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Oberlausitz
Alte Schule, Herrenhaus und Hühnerstall

Das Herrenhaus Saritsch ist einer der Preisträger beim Landeswettbewerb ländliches Bauen.
Das Herrenhaus Saritsch ist einer der Preisträger beim Landeswettbewerb ländliches Bauen. FOTO: Uwe Menschner
Oberlausitz . Die Objektpalette beim Landeswettbewerb Ländliches Bauen ist sehr vielfältig. Vier Preise gingen diesmal in den Landkreis Bautzen. Von Uwe Menschner

Beim sachsenweiten Landeswettbewerb Ländliches Bauen des Jahrgangs 2017 sind vier Preise in den Landkreis Bautzen gegangen. So errangen Ines und Thomas Dittrich als Bauherren der früheren Schule in Weißbach (Gemeinde Steina) den 2. Preis in der Kategorie „Gebäudeumnutzung“. Das vor mehr als 100 Jahren erbaute Schulhaus wurde saniert und zu einem großzügigen Wohnhaus der Bauherrenfamilie umgebaut.

„Die gegebenen Raumstrukturen des alten Schulgebäudes wurden behutsam und feinfühlig für die neuen Aufgaben umgenutzt, weiterentwickelt und einfallsreich zu einem neuen Gesamtergebnis zusammengeführt“, heißt es in der Preisbegründung der Jury. Auffallend seien die Sorgfalt bei der Auswahl der Baumaterialien und die gut überlegten Lösungen zur Energieeffizienz des Gebäudes. Auch in den Details zeige sich die besondere Hingabe der Bauherren für ihr Objekt: „Die Schuluhr hat ihren angestammten Platz zurück und funktioniert wieder. Der Schriftzug an der Straßenfassade, der auf die historische Nutzung als Schulhaus verweist, ist wieder zu erleben.“ Somit bleibe die Erinnerung an das alte Schulhaus, das einen festen Platz in der Lebensgeschichte vieler Bewohner einnimmt, anschaulich erhalten. Die Weißbacher Dorfschule war 1826 eingeweiht worden und diente von 1962 bis 1993 als Kindergarten. Die Sanierung hatte 2014 begonnen.

Über einen Sonderpreis in der Kategorie „Wiederbelebung historischer Hofanlagen“ können sich Ines und Stefan Triebs aus Saritsch freuen. Sie hauchen dem früheren Herrenhaus in dem Neschwitzer Ortsteil seit 2012 neues Leben ein. Dieses stammt in seiner heutigen Form aus der Zeit um 1835 und diente von 1946 bis 1992 zeitweise unter anderem als Gemeindeamt, Gaststätte, Jugendclub, Arztzimmer und Dorfkonsum. 2009 verkaufte die Gemeinde Neschwitz das Herrenhaus an Familie Triebs. Seitdem sanieren die Bauherren ihr Objekt „in kleinen Schritten“, wie sie selbst betonen, und dokumentieren dies umfangreich im Internet.

Als besonderes Projekt und Reminiszenz an die ehemalige Nutzung richteten die Besitzer im früheren Verkaufsraum die „Konsumgalerie“ ein, in der sie wechselnde Ausstellungen zeigen. „Hier wurde innen noch nichts saniert oder renoviert und deshalb strahlt dieser Raum in seiner Rohheit einen besonderen Charme aus“, so Ines und Stefan Triebs. „Insbesondere durch die Einrichtung der Galerie kann das Herrenhaus von anderen Dorfbewohnern neu erlebt werden“, würdigt auch die Jury, die die bisherige Sanierung als „qualitätvoll“ bezeichnet.

Im Ortsteil Reichenau der Gemeinde Haselbachtal ist der dritte Preisträger aus dem Landkreis Bautzen beheimatet – Giso Müller, der einen Sonderpreis in der Kategorie „Erhaltung wertvoller Kleinbauten“ zugesprochen bekam. Er hat das ehemalige Auszugshaus eines Dreiseitenhofes saniert. Als „Auszugshaus“ (auch „Ausgedinge“) wurden einst nachträglich errichtete kleinere Gebäude bezeichnet, in denen nach der Übergabe des Hofes die Altbesitzer wohnen durften. In diesem Auszugshaus wurde bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gewohnt, danach diente es noch als Hühnerhaus und stand schließlich leer. „‚Weniger ist mehr‘ war hier die Devise. So ging die Einfachheit des Hauses nicht verloren. Einzelne moderne Eingriffe und Zutaten ergänzen das kleine Haus wieder zu einem sehr einladenden Wohnsitz“, so die Jury in ihrer Laudatio.

Preis Nummer 4 ging an Uwe Heinrich aus Stacha (Gemeinde Demitz-Thumitz) in der Sonderkategorie „Wohnen im Bestand“ für die Herrichtung eines 1894 erbauten desolaten Wohnhauses.