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| 16:54 Uhr

Bildungsprogramm in Hoyerswerda
Stimmig durch das Leben

 Logopädin Petra Frießnegg gibt Kurse an der VHS Hoyerswerda.
Logopädin Petra Frießnegg gibt Kurse an der VHS Hoyerswerda. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Im Programm der Hoyerswerdaer Volkshochschule findet man Kurse, die aufhorchen lassen. Was auch den Titeln liegt. Von Rainer Könen

Natürlich verfolgt auch eine Volkshochschule (VHS) wie die in Hoyerswerda bei der Benennung der Kurse eine gewisse Marketingstrategie. „Wir wollen da schon neugierig machen“, erzählt Karla Kümmig, die für die Fachbereiche Gesellschaft, Kultur und Gesundheit verantwortlich ist. Denn schließlich sollen die zahlreichen Kurse in jedem Semester zahlreiche Menschen anlocken. Da braucht es immer wieder  thematisch-knackige Aufhänger, einen Titel, der nicht nur Lust zum Hingucken, sondern auch zum Mittun macht.

„Die Kurstitel sprechen wir zumeist mit den Dozenten ab“, erklärt Karla Kümmig. Form und Inhalt müssten ja übereinstimmen. Versteht man. Aber wenn bei der Planung für ein Semester KurseTitel tragen, die Kaffeefahrt-Charme versprühen, versucht man dem ein wenig entgegenzuwirken. Sofern es geht. Kurswerbung ja, aber nach Möglichkeit will man keine Seminare, die zu Irritationen führen, wie das den Kollegen der Dresdner VHS im vergangenen Jahr passierte. Die hatten in ihrem Sommerprogramm einen Kurs „Kleiderordnung im Islam“ angeboten, wo Teilnehmerinnen erfahren konnten, wie sich das anfühlt, wenn man eine Burka trägt. Der mediale Aufschrei war da groß gewesen, hatte die Dresdener VHS harsche Kritik geerntet.

Wer sich das diesjährige Frühjahrssemester-Programm der Hoyerswerdaer VHS anschaut und in dem 94-seitigen Heft herumblättert, bleibt immer wieder an Kursen hängen, die so aufmerksamkeitserregende Titel wie „Freestyle-Torten“, „Dumme Fragen gibt es nicht“ oder „Ermutigungsseminar für eine optimistische Lebensgestaltung“ haben. Und neugierig machen, wie der Kurs von Petra Frießnegg. Der sich mit einem erfüllungsverheißenden Satz irgendwie sogleich einprägt: „Wie schaffen Sie es, das Sie die ganzen Arbeitsjahre gut bei Stimme sind“ nennt der sich. Sicher, so  mancher hat sich dies bestimmt auch schon einmal gefragt, also diejenigen, die wie Verkäuferinnen oder Bankangestellte auf die Kraft einer gefühligen Stimme angewiesen sind, wie das funktionieren soll. Man kann es schaffen, erklärt Logopädin Frießnegg, die in der Hoyerswerdaer Altstadt eine Praxis betreibt. Man müsse da aber so einiges beachten. Ein von ihr geleiteter Stimmkurs im vergangenen Semester war leider nicht so frequentiert worden, wie sie sich vorgestellt hatte. „Sind nur eine Handvoll Leute gekommen“, bedauert sie. Ob es am Kurstitel lag? An dem sicher nicht. Aus Sicht der Logopädin gingen in der heutigen Zeit, in der immer mehr Menschen im Job auf ihre Stimme angewiesen seien, mit dieser leider nicht sehr sorgsam um. Vielmehr werde nach wie vor in vielen Berufen der Schwerpunkt auf fachliche Qualifikation gelegt. Was im Prinzip auch in Ordnung sei, so Frießnegg weiter. Aber mit einer wohl ausgebildeten guten Stimme sei man heutzutage erfolgreicher, meint die Logopädin. Gerade in Branchen, in denen man Kunden etwas verkaufen müsse.

Petra Frießnegg, die seit zwei Jahren Kurse in der Hoyerswerdaer VHS gibt, leitet dort auch berufliche Schulungen für Call-Center-Mitarbeiter. So auch an diesem Vormittag. Am Ende der Veranstaltung gibt es Beifall von den teilnehmenden Damen. Das tut gut, ist für sie auch ein prima Zeichen, dass hier Menschen erkannt haben, wie wichtig es ist, mit klangvollen Stimme durch ein langes Arbeitsleben zu gehen.

Fachbereichsleiterin Karla Kümmig ist froh, dass man mit Petra Frießnegg eine Dozentin gewinnen konnte, die so profund ihr Sprechtraining vermittelt. Klar, sie hat natürlich auch registriert, dass Frießneggs Kurs im vergangenen Semester nicht die erwartete Teilnehmerzahl hatte. Muss sich wohl erst herumsprechen, dass eine gute Stimme nicht nur erkannt, sondern gepflegt werden will. Wie man das macht, ist hier zu erfahren.