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| 19:49 Uhr

Hoyerswerda
Umjubelter Gundermann-Abend

Drei Mann für Gundermann: Axel Prahl, Nicolai Ziel und Andreas Dresen auf der Bühne der Kulturfabrik in Hoyerswerda.
Drei Mann für Gundermann: Axel Prahl, Nicolai Ziel und Andreas Dresen auf der Bühne der Kulturfabrik in Hoyerswerda. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Gerhard Gundermann, ganz eng verbunden mit Hoyerswerda, hat in diesem Jahr 20. Todestag. Anlässlich dieses Jubiläums ist ein Film über den „Singenden Baggerfahrer“ entstanden. Regisseur: Andreas Dresen. Doch dieser Dresen kann mehr - singen zum Beispiel. Gemeinsam mit Axel Prahl hat er die Kulturfabrik zum Beben gebracht. Von Katrin Demczenko

Gerhard „Gundi“ Gundermann, der 1998 mit nur 43 Jahren starb, gilt als Liedermacher und Bergmann. Er beschreibt in seinen Songs eigene Beobachtungen aus diesen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, goss den Niedergang der DDR, die Probleme der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung und ein Nachdenken über das Leben selbst in seine ureigene Poesie. Widersprüchlich war Gundermann, gehörte der SED an und wurde später von den Genossen wegen eigenständigen Denkens ausgeschlossen. Einige Jahre war er inoffizieller Mitarbeiter der Stasi und stieg schließlich Mitte der 1980er-Jahre doch aus. Fast 20 Jahre lang hat er als Baggerfahrer Braunkohle aus der Erde geholt und erkannte doch die Umweltzerstörung, die damit verbunden war.

All diese Konflikte will Andreas Dresen in seinem Film darstellen, den er jetzt über den Liedermacher dreht. Im Saal der Kulturfabrik (Kufa) Hoyerswerda erzählte er am vergangenen Samstag davon. Von Oktober bis Dezember drehte das Team in ganz Deutschland. Der Tagebau Nochten und das Freilichtmuseum Ferropolis bei Gräfenhainichen, in dem Tagebaugroßgeräte die Geschichte des ostdeutschen Braunkohlebergbaus erzählen, machen die Arbeitswelt von Gerhard Gundermann lebendig. Noch unsanierte Häuser in Halle-Neustadt spiegeln das Hoyerswerda der 1980er-Jahre wieder. In Köln und Gelsenkirchen wurde das Milieu alter Bergarbeitersiedlungen eingefangen, erzählte Dresen. Der Film hat am 23. August Kinostart, und um diese Zeit wird er auch in Hoyerswerda und anderen Lausitzer Orten seine Aufführung erleben.

Doch jetzt sang erst einmal die Band um Axel Prahl und Andreas Dresen im Kufa-Saal, wo auch Gundi Mitte der 1990er-Jahre aufgetreten war, dessen immer noch aktuelle Lieder. Der singende Filmemacher Andreas Dresen und der Schauspieler Axel Prahl erreichten die vielen Fans aus Hoyerswerda, Kamenz und sogar Lübbenau schnell mit „Schwarze Galeere“, „Gras“ und „Brunhilde“. Der aus Ost-Holstein stammende Axel Prahl interpretierte den Titel „Zweitbester Sommer“, der zurückführte in das Jahr 1997. Gundermann hatte seine Arbeit im Tagebau verloren und konnte nicht mehr im eintönigen Krach des Baggers Texte ersinnen. Der in der DDR geborene Andreas Dresen stellte seinen Lieblingssong des Liedermachers „Kommen und Gehen“ vor, in dem das Sterben im Mittelpunkt steht.

Beide Filmschaffende spielten auch eigene Titel und der Gitarrist Jürgen Ehle von Pankow erinnerte musikalisch an Wolf Maahn und Rio Reiser. Gundis Lied „Alle oder keiner“ bildete den Abschluss des Programms.

Nach mehreren bejubelten Zugaben sagte die Konzertbesucherin Kerstin Winkler aus Lübbenau glücklich: „Das ist Kultur von uns.“ Sie ist schon neugierig darauf, welchen Blick der Film auf den ostdeutschen Liedermacher finden wird.