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Landrat will Problemwolf abschießen lassen

Zwei Wölfe (Canis Lupus Lupus), aufgenommen am 18.01.2017 in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg (Nordrhein-Westfalen).
Zwei Wölfe (Canis Lupus Lupus), aufgenommen am 18.01.2017 in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). FOTO: Bernd Thissen (dpa)
Bautzen. Jetzt soll es dem Rosenthaler Rudel an den Kragen gehen: Nach dem jüngsten Wolfsriss in Cunnewitz hat der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) eine Entnahme der Problemwölfe auf den Weg gebracht. bob

"Ich habe das zuständige Amt beauftragt, eine entsprechende Ausnahmegenehmigung von den im Bundesnaturschutzgesetz formulierten Zugriffsverboten vorzubereiten", erklärte Harig am Mittwoch. Bevor es zu einen Entnahme kommt, müsse aber zunächst das Sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium zustimmen, teilte die Kreisverwaltung mit.

Beim Wolfsangriff auf Tiere einer Cunnewitzer Schäferei sei bestätigt worden, dass der Tierbestand "weit über das geforderte Maß hinaus "mit Herdenschutzmaßnahmen versehen war, argumentiert die Verwaltung. "Ich empfinde es geradezu als zynisch, wenn die Mitarbeiter des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz nun feststellen, dass die angebrachten Flatterbänder wegen falscher Befestigung zu wenig geflattert hätten", so Harig. "Sollen künftig bei Windstelle gar Windmaschinen zu Einsatz kommen - oder was will man den Tierhaltern und ihren Nutztieren noch zumuten?", fragt Harig. "Tote Nutztiere stören die vermeintliche Idylle", setzt der Landrat hinterher.

Die Bevölkerung im ländlichen Raum müsse den Eindruck gewinnen, dass der Artenschutz sich über jedwede Interessen hinwegsetzt, schreibt Harig weiter. So stünden die Nutztierhalter in gewisser Weise auf der "Abschussliste". Harig: "Denn wenn es keine Nutztierhaltung mehr gibt, werden sich die Konflikte von selbst erübrigen. Das kann und werde ich nicht hinnehmen!"

Beim angegriffenen Wolfsbüro in Rietschen fällt die Reaktion zunächst kühl aus. "Die Entnahme ist eine Möglichkeit, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen wurden und es dennoch zu Wolfsrissen kommt", erklärt Projektleiterin Vanessa Ludwig. Ob dies in diesem Fall zutrifft, müsse das Ministerium entscheiden. "Zu dem jetzigen Übergriff bei der Schäferei laufen die Untersuchungen und Auswertungen noch, sodass wir im Moment keine weitere Aussage dazu treffen können", so Ludwig weiter.

Das Rosenthaler Rudel ist in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Auf das Konto des Wolfsrudels sollen 2016 mehr als zehn Übergriffe auf Schafs- und Ziegenherden gegangen sein. Harig hatte 2016 schon einmal beim Umweltministerium den Antrag gestellt, das "Rudel zu entnehmen". Damals erhielt er eine Absage.