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Längst überfällige Ehrung

Es klingt wie selbstverständlich: Zum 70.

Geburtstag der Schriftstellerin Brigitte Reimann wird die Stadtbibliothek in Hoyerswerda am Montag ihren Namen erhalten und wird im Schloss um 17 Uhr eine außergewöhnliche Sonderausstellung über Brigitte Reimanns Leben und Wirken in der Lausitz eröffnet. Aber: So selbstverständlich ist das gar nicht. Noch vor zehn oder 15 Jahren war sich Hoyerswerda längst nicht im klaren darüber, von welchem Rang die Zeitgenossin ist, die von 1960 bis 1968 acht Jahre ihres Lebens hier verbrachte und in dieser Zeit auch ihre wichtigsten Werke schrieb. In die Denkschablonen passte damals wohl nicht, dass die Reimann eine Frau mit großer Lebenslust war, die unbequem und unangepasst wirkte und sich mit den Oberen rieb.
Jetzt ist die Zeit reif, dass die 1973 verstorbene Autorin die ihr zustehende Ehrung in der Stadt erhält. Und da darf man jetzt auch zu Recht stolz darauf sein, dass in Hoyerswerda die bundesweit bedeutendste und umfassendste Veranstaltungsreihe zum 70. Geburtstag der Reimann auf die Beine gestellt wurde. Das wird der gebeutelten Stadt einen Image-Gewinn verschaffen. Immerhin: Überregionale Medien haben sich zuhauf angesagt. Vom NDR bis zum Kölner Deutschlandfunk sprachen die Sender bei Kunstvereins-Vorsitzenden Martin Schmidt vor.
In der Tat die beste Ehrung für die Reimann wäre es jedoch, wenn die Hoyerswerdaer ihr Werk gut kennen würden. Ich für meinen Teil, werde heute mal wieder die Tagebücher der Brigitte Reimann „Ich bedaure nichts“ aus dem Bücherregal angeln und darin schmökern. Und wie sieht's mit Ihnen aus?