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Kunstgespräch zu Kunsterfahrung DDR im Kaisertrutz

Görlitz. Innerhalb der Sonderausstellung "Erfahrung DDR!" findet am Donnerstag, 19. Januar, ab 17 Uhr im Kaisertrutz ein Kunstgespräch zur Kunsterfahrung DDR! statt. red/br

In der DDR entstanden zahlreiche Kunstwerke in staatlichem Auftrag zur Ausgestaltung öffentlicher Gebäude. Viele gelangten nach 1990 in Museumsdepots. Dort werden sie bis heute aufbewahrt und zumeist nur sehr selten ausgestellt. Welche Relevanz haben diese Auftragswerke heute? Was können sie über die DDR aussagen? Haben sie einen künstlerischen oder eher einen kulturgeschichtlichen Wert?

Sammlung im Kunstfonds

Diesen Fragen geht das Kunstgespräch des Kulturhistorischen Museums Görlitz nach. Zu Gast ist Silke Wagler, Leiterin des Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, gemeinsam mit Kai Wenzel vom Kulturhistorischen Museum. Der Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen bewahrt eine der größten Sammlungen von Auftragswerken der ehemaligen DDR.

Das Gespräch findet in der Galerie der Moderne im Kaisertrutz statt, teilt Kerstin Gosewisch vom Kulturhistorischen Museum mit.

Stammtisch Erfahrung DDR

Am selben Ort, am selben Donnerstagabend, jedoch eine Stunde später, also um 18 Uhr, beginnt der Erfahrung DDR!-Stammtisch zum Thema "Früher haben wir noch zusammengehalten!"

In Gesprächen über die DDR hört man oft diesen Satz. Unterstellt man dieser Aussage bloße "Ostalgie", wird man schnell eines Besseren belehrt! Denn das sehen sowohl diejenigen so, die gut mit der DDR zurechtkamen, wie auch jene, die nichts Gutes über ihre Erfahrung DDR zu berichten haben. Bei genauerer Nachfrage stellt man aber bald fest, dass jeder der Befragten eine andere Ursache für den Zusammenhalt in der sozialistischen Gesellschaft sieht.

Die Erklärungsversuche reichen von "erzwungener Notgemeinschaft in der Mangelwirtschaft - ohne Beziehungen bist du nichts" bis hin zu "aufgrund weitgehend einheitlichen Einkommens auch sozial übergreifende und freundschaftlich verbundene Gemeinschaft - das Geld macht heute ja alles kaputt!". Manch einer spricht auch von "aufrichtiger Gemeinschaft in der erzwungenen Notgemeinschaft".

Was genau ist also 1990 passiert? Hat der kalte Arm des Kapitalismus das solidarische Gemeinschaftsgefühl der DDR-Bürger über Nacht hinfort gefegt? Oder war es doch nur der materielle Mangel, der die Menschen hat zusammenhalten lassen? Und: Gibt es diesen Zusammenhalt heute in einer vielleicht auseinanderdriftenden, egomanen und neidbestimmten Gesellschaft der Bundesrepublik wirklich nicht mehr?

Politiker am Tisch

Diesem Thema will sich der Stammtisch Erfahrung DDR! am 19. Januar nähern. Eingeladen sind Klaus Keller und Wolfgang Stiller, beide ehemals Stadträte für die Partei Die Linke, Gerd Kolley, ehemaliger Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, Ingrid Wilke, Frauenkreis der Lutherkirche, Carsten Scholz, Maler beim Gerhart-Hauptmann-Theater, und Stefan Zinnow, Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung. Der Abend wird bei Bier und anderen Getränken durch den Leiter des Görlitzer Museums, Jasper von Richthofen, moderiert. Was ist Ihre Erfahrung DDR?

Nächste Termine

Beim nächsten Stammtischgespräch am 16. Februar geht es um "Subbotnik und gesellschaftliches Engagement". "Denkmalpflege in der DDR" ist das Thema der Podiumsdiskussion con moto am 23. Januar, 18 Uhr, im Kaisertrutz.

Angebote für Schüler

Bereits am 8. und am 9. Februar, jeweils 9, 11 und 14 Uhr sind Oberschüler und Gymnasiasten ab Klasse 9 mit ihren Lehrern zu einer historischen Unterrichtsstunde eingeladen. "Zivilcourage - Heimatkunde 1985" ist ein deutschlandweit einmaliges Angebot des Schulmuseums Leipzig. Dieser Unterricht findet ebenfalls im Görlitzer Kaisertrutz statt.