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Landpartie in Ateliers und Werkstätten

Christine Przybilski kehrt mit ihren Schmuck-reationen immer wieder gern nach Seidewinkel in die Vollmert'sche Lehrwerkstatt zurück.
Christine Przybilski kehrt mit ihren Schmuck-reationen immer wieder gern nach Seidewinkel in die Vollmert'sche Lehrwerkstatt zurück. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. 50 Künstler und Kunstschaffende in acht Stunden zu erleben, das ist schon eine Hausnummer. Bei Kunstlandstrich geht es darum, Orte ruhig zu durchstreifen und neue Kunst zu entdecken. Anja Guhlan / ang1

Es geht los. Ungefähr 40 Radfahrer starten gestern an der Kulturfabrik Hoyerswerda (Kufa) und am Bürgerzentrum zu Kunstlandstrich. Während in der Kufa wunderschöne schwarz-weiße Fotografien von der Berlinerin Kerstin Koletzki ausgestellt sind, betrachten die Besucher auf dem Dachboden des Bürgerzentrums die bunten und vielfältigen Fotos vom Hoyerswerdaer Fotostammtisch, die allesamt das Straßentheaterfest zeigen. "Jeder unserer Stammtischler hat eine andere Sicht auf die Dinge. Deshalb sind auch die Fotos sehr vielfältig", erklärt Sven Kleinert vom Fotostammtisch, dem noch weitere zehn Personen angehören.

Es geht weiter in die Spremberger Straße, in der gleich drei Stationen zu finden sind. Der 84-jährige Maler Arthur Aulich nimmt zum ersten Mal am Kunstlandstrich teil und hat seine Türen zum Haus weit geöffnet und darin zahlreiche seiner gemalten Bilder ausgestellt. Ob Federzeichnung, Aquarell, Blei- oder Buntstiftzeichnung - die Motive sind vielfältig und sehr realitätsnah bis ins kleinste Detail. Drei Bilder hat er ausgestellt, die er im Jahr 1954 gemalt hat. "Echte Raritäten", sagt Arthur Aulich.

Schräg gegenüber im Citymanagement zeigt der Berliner Künstler Enrico Verworner (40), der in Hoyerswerda geboren und aufgewachsen ist, seine Kunstfotografien. Unter dem Titel "Berlin Flowers" hat er architektonische Bauwerke Berlins in abstrakte Blumen verwandelt. So ergeben zahlreiche Duplikationen des Funkturms eine Pusteblume. Aus dem Hauptbahnhof wird ein Gewächshaus. Und der Berliner Dom ist in eine Dahlie verwandelt. "Die Werke entstehen alle am Computer mittels eines Fotobearbeitungsprogramms", erklärt der Künstler. Architektur und Natur gehen eine Symbiose ein. "Es dauert jedoch lange bis zur perfekten Illusion. Schließlich müssen Schatten und Lichtverhältnisse stimmen."

Einige Meter weiter kann man im Belantage, der Kleidermanufaktur, echte Werkstatt-Luft schnuppern. Das gefällt besonders dem Ehepaar Bianka und Holger Griebsch. Beide kommen gerne zum Kunstlandstrich. "Hier kann ich an vielen Stationen ganz viel entdecken und tatsächlich Werkstatt- und Atelierluft schnuppern", erklärt Bianka Griebsch aus Hoyerswerda, die im Schnitt zehn Stationen schaffen will. Im Belantage stellt neben Reinhard Gähler mit seinen Holz- und Steinskulpturen auch Beate Pfefferkorn aus Dresden ihren Porzellanschmuck aus. "Nur eine handvoll Künstler in Europa widmen sich der Kunst des Porzellanschmucks", berichtet die Künstlerin. Umso interessierter sind die Besucher: Die Frage, wie zerbrechlich der Schmuck ist, wird gestellt. "Je größer und dünner die einzelnen Teile sind, umso zerbrechlicher werden sie", antwortet Pfefferkorn, die alle Schmuckstücke - ob Kette, Armband, Ohrringe oder Wandvasen - selbst in ihrer Dresdener Werkstatt fertigt und demnach ausschließlich Unikate verkauft.

In Klein Neida treffen Besucher auf Beate Schiemann, die ausrangierte Stühle in echte Kunstwerke verwandelt. So entstanden mit pfiffigen Ideen und geschickten Händen unter anderem aus einem Küchen- ein Orchesterstuhl mit echten Saiten, aus einem Barhocker ein Hochstand mit Tierzeichnungen und aus einem Kinder- ein echter Heimwerker-Stuhl mit Hammer, Maßband und Maurerkelle.

In Spohla haben Ines Proksch und Daniela Heese sämtliche Kunst auf ihrem Grundstück ausgestellt: Von Objekten aus Ton, Holz, Papier oder Strandgut ist Allerlei dabei. "Wir gehen gern in den Wald und an den Strand, sammeln dort unsere Materialien und schaffen daraus etwas Einzigartiges", berichtet Ines Proksch.

Der Künstler Uwe Handrick, der in Kühnicht seine Installation "Baby Born marschiert" aufgestellt hat, will die Besucher dagegen mehr zum Nachdenken anregen. "Jeder einzelne Mensch ist unterschiedlich, und doch bewegen wir uns im vorgegebenen Gleichschritt", sagt er. Die Installation, die unterschiedliche Ton-Köpfe auf Holzbalken zeigt, sind hintereinander in einer Reihe angeordnet und verdeutlichen das.

In Seidewinkel treffen die Besucher auf Christine Przybilski aus Senftenberg, die einst bei dem Metallkünstler Manfred Vollmert gelernt hat. Während Vollmert wieder seine Metallskulpturen zur Schau stellt, zeigt Przybilski ihren Metallschmuck, der durch seine freie Formen an Einzigartigkeit besticht aber dennoch alltagstauglich ist.

Für die Besucher hat der Kunstlandstrich Langzeitwirkung. So wird mancher Gast angeregt und dadurch selbst kreativ. Und das ist ausdrücklich erwünscht.