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| 15:18 Uhr

Lausitzer erzählt über seine Erlebnisse
Sommer 1968: Abenteuerliche Tage in Prag

Der Autor Benedikt Ziesch heute.
Der Autor Benedikt Ziesch heute. FOTO: Ziesch, Benedikt / Privat
Prag. Der Lausitzer Benedikt Ziesch, war mit seinem Schulfreund Peter Bresan, während der Tage des Prager Frühlings in der damaligen Tschechoslowakei unterwegs. In Prag erlebten die beiden aufregende Tage. Benedikt Ziesch, hat seine Erlebnisse von damals aufgeschrieben. Von Benedikt Ziesch

Nicht nur in der Politik, Kultur und Gesellschaft hat sich im Jahre 1968 vieles ereignet und verändert - Tet-Offensive in Vietnam, Studentendemonstrationen in Italien, Mexiko und anderen Ländern, Rassenunruhen in den USA, Hippi-Bewegung in Westdeutschland- auch in meinem Leben. In diesem Jahr legte ich mein Abitur ab, am 2. August erhielt ich die Fahrerlaubnis und ich hatte eine Zusage für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule "K.F. Wander" in Dresden für die Fächer Geschichte und Russisch. Vor meinem Studienbeginn fuhr ich mit zwei Freunden von der Erweiterten Oberschule mit dem Zug in die Hohe Tatra in der Slowakei in den Urlaub.

Urlaub im Land des Prager Frühlings

Benedikt Ziesch und Peter Bresan an einem See in der Hohen Tatra.
Benedikt Ziesch und Peter Bresan an einem See in der Hohen Tatra. FOTO: Ziesch, Benedikt / Privat

In das Land des Prager Frühling, wie die ČSSR (Tschechoslowakische Sozialistische Republik) auch genannt wurde , fuhren wir natürlich auch mit einer Portion Neugierigkeit. In der DDR wurde offiziell von konterrevolutionären Untergrabungen des Sozialismus gesprochen. Aus westdeutschen Medien war jedoch zu hören, dass die Mehrheit der Tschechen und Slowaken hinter dem Reformkurs des neuen Generalsekretärs der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPČ) , Alexander Dubček, steht. Er und weitere Reformpolitiker wollten das Land liberalisieren und durch Reformen eine neue Ordnung zwischen Kapitalismus und Kommunismus schaffen, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Dieses Ziel sollte weiterhin unter Führung einer Partei, der KPČ, erreicht werden. Die Pressefreiheit wurde eingeführt, was dazu führte, dass die Menschen offen und ehrlich öffentlich ihre Meinung äußerten. Rundfunk und Presse hielten keine Meinung der Hörer und Leser zurück, wodurch plötzlich eine kritische Leser- und Hörerschaft entstand. Künstler kritisierten die Fehler der Vergangenheit und die Studenten demonstrierten gegen den Vietnamkrieg wie ihre Kommilitonen in den westlichen Ländern. In den Kiosken lagen westliche Zeitungen und Zeitschriften zum Kauf für jedermann. Auch das Reisen ins westliche Ausland war jedem gestattet. Aber auch auf dem Gebiet der Wirtschaft hatte sich vieles geändert. So konnten sich kleine und mittlere Betriebe privatisieren und in Großbetrieben bestimmten die Gewerkschaften mit. Mit diesem Reformkurs erhoffte sich die Bevölkerung eine Abkehr von der politischen und wirtschaftlichen Bevormundung der UdSSR.

Wir drei Freunde verlebten in der Hohen Tatra eine schöne und erholsame Zeit, die mit vielen neuen Erkenntnissen gespickt war. Wir sprachen mit vielen frohgesinnten und optimistischen Menschen, die voller Zuversicht in die Zukunft ihres Landes schauten. Sie sprachen voller Begeisterung von "ihrem" Prager Frühling und wir waren neidisch auf sie.

