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| 16:55 Uhr

Musik für die Lausitz
Elektro-Musik im Energie-Museum

 Die Jungs von „Lausitzer Kult am Pult“ checken die Location für das nächste Event – die Energiefabrik Knappenrode. Neben den DJs Marc Paprott (2.v.r.) und René Haase (r.) sind auch Marcel Linack und Mirko Krautz (l.) zur Vorbesprechung dabei.
Die Jungs von „Lausitzer Kult am Pult“ checken die Location für das nächste Event – die Energiefabrik Knappenrode. Neben den DJs Marc Paprott (2.v.r.) und René Haase (r.) sind auch Marcel Linack und Mirko Krautz (l.) zur Vorbesprechung dabei. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Am Sonntag legen die Weißwasseraner DJs von „Lausitzer Kult am Pult“ in der Energiefabrik Knappenrode auf. Von Anja Hummel

Es zieht, es ist staubig, es ist dunkel. Die Hände sind eisig kalt, die Aussicht dafür umso spektakulärer. Zwischen stillstehenden Transportbändern, riesigen Metallstreben, massiven Eisentreppen und alten Emailleschildern planen drei Herren einen großen Auftritt. „Da oben bauen wir alles auf“, sagt Marc Paprott und zeigt zum höchsten Punkt in der Halle. Wo bis vor 25 Jahren noch Briketts aus Rohbraunkohle über die ratternden Förderbänder transportiert wurden, werden sich am Sonntag die Plattenteller drehen. Die DJs von „Lausitzer Kult am Pult“ geben ihre Elektromusik in der Energiefabrik Knappenrode zum Besten.

Vier Tage vorher sind zwei von ihnen für die letzten Absprachen vor Ort. Einer davon ist René Haase. „Das ist bildtechnisch schon echt gewaltig hier“, schwärmt er vom riesigen Fabrikgelände. Marc Paprott nickt zustimmend. Beide DJs sind zum ersten Mal auf dem Museumsareal. Längst im Kasten haben sie spektakuläre Drohnenaufnahmen und anderes Videomaterial aus der Fabrik. Wozu sie das brauchen? Ihr DJ-Set am Wochenende wird aufgezeichnet. Das ganze Material stellen sie dann zu einem Video zusammen und veröffentlichen es auf Facebook. „Wir wollen den Leuten zeigen, welche spannenden Orte es in der Lausitz gibt“, erklärt René Haase. So sieht es ihr Konzept für „Lausitzer Kult am Pult“ vor.

Ihre Aufzeichnung in Knappenrode ist mittlerweile Veranstaltung Nummer sieben. Alles fing im vergangenen Jahr Mitte September an. „Da haben wir am Bärwalder See aufgelegt“, erinnert sich Marc Paprott. Seitdem haben sie mit ihrer Musik die Aufmerksamkeit ihrer Fans schon auf sechs Lausitzer Orte gezogen. Auf dem 40 Meter hohen Lausitztower in Hoyerswerda haben sie schon gespielt, genauso wie auf dem Turm am Schweren Berg mit Blick über den Tagebau Nochten. Zuletzt waren sie in der Eisarena Weißwasser.

Und nun ist die Energiefabrik an der Reihe. „Es ist einfach ein Stück kulturelles Denkmal der Lausitz, das viele unserer Väter begleitet hat und für die Region eine große Bedeutung hat“, sagt Marc Paprott. Genau um solche spannenden Orte geht es ihnen. Die Musik, die sie spielen, bezeichnen die Jungs selbst als „facettenreich“. Von Trance über House bis zu Techno ist alles dabei. Wer sich live davon überzeugen möchte, kann in der Energiefabrik dabei sein (siehe Infobox). Aber eine klassische Party schmeißen die DJs nicht. „Es geht uns überhaupt nicht ums Abhotten. Das kann man in jeder Disko machen. Wir möchten, dass die Leute herkommen und staunen, was es hier gibt“, erklärt René Haase. „Genau. Die Leute sollen Fragen stellen und sich wundern, was wir da machen“, ergänzt Marc Paprott. Sie bezeichnen sich als „DJs aus Leidenschaft“, komplett macht das Trio aus Weißwasser ihr Kollege DJ Charity alias Marcel Täubert. „Der muss heute leider arbeiten“, sagt Marc Paprott.

Auch bei der Absprache dabei: Marcel Linack. Der Eventmanager der Energiefabrik war direkt vom Konzept überzeugt. „Zugegeben, die Jungs erreichen mit ihrer Musik eine Zielgruppe, die nicht unbedingt in Museen unterwegs ist. Natürlich können wir so auch auf uns aufmerksam machen.“ Ein reines Museum, sagt Linack, funktioniert auch nicht mehr. „Wir brauchen einfach gewisse Veranstaltungen.“ Generell sei die Energiefabrik offen für solche Veranstaltungen. Aktuell laufen hier noch bis 2020 Umbaumaßnahmen – das Museum rund um die Lausitzer Industriegeschichte wird für zehn Millionen Euro komplett modernisiert.

FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

 Ganz ohne jegliche Einnahmen ziehen die drei Musiker ihr Projekt durch. „Wir machen das aus Spaß an der Freude“, bestätigt Marc Paprott. Aber: Schon jetzt erreichen sie nach eigenen Schätzungen gut 10 000 Leute am Monitor pro DJ-Set. Sie brennen für ihre Idee, die nächsten Locations sind längst im Gespräch. Es laufen Absprachen mit der Lausitzhalle Hoyerswerda, auch den Rostigen Nagel am Geierswalder See haben sie im Visier, genauso wie die Waldeisenbahn Muskau.

Jetzt aber freuen sie sich erst einmal auf die riesige Fabrik. „Es ist etwas komplett anderes, als in der Natur oder in einer Eishalle aufzulegen“, wagt Marc Paprott keinen Vergleich zu den bisherigen Sets. Ein i-Tüpfelchen könnte jetzt nur noch strahlender Sonnenschein sein. Denn dann – so kündigen es die Künstler an – soll ihre Musik vom Dach der eindrucksvollen Brikettfabrik ertönen.