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| 18:00 Uhr

Gedenkstätte Bautzen
Neue Exposition in Bautzen II verzögert sich

Die Gedenkstätte Bautzen gilt als einer der wichtigsten sächsischen Erinnerungsorte an die Diktaturen zwischen 1933 und 1989.
Die Gedenkstätte Bautzen gilt als einer der wichtigsten sächsischen Erinnerungsorte an die Diktaturen zwischen 1933 und 1989. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Die Querelen um die Dauerausstellung zur NS-Zeit in der Gedenkstätte Bautzen reißen nicht ab, die Vorwürfe auch nicht. Jetzt muss die Eröffnung verschoben werden. Von Uwe Menschner

Die neu gestaltete Dauerausstellung „Bautzen I und II im Nationalsozialismus. 1933-1945“ wird voraussichtlich im April oder im Mai 2018 eingeweiht. Dies geht aus der Antwort der sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD), auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Claudia Maicher hervor.

Die Ausstellung zur NS-Zeit soll die bereits vorhandenen Ausstellungsteile zum sowjetischen Speziallager (1945 bis 1956) und zum Stasi-Gefängnis (1956 bis 1989) ergänzen. Der ursprünglich angestrebte Eröffnungstermin war bereits um ein Jahr auf den 27. Januar 2018 verschoben worden – den deutschlandweit begangenen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und somit zweifellos ein höchst passendes Datum.

Dass dieser Termin nicht gehalten werden kann und noch kein konkretes neues Datum feststeht, stellt für die Grünen-Abgeordnete Maicher ein Unding dar: „Obwohl alle Voraussetzungen gegeben sein sollen, hat die Stiftung noch keine Vorstellung zur Eröffnung. Das pädagogische Begleitmaterial, ein wesentliches Element der Ausstellung, soll gar erst nach der Eröffnung erstellt werden. Die Ausstellung wird also weder fertig sein, noch ist eine qualitative Begleitung gesichert. Dieses Vorgehen ist angesichts der Bedeutung der Ausstellung für die Stiftung als Ganzes und die Erinnerungskultur in Sachsen fatal.“

Ministerin Stange macht hingegen rein sachliche Gründe für die Verzögerung verantwortlich. Sie erklärt: „Dem Gestalterbüro konnten erst zum Jahresende 2017 die für die Gestaltung der Ausstellung maßgeblichen Inhalte zugeleitet werden. Darüber hinaus entstanden bei den erforderlichen Baumaßnahmen Verzögerungen.“

Die Erweiterung der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Bautzen um den Themenbereich „Bautzen I und II im Nationalsozialismus. 1933 bis 1945“ werde als Projekt durch Bund und Freistaat Sachsen finanziert. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten habe die Verlängerung des Bewilligungszeitraums vom 31. Dezember 2017 auf den 30. Juni 2018 beantragt. Die Kosten belaufen sich demnach unverändert auf 650 000 Euro.

Die gegenwärtige Auseinandersetzung reiht sich ein in eine lange Kette von Vorwürfen der Landtagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Linken gegen die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und insbesondere deren Geschäftsführer Siegfried Reiprich. Den Grund bildet die vermeintlich einseitige Ausrichtung der Stiftungsarbeit auf die DDR-Zeit, wobei die Zeit des Nationalsozialismus unterbelichtet bleibe. Reiprich hatte diese Vorwürfe stets zurückgewiesen und dabei auf die neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Bautzen verwiesen.

Auch jetzt steht der Geschäftsführer wieder im Fokus der Kritik: „Statt die Vervollständigung der Gedenkstätte mit aller Kraft zu unterstützen, bremst Siegfried Reiprich die Wirkungskraft des Erinnerungsortes durch halbgare Lösungen und unklare Planungen aus“, wie Claudia Maicher beklagt.