Am Montag, den 19. August, begaben sich meine beiden Freunde mit dem Zug auf die Heimreise. Ich blieb noch eine Nacht alleine auf dem Zeltplatz. Dort erlebte ich eine grausige Nacht, denn es war kalt und ich zog mir alle meine Kleidungsstücke an, die ich in meinem Rucksack hatte. Am nächsten Morgen weckte mich die Sonne und als ich vor das Zelt trat, sah ich etwas höher über dem Zeltplatz eine glitzernde weiße Schneedecke. Schnell packte ich meinen Rucksack, faltete das Zelt zusammen und begab mich mit dem Zug zu meinem Freund Peter nach Haviřov bei Ostrava. Peter und ich korrespondierten seit vier Jahren und hatte uns auch schon gegenseitig besucht. Sein Vater war Bergmann und während des Slowakischen Nationalaufstandes 1944 hat er an der Seite der Partisanengekämpft. Seine Mutter war Jüdin, die mit ihrer Tante das KZ Theresienstadt überlebt hatte. Alle anderen Familienmitglieder waren umgekommen. Am Abend haben wir uns lange unterhalten. Gegen 4.00 Uhr klingelte dann das Telefon und ich merkte, dass Peter lange und ganz aufgeregt am Telefon sprach. Plötzlich kam er zu mir und sagte: Die Truppen des Warschauer Paktes marschieren in die ČSSR ein. Peters Eltern prophezeiten , dass ein Krieg ausbrechen wird und rieten, mir, sofort meine Sachen zu packen und nach Hause zu fahren.

Mittwoch, 21. August

Gegen 12.00 Uhr fuhr der Schnellzug von Ostrava nach Prag. Peter brachte mich nach Ostrava. Aus dem Bus sahen wir in der Stadt überall Militärfahrzeuge besetzt mit sowjetischen Soldaten in Tarnuniform und mit Maschinenpistole in den Händen. An den Kreuzungen standen Panzer und Artillerie sowie andere Militärfahrzeuge.

Kurz nach der Abfahrt des Zuges hielt er bereits das erste Mal. Im gesamten Land verharrten die Menschen um 12.00 Uhr und gedachten in einer Schweigeminute der ersten Opfer der Besetzung. Im überfüllten Zug herrschte große Aufregung. In unserem Abteil schimpften die Reisenden auch auf die DDR, deren Truppen einmarschiert sein sollten, denn 30 Jahre zuvor sind schon deutsche Wehrmachtstruppen in die Tschechoslowakei eingefallen. Erst später erfuhr ich, dass der sowjetische Generalsekretär Leonid Breshnew in letzter Minute der Nationalen Volksarmee, die bereits kampfbereit an der Grenze zur ČSSR in Bereitschaft stand, untersagt hatte, die Grenze zu überschreiten.

Prag, 21. August

Die Zugfahrt zog sich in die Länge, denn unterwegs musste unser Zug oft stehen bleiben, um Truppentransporten der Okkupanten die Vorfahrt zu gewähren. Plötzlich wurde über den Zuglautsprecher den Reisenden mitgeteilt, dass der Zug in einem Vorort von Prag endet, weil das Zentrum von sowjetischen Truppen besetzt ist und alle Zufahrten dorthin gesperrt sind. Ich reihte mich ein in die Menschenmenge, die in Richtung Prag-Zentrum sich zu Fuß auf den Weg begab. Auf dem Rücken hatte ich meinen Rucksack und in den Händen trug ich mein schweres Zelt. Unser Weg führte uns auf die Straße Vinohradska ulica in Richtung Nationalmuseum. Plötzlich bot sich uns ein furchtbares und für mich unvergessliches Bild. Häuser brannten und auf der Straße lagen ausgebrannte und zusammengedrückte Straßenbahnwagen, Busse und Autos. Schaufenster waren zertrümmert. Überall standen Panzer mit dröhnenden Motoren, die sich hin und her zwischen großen Menschenmengen bewegten. Auf einigen Panzer standen junge Leute mit der tschechoslowakischen Fahne in der Hand, die mit den Panzersoldaten diskutierten und sie aufforderten sich nach Hause zu begeben. Hier und da gab es plötzlich Salven aus sowjetischen Maschinenpistolen, weil die sowjetischen Soldaten nervös wurden, oft nicht wussten wo sie sind und dass sie zur Niederschlagung des Prager Frühlings missbraucht wurden.

