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| 17:39 Uhr

Interview mit Mathias Priebe
Verliebt in eine Hundertjährige

 Mathias Priebe (51) aus Lauta ist der Leiter des Projekts „Lausitzer Gartenstadt 2030“ in Laubusch. Seit kurzem gibt es auch eine Internet-Seite, auf der sich Interessierte melden können:  www.erika.jetzt
Mathias Priebe (51) aus Lauta ist der Leiter des Projekts „Lausitzer Gartenstadt 2030“ in Laubusch. Seit kurzem gibt es auch eine Internet-Seite, auf der sich Interessierte melden können: www.erika.jetzt FOTO: LR / Sascha Klein
Laubusch. Der Projektleiter will viele Laubuscher animieren, die Gartenstadt Erika weiterzuentwickeln. Von Sascha Klein

Herr Priebe, Lauta bekommt 415 000 Euro vom Freistaat für einen Ideenwettbewerb in der Gartenstadt „Erika“ in Laubusch: Was wird dort demnächst passieren?

Mathias Priebe: Wir wollen einen Prozess anstoßen, bei dem viele Menschen mit uns gemeinsam überlegen, wie diese tolle Siedlung in 20 bis 30 Jahren aussehen könnte.

Das klingt noch sehr theoretisch: Wie kann das praktisch aussehen?

Priebe: Wir haben zwei Perspektiven. Zum einen: Wie sieht die Siedlung später aus und zum anderen: Was tun wir in den zwei Jahren Projektarbeit? Wie die Siedlung später aussieht: Das kann ich nicht sagen. Wir haben vor, junge Leute, Experten, Netzwerk an diesen Ort zu bringen, die Vorstellungen entwickeln, was in der Gartenstadt passieren kann.

Die Leute vor Ort warten auf etwas Sichtbares – zum Beispiel auf das angedachte Projekthaus. Was ist in diesem Punkt zu erwarten?

Priebe: Wir sind uns sicher, dass wir die Ressourcen nutzen sollten, die wir vor Ort haben: Da ist das Kulturhaus zu erwähnen. Diesen Ort wollen wir nutzen. Wir denken dabei unter anderem an einen Wettbewerb mit Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen.

Wie werden die Laubuscher selbst eingebunden?

Priebe: Wir werden vielseitige Formate finden, an denen sich Menschen beteiligen können. Werkstätten zum Beispiel, etwa im Kulturhaus, aber auch im IBS Laubusch. Wir werden aber auch ganz bewusst Menschen ansprechen, die hier sind, wieder mitzumachen. ‚Wieder’ bedeutet: Sie tun es schon längst. Wir haben zum Beispiel den SV Laubusch, der gerade 100 Jahre gefeiert und ein tolles Fest organisiert hat. Wir haben die Wohnungsbaugenossenschaft Laubusch, die sofort Unterstützung signalisiert hat, wir haben den Heimatverein. Mit allen Akteuren werden wir sprechen – und tun es längst. Beim Mitmachen geht es immer auch um Wertschätzung. Es geht immer darum, den Menschen vor Ort zu sagen: Das, was ihr da tut, ist gut. Manchmal, wenn man selbst tief im Thema steckt, sieht man das nicht mehr.

Sie sind Projektleiter. Was ist Ihre Aufgabe?

Priebe: Ich sehe mich selbst als Ermöglicher von Kommunikation. Was man sich vergegenwärtigen muss: Wir haben uns das Ziel gestellt, dass die Möbelwägen ab 2023 in die andere Richtung fahren – dass also Menschen herziehen. Wenn wir das schaffen wollen, brauchen wir ganz viele Menschen, die sich dafür begeistern. Wir brauchen nach dem Projekt auch Leute, die bereit sind, in Laubusch zu investieren.

Die Chance für die „Gartenstadt Erika“ ist also, sich aus sich heraus zu erneuern und durch Neubauten wieder zu wachsen?

Priebe: Die Chance – nicht nur für Erika – ist, das Lausitzer Seenland zur Werkssiedlung zu machen für den Industriepark Schwarze Pumpe, für BASF in Schwarzheide, für Accumotive in Kamenz und TDDK in Straßgräbchen – und ganz sicher auch für Bosch in Dresden. Bis dort sind es von hier nur 35 Minuten Autofahrt. Das ist heutzutage ein ganz üblicher Weg zur Arbeit.

Die Gartenstadt Erika könnte also eine Blaupause sein für die Menschen aus Dresden oder dem Rand Dresdens, sich für das Seenland als Wohnort zu entscheiden?

Priebe: Diese Blaupause wollen wir miteinander entwickeln. Menschen, die von außerhalb kommen und auf die Lausitz schauen, sehen das auch schon längst.

Warum sehen wir das in der Lausitz oft nicht so deutlich?

Priebe: Weil wir hinter jedem Detail auch die Schwierigkeiten der vergangenen 30 Jahre sehen. Die Siedlung Erika ist nach meinen Erfahrungen ein Brennglas für alle strukturellen Veränderungen, die die Lausitz in den vergangenen 120 Jahren erlebt hat.

Die Gartenstadt Erika ist bisher nur Lausitzern und Insidern bekannt. Wie lässt sich der Bekanntheitsgrad deutlich steigern?

Priebe: Ich glaube, das passiert schon. Etwa, indem man einer Jury ein gutes Konzept vorlegt und damit viel Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit bekommt. Ganz konkret: Am 21. August kommt Staatsminister Thomas Schmidt nach Laubusch und startet bei uns die nächste Runde dieses Ideenwettbewerbs.

Welche Chancen hat Laubusch durch diesen Ideenwettbewerb?

Priebe: Wir haben große Chancen, wenn wir uns gemeinsam anstrengen. Wir müssen auch ehrlich sein: Das wird alles andere als einfach. Wir werden uns sehr anstrengen müssen, um aus diesem Preisgeld etwas Gutes zu machen. Die Aufgabe geht ja noch weiter. Wir wollen dafür sorgen, dass hier wieder gebaut wird. Es wird nicht so funktionieren wie in München – wenn jemand irgendwo ein Haus baut und damit viel Geld verdienen will.

Laubusch ist ein Teil des Lausitzer Seenlands. Wie verknüpfen Sie den Ideenwettbewerb mit den Seenland-Planungen?

Priebe: Laubusch wird ein Modell werden. Wir haben jetzt den Ideenwettbewerb und das Mitmach-Projekt, wir haben die Sanierung der Schule am Markt – und wir haben nebenan den Erikasee, für den der Zweckverband gerade einen Masterplan entwickelt. Unsere Aufgabe an der Stelle ist, diese Themen zusammenzubringen. Das ist gelungen. Gespräche mit Zweckverband und Stadt Lauta haben schon stattgefunden. Alle Partner haben richtig Lust, die Gartenstadt Erika wieder richtig zum Strahlen zu bringen.

Was ist in den kommenden Wochen Ihre wichtigste Aufgabe?

Priebe: Meine wichtigste Aufgabe wird sein, Gespräche über den Gartenzaun zu führen. Ich habe schon viele Laubuscher kennengelernt. Ich bin begeistert von Erika. Ich habe mich in eine Hundertjährige verliebt. Ich freue mich auch schon auf die nächsten Gespräche.

 Die Gartenstadt Erika in Laubusch ist im Rahmen des Aufbaus von Kraftwerk und Brikettfabrik entstanden.
Die Gartenstadt Erika in Laubusch ist im Rahmen des Aufbaus von Kraftwerk und Brikettfabrik entstanden. FOTO: LR / Sascha Klein