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| 15:10 Uhr

Jakubzburg
Atemberaubendes Neuland

Für den Tenor Andreas Petzoldt ist die Mortkaer Jakubzburg auch ein Ort "überbordernder Phantasie".
Für den Tenor Andreas Petzoldt ist die Mortkaer Jakubzburg auch ein Ort "überbordernder Phantasie". FOTO: Rainer Könen
Mortka. Mit dem Zorro-Musical gastierten die Landesbühnen auf der Jakubzburg. Für das Ensemble ist es eine inspirierende Spielstätte. Von Rainer Könen

Der Knöchel ist angeschwollen. Andreas Petzoldt  bandagiert sich den Fuß. „Um besseren Halt in den Fechtszenen zu haben“, erklärt der 38-jährige Tenor. Er ist  bei der Durchlaufprobe des Zorro-Musicals mit seinen Stiefeln in einer Rille des Burgeingangs hängengeblieben. Könne halt passieren, wenn man die Verhältnisse auf einer neuen Spielstätte nicht gut kennt, findet Petzoldt, der zum Gesangsensemble der Landesbühnen Sachsen gehört, die in den vergangenen Tagen in Mortka gastierten. Auf der Jakubzburg, wo ein rund 40-köpfiges aus Sängern, Tänzern, Chormitgliedern und Stuntleuten gespicktes Ensemble das Zorro-Musical aufführte. Ein Stück, in dem der von Gero Wendorff gespielte Held Zorro für Recht und Gerechtigkeit sorgt, und Petzoldt zur Abwechslung einen Bösewicht gibt, den Ramon.

Wenn die Landesbühnen mit ihren Stücken durch die Lande touren, ist das „jedes Mal spannend“, sagt der gebürtige Leipziger Petzoldt. Erst recht, wenn man zum ersten Mal an einer Spielstätte auftritt. Weil in der Fremde vieles anders ist, als etwa im Radebeuler Theater oder auf der Rathener Felsenbühne. Es gebe tolle Bühnen, aber auch Spielstätten, Petzoldt verzieht  sein Gesicht, die „nicht angenehm sind“. Die Jakubzburg gehört für ihn zu den Auftrittsorten, die „einen überwältigen“. Im positiven Sinne. Eine neue Spielstätte ist für Darsteller wie ein neues Land, welches es zu entdecken gilt.

Vor der Saison „schauen wir uns all die Spielstätten, wo wir auftreten, genau an“, erzählt Christin Rettig. Die 29-Jährige ist  Regieassistentin mit Spielverpflichtung. Mit anderen Worten: Gelegentlich darf sie ihrer Leidenschaft, der Schauspielerei, frönen. Wie beim Zorro-Musical, wo sie als Flamencosängerin auftritt.

Sie ist zum ersten Mal in Mortka. Ihre Augen leuchten, als sie erzählt, dass das gesamte Areal „mich überwältigt hat“. Eine atemberaubende Location. Auf die Frage, was an der Burg so atemberaubend sei, erklärt sie, dass man ein solches Gemäuer „in so einer Gegend nicht erwartet“.

Sänger Andreas Petzoldt kennt die Burg aus dem Vorjahr. Da war er zum ersten Mal dort. „Als ich damals aus dem Bus stieg und diese kleine geheimnisvolle Burg vor mir sah, hat es mich fast umgehauen“, so Petzoldt, der seit zehn Jahren Ensemblemitglied bei den Landesbühnen ist.

Die Mortkaer Burg finden alle Darsteller gut, man hat sich auch damit arrangiert, dass man sich in den vielen Räumen und Gängen aber auch verlaufen kann. „Das macht es noch interessanter“, finden Christin Rettig und Andreas Petzoldt unisono. Andere Spielstätte, neue Wege zur Bühne. Christin Rettig hat sich ihren Weg von der Garderobe bis hoch zur Bühne vor dem Burgtor markiert, mit Taschentüchern.

Die Bühne vor dem Burgtor ist kleiner als die in Rathen. Aber, so Rettig, „daran gewöhnt man sich“. Die Künstlergarderobe hat man im Rittersaal untergebracht, was alle gemütlich finden. Auch Landesbühnen-Intendant Manuel Schöbel ist vom Flair der Burg angetan. Die sei von überwältigendem Charme,sagt er.  Und lobt den Burgherrn André Jakubetz, der sich hier „einen Lebenstraum“ erfüllt habe. Eine solch verspielte Architektur in einer solchen Landschaft, so etwas, steht für den Landesbühnen-Chef fest, spreche jedes Künstlerherz an. Auch weil diese Burg einen „in den Bann zieht“.

Weil das so ist, werden die Landesbühnen im nächsten Jahr wieder nach Mortka kommen. Mit welchem Stück, Schöbel weiß es noch nicht genau. Aber er weiß, was sich der Burgherr wünscht. Der wolle, so Schöbel, gerne „Das Geheimnis der Hebamme“ auf der Jakubzburg sehen. Er lacht. Passen würde diese Story auf jeden Fall, an diesen besonderen Auftrittsort.