Erst später erfuhr ich die genauen Fakten der Besetzung der ČSSR und der Ereignisse auf der Straße Vinohradska ulica in Prag. In der Nacht am 20. August gegen 22.00 Uhr landete die erste sowjetische Militärmaschine auf dem Prager Flugplatz und Fallschirmjäger errichteten dort die Leitzentrale für die Besetzung des Landes. Um 2.00 Uhr morgens verbreitete der tschechoslowakische Rundfunk die "wichtige Nachricht", dass sowjetische, ungarische, polnische, bulgarische Truppen und die NVA aus der DDR die Grenze der ČSSR überschreiten und die Führung des Landes die Bevölkerung aufruft Ruhe zu bewahren sowie keine Gewalt den Okkupanten entgegenzusetzen. Wie nach der politischen Wende bekannt wurde, überschritt beinahe eine halbe Million Soldaten die Grenze mit als 800 Panzern mehr, als der deutsche Wehrmacht beim Überfall auf die Sowjetunion 1941 zur Verfügung standen. Gegen 5.00 Uhr wurde die Parteizentrale in Prag besetzt, Dubček gefangengenommen und mit anderen führenden Reformern in die Sowjetunion verbracht. Somit war die tschechoslowakische Regierung ohne Führung. Desweiteren wurden der Sitz der Regierung, die Telefonzentrale und weitere strategisch wichtige Gebäude und Einrichtungen durch sowjetische Truppen besetzt. Gegen 9.00 Uhr standen dann sowjetische Soldaten vor dem Rundfunkgebäude auf der Vinohradska ulica. Daran kann ich mich noch deutlich erinnern, weil vor meiner Abreise aus Haviřov in der Wohnung der Familie von Peter der Prager Rundfunk lief und die Sprecherin sagte, dass sowjetische Einheiten in das Rundfunkgebäude eindringen. Im Hintergrund waren Schüsse zu hören, plötzlich verstummte die Sprecherin und es erklang die tschechoslowakische Nationalhymne. Dann verstummte das Radio abrupt. Der Rundfunk ging in den Untergrund. Techniker bauten transportable Sender, die ständig ihre Position änderten, um der sowjetischen Aufklärung zu entkommen. Somit war die Bevölkerung ständig von den neuesten Ereignissen im gesamten Land informiert und die Informationen wurden dann mündlich, wie auch über Flugblätter, weitegereicht.

Am Vormittag begaben sich viele Tausende Menschen, vor allem Jugendliche, auf die Vinohradska ulica und errichteten dort Barrikaden, um zu verhindern, dass sowjetische Panzer das Rundfunkgebäude abriegeln. Dazu wurden auch Busse und Straßenbahnwagen verwendet, die quer über sie Straße gestellt wurden. Gegen 11.00 Uhr schob ein Panzer einen Bus beiseite, um für die anderen eine Gasse zu bilden. Darauf eskalierte die Situation. Ein Militärfahrzeug mit Munition explodierte und setzte drei Gebäude in Brand. Die Einwohner sprangen aus den Fenstern. Ein Reservetank eines Panzers wurde von den Demonstranten in Brand gesetzt und der Panzer brannte aus. Junge Leute mit der Nationalflagge kletterten auf Panzer und sprachen auf die Soldaten ein, die teilweise ängstlich in die Luft schossen. Auf dieser Straße herrschte plötzlich der Kriegszustand.

Am gleichen Spätnachmittag lief ich auf dieser Straße in Richtung Stadtzentrum zum Studentenwohnheim, wo ich dann übernachtete. Ich war total fertig von diesen Bildern und erinnerte mich an die Berichte über die Kriegserlebnisse meiner Mutter im April 1945. Im Studentenwohnheim wurden die Ankömmlinge mit heißen Tee und Suppe empfangen. Da bereits alle Zimmer überbelegt waren, wurde ich in die Turnhalle eingewiesen, wo ich einen Platz neben einer farbigen Mutter mit Kind fand. Sie lagen auf einer Gymnastikmatte, zugedeckt mit einem Mantel. Von 22.00 bis 7.00 Uhr war täglich Ausgangssperre. Die Panzer kamen aus den Seitenstraßen hervor und besetzen die Kreuzungen und Plätze. Hier und da waren in der Nacht Schüsse zu hören.

