner und ihr Mädelsteam für Gaumenfreude beim Publikum sorgen,  lässt Andreas Hegewald aus Schwarzkollm die Herzen von Töpferkunstliebhabern höher schlagen. In seiner Weihnachtshütte neben der großen Bühne hat er zwischen handbemalten Tassen, Figuren und  Gewürzstreuern gerade ein weihnachtliches Räucherstäbchen angezündet. Für den 51-Jährigen ist der Striezelmarkt ein wunderschönes Ereignis im Jahr. „Die Menschen sagen mir durchs Geschirr, wie einzigartig meine Kunst ist. Das ist wie Weihnachten für mich“, sagt Andreas Hegewald mit einem Lächeln. In Schwarzkollm führt er gemeinsam mit seiner Frau Ulrike die Töpferei Hegewald. Auf dem Dresdner Striezelmarkt feiern sie in diesem Jahr „silberne Hochzeit“. 25 Jahre ist es her, als sie zum ersten Mal auf dem Altmarkt standen. Seitdem  machen sie mit ihren einzigartigen Keramikkreationen auch in der sächsischen Landeshauptstadt auf die Krabatgeschichte aufmerksam. „Sicherlich, die Mühen sind schon heftig. Aber die Offenheit der Menschen füllt das Herz“, erzählt der vierfache Vater. Der Renner in seinem Repertoire sind wie eh und je die Krabatraben als Gewürzstreuer. Das Publikum? International. „Es sind besonders viele Menschen aus Tschechien hier“, bemerkt der Schwarzkollmer. Auch Schweizer und Russen legen oft einen Stopp bei ihm ein. „Aber am meisten liebe ich ja die Berliner mit ihrem Herzen auf der Schnauze.“

Auch mit äußerst viel Herz dabei sind zwei Damen in der „Lederoase“. Renate Dittmann und Roswitha Schwank sind in ihrer Weihnachtsbude umringt von zahlreichen Gürteln, Börsen und Taschen – und vielen neugierigen Menschen. Unter diesen ist das Ehepaar Strauch. Die Dresdner möchten ihrem Sohn einen neuen Gürtel zu Weihnachten schenken. In der „Lederoase“ werden sie fündig. „Rind- oder Büffelleder?“, fragt Renate Dittmann, die seit mehreren Jahren dabei ist. „Es ist schon lustig, wenn uns Kunden aus Senftenberg ausgerechnet in Dresden entdecken. Aber es kommen auch gezielt Stammkunden zu uns“, sagt die Verkäuferin. Ihren „Hauptsitz“ haben die ledernen Stücke in Brieske.

Familie Strauch entscheidet sich für einen dunkelbraunen Gürtel, den Renate Dittmann kurzerhand in die passende Länge bringt. „So, jetzt sind alle glücklich“, strahlt die Käuferin. Mit Ehemann und Lausitzer Weihnachtsgeschenk zieht sie von dannen. Noch bis zum 24. Dezember um 14 Uhr bereichern Wittichenauer Kräppelchen, Schwarzkollmer Töpferkunst und Senftenberger Lederwaren das Striezelmarktgeschehen in der Landeshauptstadt.

 Wer „irgendwas mit Leder“ sucht, ist bei Detlef Meitzner richtig und wird von Renate Dittmann (2.v.r.) und Roswitha Schwank (r.) beraten.
Wer „irgendwas mit Leder“ sucht, ist bei Detlef Meitzner richtig und wird von Renate Dittmann (2.v.r.) und Roswitha Schwank (r.) beraten. FOTO: LR / Anja Hummel