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Kurzwelle bleibt attraktiv

Sie schicken weltweit Botschaften über den Äther: die Amateurfunker Lutz Günther (56) und Helmut Hänsch (63) an ihren Anlagen in der Clubstation des Hoyerswerdaer Ortsverbandes.
Sie schicken weltweit Botschaften über den Äther: die Amateurfunker Lutz Günther (56) und Helmut Hänsch (63) an ihren Anlagen in der Clubstation des Hoyerswerdaer Ortsverbandes. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Hoyerswerda. Seit mehr als 40 Jahren knüpfen die Amateurfunker Lutz Günther und Helmut Hänsch vom DARC Ortsverband Hoyerswerda Kontakte in alle Welt. Anlässlich des Weltamateurfunktags am Samstag sprach die RUNDSCHAU mit den beiden über ihr Völker verbindendes Hobby. Anja Guhlan / ang1

Jeder registrierte Amateurfunker weltweit hat ein Rufzeichen. Das von Helmut Hänsch aus Hoyerswerda lautet "DL5DSM". Seit mehr als 40 Jahren ist der Vorsitzende des Ortsverbandes Hoyerswerda im Deutschen Amateur Radio Club (DARC) unter diesem Kürzel im Äther unterwegs und hat mittlerweile an die 50 000 Kontakte in der ganzen Welt gesammelt. Sein Amateurfunk-Kollege Lutz Günther (DL8DXF) kommt erst auf etwas über 10 000 Kontakte.

"Zu DDR-Zeiten gab es, anders als heute, kaum Funkgeräte zu kaufen. Wer funken wollte, musste sich seine Gerätschaften selbst bauen", erinnert sich Helmut Hänsch an seine Anfänge als Jugendlicher. Dem heute 63-Jährigen bereitet das Experimentieren mit der Technik immer noch große Freude. Angesichts der Grenzen, so Lutz Günther, "war es in der damaligen Zeit ein besonderes Gefühl, weltweit mit Gleichgesinnten sprechen zu können".

In den 1970er-Jahren legten beide die notwendige Prüfung ab. Denn damals wie heute brauchen Amateurfunker zum Funken eine Zulassung. Zuständig für die Zulassung ist heute die Bundesnetzagentur. Lutz Günther und Helmut Hänsch haben ihre Prüfungen bei der Bezirksdirektion der Deutschen Post der DDR abgelegt. "Neben Kenntnissen von Technik und gesetzlichen Vorschriften mussten wir damals noch vorweisen, dass wir Morsezeichen verstehen", sagt Lutz Günther.

Heute funken beide noch in alle Teile der Welt hinaus. Oft bleibt es für Außenstehende ein Buch mit sieben Siegeln. Die Technik, die Fachausdrücke und Kürzel schrecken Nicht-Funker erst einmal ab. "Ziel ist es meistens, Kontakte aus Ländern oder Regionen zu sammeln, die man bisher noch nicht erreicht hat", erklärt Lutz Günther. Der 56-Jährige sucht heutzutage beim Funken einfach auf einer der vorgegebenen Frequenzen einen Kontakt und beginnt das Gespräch. "Üblicherweise nennt man zuerst seinen Namen und den Ort, von dem aus gefunkt wird. Dann kann man sich über das Wetter, die Technik oder auch andere Themen unterhalten", erklärt Lutz Günther. Zur Bestätigung des Kontaktes schicken sich die Gesprächspartner gegenseitig QSL-Karten zu. Kontakte suchen Amateurfunker aber nicht nur zu Gleichgesinnten. "Einmal konnte ich einen Kontakt zu einem russischen Astronauten auf der Raumstation ISS knüpfen. Interessant sind aber auch die Funkverbindungen zu Forschungsstationen - zum Beispiel in der Antarktis", erzählt Helmut Hänsch.

Manchmal machen die Funker aus den Kontaktaufnahmen sogar richtige Wettbewerbe: Bei den Contesten geht es darum, eine möglichst hohe Anzahl Verbindungen mit Amateurfunkern in einer begrenzten Zeit herzustellen. Zu DDR-Zeiten hat Lutz Günther mal einen solchen Contest gewonnen, indem er die meisten Kontakte nach Polen in einer bestimmten Zeit aufgebaut hatte. "Doch heute ist es bei mir eher der Spaß und der Ehrgeiz, beim Funken besonders entlegene Regionen der Welt zu erreichen", sagt Lutz Günther. Und Helmut Hänsch ergänzt: "Funken ist ein sehr vielfältiges Hobby mit zahlreichen Nischen. Und wen es einmal gepackt hat, der bleibt meist auch dabei."

Zum Thema:
Weltweit gibt es knapp drei Millionen Amateurfunker. Meist sind sie über Landesverbände wie dem Deutschen Amateur Radio Club (DARC) organisiert. Zum Hoyerswerdaer DARC-Ortsverband gehören derzeit 24 Mitglieder im Alter von 30 bis über 80 Jahren. Wie bei vielen anderen Vereinen kämpfen auch die Amateurfunker mit Nachwuchsproblemen. "Dabei ist das Hobby des Amateurfunks sehr vielfältig und wird nie langweilig", sagt der Vorsitzende Helmut Hänsch. www.darc.de