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| 17:09 Uhr

Außergewöhnliches Hobby
Gewitterjäger starten in die neue Saison

 Solche Aufnahmen gelingen den Gewitterjägern auf ihren spektakulären Ausfahrten. Dieses Motiv entand im Raum Dresden.
Solche Aufnahmen gelingen den Gewitterjägern auf ihren spektakulären Ausfahrten. Dieses Motiv entand im Raum Dresden. FOTO: Volker Hanold
Laubusch. Volker Hanold reist zu Blitz und Donner in der Lausitz und weiteren Teilen Sachsen. Das Ziel von ihm und seinem Team: Andere Menschen vor Unwettern warnen. Eine Gratwanderung mit Risiko. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn Gewitter angesagt ist, kribbelt es bei Volker Hanold in den Fingern. „Dann möchte ich sofort aufspringen, mich ins Auto setzen und zum Ort des Geschehens fahren“, bekennt der 30-jährige Laubuscher.

Kein Wunder, bezeichnet sich der Betonbauer als „Gewitterjäger Sachsen“. Zu seinem Team zählen drei weitere junge Enthusiasten aus der Oberlausitz sowie aus dem Raum Dresden.

Jetzt, Ende April, starten die Männer und Frauen im Alter von 19 bis 30 Jahren in die neue Gewittersaison. Denn mit der wärmeren Luft steigen auch die Chancen auf Blitz und Donner.

Gewitterjäger dokumentieren Unwetter in Lausitz und Sachsen

„Dazu verfolgen wir via Internet die Vorhersagen und das Wetterradar“, erklärt Volker Hanold. Sobald sich ein Unwetter bis auf rund 30 Kilometer dem Wohnort des jeweiligen Gewitterjägers nähert, heißt es sofort, ins Auto zu springen und möglichst nah an die Front heran zu fahren.

„Bei diesen Ausfahrten dokumentieren wir akribisch Wetterdaten und verfolgen die für uns interessanten Gewitter von deren Entstehung bis zum Zerfall in der Lausitz und weiteren Teilen Sachsens“, sagt Hanold.

Bewaffnet sind die jungen Leute neben Handys und Laptops mit Spiegelreflexkameras, Stativen und entsprechender Regenschutzkleidung. Letztere komme häufig aber gar nicht zum Einsatz. „Denn wir bewegen uns ja vor der Gewitterfront. In der Regel fällt da noch kein Niederschlag. Aber sicher ist sicher“, begründet Volker Hanold.

Gewitterjäger wollen Menschen vor Unwettern warnen

Ziel der „Gewitterjäger Sachsen“ ist es, Menschen im Vorfeld von den Witterungsunbilden zu warnen. Beispielsweise am Geierswalder See. „Dort machen wir die Protagonisten am Badestrand via Internet auf die drohenden Gefahren aufmerksam. Schließlich ist es bei Gewitter am Wasser besonders gefährlich“, erklärt der Laubuscher.

Über das soziale Netzwerk Facebook und demnächst auch über Instagram können Interessenten den Lauf der Gewitter verfolgen. Im kommenden Jahr wollen die Gewitterjäger auf der Video-Plattform Youtube entsprechende Filme zeigen.

Die bisherigen Rückmeldungen von Nutzern seien vielversprechend: „Wir erfahren für unsere Tätigkeit viel Anerkennung und erhalten auch manch interessanten Hinweis“, resümiert Hanold.

Sechs bis sieben schwere Gewitter pro Saison in der Lausitz

Pro Saison kommen die Unwetterjäger auf sechs bis sieben schwere Gewitter in der Lausitz. An eines kann sich Volker Hanold indes noch gut erinnern: „Im August 2018 kam eine Unwetterfront über den Senftenberger See gezogen. Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten, dass es so schnell geht.“

Ein anderes Mal musste der 30-Jährige seine Wohnung gar nicht erst verlassen. „Da hat direkt vorm Fenster ein Blitz in die Eiche eingeschlagen. Solch einen Knall hatte ich noch nie zuvor gehört, einfach ohrenbetäubend. Die elektrische Ladung sprengte regelrecht die Rinde ab. Der Baum musste später gefällt werden“, erinnert er sich.

Gewitterjäger auf schmalem Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn

Ein Gewitter in den österreichischen Alpen ging weniger glimpflich für den Laubuscher aus. „Da bin ich im Vorfeld eines Unwetters in die Berge gefahren. Es kam so schnell ins Tal gezogen, brachte großen Hagel mit, sodass dieser die Frontscheibe meines Autos zerschlagen hatte.“

Hanolds Kommentar dazu: „Wir Gewitterjäger bewegen uns auf einem schmalen Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn.“

Die Begeisterung für Blitz und Donner entstand bei dem 30-Jährigen vor rund fünf Jahren. „Mich haben Blitze fasziniert, und ich habe begonnen, diese zu fotografieren. Dann kamen diverse Stürme hinzu. Um die besten Bilder zu haben, stehe ich dafür schon mal nachts gegen 3 Uhr auf.“ Seine Kollegen fand Volker Hanold übers Internet. „Seitdem sind wir ein Team.“

Das raten die Gewitterjäger bei Blitz und Donner

Wer in ein Gewitter gerät, sollte auf mehrere Dinge achten, um die Gefahr nicht ausufern zu lassen, empfiehlt der Laubuscher. Er rät, im Freien nicht der höchste Punkt zu sein sowie Im Auto oder in Gebäuden Schutz zu suchen. „Am besten ist es aber, einen respektablen Abstand zu den Wetterfronten nach besten Wissen und Gewissen zu haben.“

Indes hoffen die Enthusiasten auf ein gewitterreicheres Jahr als es 2018 war. Vor zwölf Monaten gab es nach Angaben des Schipkauer Hobbymeteorologen Ingo Nowak lediglich 14 Mal Blitz und Donner, 2017 waren es immerhin 18. Im laufenden Jahr hat Nowak in seinem Heimatort bereits mehr als ein halbes Dutzend Gewitter registriert, davon eine nicht unerhebliche Zahl im Winter.