Später erfuhr ich, dass am ersten Tag der Okkupation 22 Menschen ums Leben kamen; 15 von ihnen auf der Vinohradska ulica bei der Verteidigung des Rundfunkgebäudes. Insgesamt gab es 150 Tote unter der Zivilbevölkerung bei der Niederschlagung des Prager Frühlings.

Meine Tage in Prag

Die nächsten Tage bis Anfang September war in täglich in der Stadt, beobachtete die Ereignisse und diskutierte mit den Einheimischen, denn ich spreche etwas Tschechisch. Auch sowjetische Soldaten fragte ich was sie im Land des Prager Frühlings wollen. Ich bekam jedoch keine Antwort, denn sie waren sehr verängstigt. Auch einige Fotos schoss ich mit meiner Penti II, die ich in der Brusttasche meines Anoraks versteckt hatte, den die Filme wurden von den Soldaten aus dem Fotoapparat gerissen, wenn sie sahen, dass sie fotografiert wurden.

An den Häuserwänden waren mit weißer Farbe oder Kreide Losungen und Parolen zu lesen wie: "CCCP -Hakenkreuz 1968-1938", "1938 Hitler - 1968 Ulbricht" oder "Lenin wach auf! Breshnew ist verrückt geworden!". Viele Wegweiser waren mit Aufschriften wie Moskau, Warszawa, Berlin, Budapest oder Sofia überschrieben.

Die Einheimischen sorgten sich um die Zukunft ihrer erfolgreichen Reformen im Land. Wichtige Informationen wurden schnell verbreitet. So wurder bekannt, dass der Generalsekretär der KPČ, der Parlamentspräsident Josef Smrkowski, der Ministerpräsident Odřich Černik und weitere Reformpolitiker in der Sowjetunion in Haft saßen. Das tschechoslowakische Parlament tagte permanent. Im Politbüro der KPČ saßen sieben Anhänger und vier Gegner Dubčeks. Ich kann mich noch erinnern an Häuserwenden einen Galgen gesehen zu haben, an dem der Name Vasil Bilak, Vorsitzender des slowakischen Parlaments stand. Weiterhin wurde die Bevölkerung darüber informiert, dass am 26. August sich der Staatspräsident Ludvik Svoboda mit einer Delegation nach Moskau zu Verhandlungen mit der Sowjetischen Partei- und Regierungspitze begeben hat unter der Bedingung, dass an den Verhandlungen auch die inhaftierten Reformer Dubček und andere sich beteiligen. Die Bevölkerung war voller Hoffnung. Sie glaubten, dass die tschechoslowakische Delegation ihren Weg eines "Sozialismus mit menschlichen Antlitz" verteidigen wird und der Reformkurs in der ČSSR fortgeführt werden wird. In Wirklichkeit war es so, dass letztendlich das Moskauer Protokoll von allen Delegationsmitgliedern, bis auf den Vorsitzenden des Politbüros der KPČ František Kriegel, unterzeichnet wurde, das die Zurücknahme der Reformen und die ständige Besetzung der ČSSR durch die Sowjetarmee besiegelt wurde. Für die Öffentlichkeit wurde am nächsten Tag ein Kommunikee veröffentlicht. Darin stand, dass unter der tschechoslowakischen Delegation auch Dubček und die anderen Inhaftierten zurückkehren werden, die dann mit Jubel auf dem Prager Flugplatz empfangen wurden. Somit war der Prager Frühling auch politisch niedergeschlagen, was in den ersten Tagen der Okkupation von den Eindringlingen nicht erreicht wurde.

