| 09:36 Uhr

Stadtbibliothek
Raffinierter Mord gegen detailreiches Blutbad

Bereit für das Duell: Annekathrin Trojahn (links) und Heidelinde Stoermer (rechts) lieferten sich ein unterhaltsames Bücherduell in der Hoyerswerda Bibliothek. Uwe Schulz als Moderator musste schlichten und am Ende entscheiden. Foto: Anja Guhlan
Bereit für das Duell: Annekathrin Trojahn (links) und Heidelinde Stoermer (rechts) lieferten sich ein unterhaltsames Bücherduell in der Hoyerswerda Bibliothek. Uwe Schulz als Moderator musste schlichten und am Ende entscheiden. Foto: Anja Guhlan FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Hoyerswerda. Eine dunkle Bibliothek, zwei kampfeslustige Duellantinnen, verschiedene Krimibuchtitel und ein moderierender Schiedsrichter – mehr hat das gelungene Bücherduell am Donnerstagabend in der Hoyerswerdaer Brigitte-Reimann-Bibliothek nicht gebraucht. Von Anja Guhlan

Die Bibliothekschefin Annekathrin Trojahn und ihre Mitarbeiterin Heidelinde Stoermer haben in anderthalb Stunden gezeigt, wie ein richtiges Duell funktioniert. „Dieses Duell wird auf jeden Fall spannender als das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz“, verspricht Moderator Uwe Schulz gleich zu Beginn. Er war als Schlichter und Schiedsrichter engagiert worden. Und tatsächlich: Die beiden Krimi-Fans lieferten sich ein unterhaltsames und kämpferisches Duell.

Während Heidelinde Stoermer mit einem Bücherstapel bewaffnet antrat, schwört Annekathrin Trojahn mit ihrem E-Book auf die Technik. „Ganz schön großer Bücherstapel“, greift Trojahn verbal an, während sie beginnt, den ersten Auszug aus dem Krimi „Death Call“ von Chris Carter zu lesen. Los geht es mit einer spielerischen und durchtriebenen Morddrohung. Das Publikum hört gespannt zu. Heidelinde Stoermer kontert mit dem Krimi „Töte mich zuerst“ von Kate Morgenroth. Auch ein perfides Mordspiel, aber mit einer behutsameren Herangehensweise.

Jede Duellantin hat genau sieben „Schüsse“. Während sich Annekathrin Trojahns Taktik  einzig und allein auf den Krimi von Chris Carter stützt, wählt Stoermer sieben verschiedene Titel aus. Mal amüsant, mal spannend, mal heiter und mal subtil. Egal, welche von ihnen liest: Die Zuhörer lauschen gespannt.

Bei Annekathrin Trojahn kommt der Krimi sehr detaillreich, blutrünstig, perfide und – wie sie es selbst beschreibt – „sehr real surreal“ herüber. Heidelinde Stoermer mag es hingegen weniger blutrünstig, dafür mehr subtiler, wortwitziger und um die Ecke gedacht.

Auch die Waffenwahl sorgt nochmals für einen unterhaltsamen Schlagabtausch. 200 Gramm E-Book gegen anderthalb Kilo bedrucktes Papier. Technik gegen Analog. „Dein Bücherregal zu Hause mag aber traurig aussehen“, greift Stoermer ihre Gegnerin an. „Dafür ist mein Urlaubskoffer leichter. Und ich habe beim Lesen stets Licht“, verteidigt sich Trojahn. „Und wenn die Technik versagt, habe ich noch mein Buch“, entgegnet Stoermer wieder.

Am Ende gibt es ein Unentschieden. Beide Frauen haben jeweils Vor- und Nachteile ihres „Endgerätes“ aufgezeigt. Auch spannende Krimis haben beide ausgewählt. Bärbel Pötzsch aus Hoyerswerda fühlt sich unterhalten. „Ich tendiere zwar leicht zu den Krimis von Heidelinde Stoermer, aber am Ende habe ich hier heute ein spannendes Bücherduell erlebt, das nach einer Wiederholung ruft. Ich würde mir dann nur mal ein anderes Genre wünschen“, sagt die 66-Jährige.

Auch Steffi Schulz aus Kamenz hat das Bücherduell gefallen: „Ich konnte hier heute einige schöne Tipps mitnehmen. Auf jeden Fall werde ich mich auch mal dem Krimiautor Chris Carter widmen. Die Auszüge haben mir sehr gefallen. Ich könnte mir auch eine Wiederholung vorstellen, aber bitte wieder mit Krimis“, so die 29-Jährige.

Ob es tatsächlich eine neue Auflage des Bücherduells geben wird, wissen die beiden Bibliothekarinnen noch nicht genau. „Einige Ideen schlummern da zwar, aber das muss noch entschieden werden“, sagt Annekathrin Trojahn.