Womit Schmidt, der seit Jahren Sturm gegen die Verkehrsbelastung läuft, eigentlich zufrieden sein sollte. Doch der Laubuscher Ortsteilchef macht einen alles andere als glücklichen Eindruck. „Von 100 auf Null - so haben wir uns das auch nicht vorgestellt.“
Denn seitdem die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) damit begonnen hat, den Straßenabschnitt von Lau busch in Richtung Geierswalde wegen des aufsteigenden Grundwassers zu sperren, gibt es plötzlich viele neue Probleme, die weit über die Lau buscher Ortsgrenzen hinaus reichen. Eltern aus der Elsterheide, die ihre Kinder nach Laubusch in die Schule bringen, müssen große Umwege in Kauf nehmen. „Bei den Benzinkosten kaum vermittelbar“ , sagt Schmidt. Einwohner aus Geierswalde oder Tätzschwitz, die nach Laubusch in den Supermarkt, zum Arzt oder zum Bäcker wollen, müssen sich auf eine lange und mühselige Tour einstellen. Und beim Rettungsdienst, so sagt Schmidt, dürften die Sorgenfalten ob des gekappten direkten Zugangs in die Nachbarorte ebenfalls größer geworden sein.
Doch damit noch nicht genug. Derweil häufen sich die Klagen aus Tätzschwitz über den erhöhten Lkw-Verkehr. „Ich hab zu dieser Problematik schon einige Anrufe erhalten“ , sagt der Ortsvorsteher. „Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut, wie ärgerlich diese Belastung ist.“
Ein Ausweg aus dem Dilemma - das wissen die Laubuscher spätestens seit der Einwohnerversammlung in der vergangenen Woche - zeichnet sich nicht ab. „Unsere Vorschläge, einen der zahlreichen Wirtschaftswege am Rande von Laubusch zumindest für den Pkw-Verkehr zu ertüchtigen, um hier eine ortsnahe Umleitung zu gewährleisten, fanden keinen Widerhall“ , ärgert sich Schmidt. Ein Jahr lang sollen die Laubuscher und Elsterheider mit diesen Verhältnissen nun leben. „Eine verdammt lange Zeit“ .
Doch die zwölf Monate wären auch eine gute Gelegenheit, um ein Wunschprojekt der Orte Laubusch und Geierswalde auf den Weg zu bringen - die so genannte Westtangente. So gibt es schon Planungen, wie der Lkw-Verkehr künftig aus Laubusch rausgehalten werden kann. Dabei handelt es sich um eine kleine Umgehungsstraße. Lediglich ein Streckenabschnitt von der Grube-Erika-Straße bis an die neue Trasse in Richtung Kortitzmühle müsste neu aus dem Boden gestampft werden. „Doch in dieser Frage bewegt sich im Moment nicht wirklich viel“ , ärgert sich Schmidt. Gemeinsam mit seinem Geierswalder Amtskollegen Karl-Heinz Radochla hat er sich deshalb an den Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche (CDU) mit der Bitte um Unterstützung gewandt. Der wiederum möchte sich in den nächsten Tagen mit der LMBV an einen Tisch setzen, um die Planungen zu erörtern. „Anschließend geht es darum, das Vorhaben in Dresden auf die Epperlein-Liste zu bekommen“ , sagt Nitzsche. Epperlein ist im sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit als Chef der Projektgruppe Abwicklung und Controlling in der Braunkohlesanierung für die Bergbaufolge-Vorhaben zuständig.
Bis es soweit ist, muss allerdings noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Zugleich hofft Schmidt darauf, dass die Laubuscher einen langen Atem beweisen - und meint damit vor allen Dingen die Geschäftsleute. „Nicht dass wir in einem Jahr zwar eine neue Straße haben, aber der Supermarkt dann zu ist.“