Während meine Pragaufenthaltes habe ich vieles erlebt. So war ich am Denkmal des hl. Wenzel, als ein Demonstrationszug mit Nationalflaggen, Blumen und blutgetränkten Kleidungsstücken von getöteten Demonstranten niedergelegt wurden. Nach einigen Reden wurde dann die Nationalhymne angestimmt.

Einmal stand ich in der Menschenmenge vor dem Haus der Gewerkschaftszeitung Prace auf dem Wenzelsplatz. Menschen sprachen auf den sowjetischen Posten ein, der immer mehr gegen das Gebäude gedrückt wurde. Plötzlich verlor er die Nerven und schoss mit der Maschinenpistole in die Luft, die Menschenmenge machte eine Kehrtwendung und rannte auf die andere Seite des Platzes. Ich war unter ihnen.

Die abenteuerliche Heimfahrt

Von einem DDR-Touristen erfuhr ich, dass er sich auf der DDR-Botschaft nach der Möglichkeit der Heimfahrt erkundigen will. Ich ging auch dorthin, wo ich in der Eingangshalle durch ein hohes Eisengitter aufgehalten wurde, hinter dem ein verängstigter Angestellter stand. Er gab mir die Auskunft, dass am nächsten Morgen vom Bahnhof Bubeneč, am Rande der Stadt, ein Zug nach Dečin fährt, wo dann ein Bus der NVA die DDR-Bürger über die Grenze nach Bad Schandau zum Zug bringt.

Der Zug in Prag fuhr pünktlich um 8.00 Uhr ab, aber die Fahrt dauerte bis Usti über einen halben Tag. Der Zug blieb andauernd wegen entgegenkommenden Militärtransporten stehen und der Generalstreik von 12.00 bis 13.00 Uhr, der über das gesamte Land herrschte, wurde auch eingehalten. In Usti erwartete uns natürlich kein NVA-Bus. Wir wurden mit einem tschechoslowakischen Bus an die Grenze gebracht. Über die Grenze mussten wir laufen. Die älteren Menschen unter unserer Gruppe sagten, dass sie verstanden haben, als sie 1945 die Grenze zu Fuß überschreiten mussten, jedoch nie gedacht hätten, dass es 1968. wieder so sein sollte. Von den DDR-Grenzsoldaten wurden wir mit der Frage empfangen, ob wir Presseartikel aus der BRD und Flugblätter und andere konterrevolutionäre Druckerzeugnisse mit uns führen. Meinen Rucksack haben sie durchwühlt und nichts gefunden. Einige Flugblätter hatte ich in meinem Zelt versteckt. Von Schmilka aus brachte uns ein Sonderbus nach Bad Schandau zur Bahn. Für die Fahrt musste ich noch zahlen, obwohl ich eine gültige Fahrkarte für die Bahn nach Dresden hatte. Auf dem Bahnhof in Dresden angekommen, kaufte ich mir zuerst eine Bockwurst mit Brötchen für 0,85 Pfennige, wie es mein Ritual nach einer Auslandsreise war. Abends spät war ich dann glücklich und müde zu Hause, wo ich viel zu erzählen hatte.

Mein Studienanfang

Den Studienbeginn hatte ich um einige Tage verpasst. Ich wurde jedoch von meinen Kommilitonen freundlich aufgenommen. Sie hatte täglich Politinformation über die Ereignisse im Nachbarland und nun waren sie neugierig, worüber ein Zeitzeuge zu berichten hat. Ich sprach so, wie mir die Zunge gewachsen war und was ich wirklich erlebt und gesehen habe. Unser Seminargruppenleiter wurde ganz kleinlaut und versuchte mich zu besänftigen und zu belehren. Ich jedoch widersprach ihm. Am Abend in der Kneipe sagten mir meine beiden Kommilitonen nach dem dritten oder vierten Bier und einem doppelten Codial Medoc (süßer Schnaps), ob ich nicht mitbekomme, dass mir meine Redebeiträge schaden könnten. Da ging mir erst das Licht auf und ich wurde in den nächsten Tagen immer ruhiger und einsichtiger, als es um den Prager Frühling ging. So endete für mich der Prager Frühling.