| 02:40 Uhr

Lausitz erntet Wohlwollen in Paris

Stolz präsentieren Biosphärenreservatsleiter Torsten Roch (r.), Landesforstpräsident Prof. Hubert Braun (M.) und Minister Thomas Schmidt die Urkunde der Unesco für das Oberlausitzer Schutzgebiet.
Stolz präsentieren Biosphärenreservatsleiter Torsten Roch (r.), Landesforstpräsident Prof. Hubert Braun (M.) und Minister Thomas Schmidt die Urkunde der Unesco für das Oberlausitzer Schutzgebiet. FOTO: amz1
Wartha. Biosphärenreservat erhält die Unesco-Urkunde für weitere zehn Jahre. Expertin mahnt ökologische Landwirtschaft auf größeren Flächen in der Region an. amz1

Große Freude im Haus der Tausend Teiche in Wartha bei Bautzen: Das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (BROHT) hat der regulären Überprüfung standgehalten. Das Schutzgebiet erfüllt die strengen Kriterien des Unesco-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB). Somit ist der Status als Biosphärenreservat für die nächsten zehn Jahre gesichert (die RUNDSCHAU berichtete).

Margret Brahms vom deutschen MAB-Nationalkomitee hat die entsprechende Urkunde nach Wartha, dem Sitz der Schutzgebietsverwaltung, mitgebracht. "Ihr Bericht an die Unesco-Kommission ist bei den Pariser Kollegen auf großes Wohlwollen gestoßen. Sie sind von der Oberlausitz sehr angetan", lobt Brahms.

Weltweit gibt es derzeit 669 Biosphärenreservate, in Sachsen lediglich die Heide- und Teichlausitz. Die Experten haben diverse Kriterien überprüft, beispielsweise den Anteil der Kernzonen, der nicht unter drei Prozent der Gesamtfläche liegen darf. In diese Zonen greift der Mensch nicht ein, sie sind ganz sich selbst überlassen. Darum handelt es sich um die wertvollsten Gebiete in jedem Biosphärenreservat. Im Oberlausitzer Schutzgebiet, das eine Gesamtfläche von rund 30 000 Hektar umfasst, befinden sich gut 1100 Hektar in den Kernzonen. Das entspricht rund 3,7 Prozent.

Der Freistaat Sachsen unterstützt sein einziges Biosphärenreservat mithilfe der EU. Nach Angaben von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) existieren mehrere Fördertöpfe für diverse Projekte in der Region. Beispielsweise stünden 325 000 Euro aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds für die Oberlausitz bereit. Bis 2020 könne die ökologische Bewirtschaftung der Teiche finanziell gefördert werden. Dabei werde großer Wert auf eine naturnahe Arbeitsweise gelegt.

Darüber hinaus biete das Leader-Programm der EU Unterstützung. Das Biosphärenreservat sei eine von insgesamt 30 Leader-Regionen im Freistaat. Insgesamt umfasse dieser Topf bis zum Jahr 2020 rund 12,6 Millionen Euro. Jedes Fördergebiet entwickele dabei eine eigene Strategie, die vom Ministerium in Dresden genehmigt werde. Das Besondere daran sei, dass die Leute vor Ort selbst entscheiden dürfen, was und in welcher Höhe gefördert werde.

Nach Angaben von Margret Brahms gibt es in der Oberlausitz allerdings auch einen Wermutstropfen. Die Expertin fordert in der Region eine wesentlich größere Fläche für ökologische Landwirtschaft. Es gebe riesige Feldfluren, die durch Großbetriebe mehr oder weniger industriell bewirtschaftet werden. "Keine Pflanzenschutzmittel und nur Einsatz von Wirtschaftsdünger", mahnt Brahms. Viel mehr Betriebe als bisher sollten auf eine ökologische Landwirtschaft umstellen.

Minister Schmidt erklärt dagegen, dass es in Sachsen durchaus eine sehr vielgestaltige Landwirtschaft gebe. So seien die Flächengrößen der Betriebe im Durchschnitt rund 100 Hektar kleiner als in anderen ostdeutschen Bundesländern. Dass ein Großteil der Felder und Grünflächen durch große Agrarbetriebe bewirtschaftet wird, bilde für Schmidt kein Problem. Die jeweilige Betriebsform sei nachranging. Vielmehr müsse auf eine nachhaltige Wirtschaft geachtet werden. Eine "Schwarz-Weiß-Betrachtung", also "große Betriebe schlecht und kleine Betriebe gut", werde es mit ihm nicht geben. Derzeit gebe es in Sachsen rund 6000 Landwirte.

Im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft existiert nach Angaben von Leiter Torsten Roch eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschützern. Schließlich seien es gerade die Bauern, die die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft, welche das Schutzgebiet maßgeblich prägt, dauerhaft erhalten.