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| 13:01 Uhr

Interview mit Michael Kruscha
„Die sind ohne Ecken und Kanten, total langweilig“

Auf Bushaltestellen wie diese im Hoyerswerdaer Industriegebiet wird der Blick bei der nächsten Kunstraum-ausstellung in der Kulturfabrik gerichtet.
Auf Bushaltestellen wie diese im Hoyerswerdaer Industriegebiet wird der Blick bei der nächsten Kunstraum-ausstellung in der Kulturfabrik gerichtet. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. In der Kunstraum-Ausstellung am 9. März in der KuFa wird Michael Kruscha Bushaltestellen in den Focus stellen. Was er an diesen faszinierend findet, erklärt der Maler und Fotograf im RUNDSCHAU-Interview.

In der Kunstraum-Ausstellung ab 9. März in der KuFa wird Michael Kruscha Bushaltestellen in den Focus stellen. Was er an diesen faszinierend findet, erklärt der Maler und Fotograf im RUNDSCHAU-Interview.

Die von Ihnen kuratierten und organisierten Kunstraum-Ausstellungen in der KulturFabrik ziehen seit geraumer Zeit viele Besucher ins Bürgerzentrum. Woran liegt das?

Michael Kruscha: Es gab für den Bereich der zeitgenössischen Kunst hier zweifellos eine Lücke, die das neue Gebäude mit seinen Möglichkeiten füllen konnte. Dazu kommt sicher noch die Aufgeschlossenheit der KuFa-Organisatoren zum Konzept der neuen eigenständigen Veranstaltungssäule, Kontinuität, Qualität und vielleicht (lacht) ein bisschen das Engagement des Machers.

Sie sind gebürtiger Hoyerswerdaer, arbeiten als Maler und Fotograf, leben in Berlin und haben daher einen ganz anderen Blick auf die Stadt als die hier Lebenden. Wie sehen Sie Ihre Heimatstadt aus der Ferne, wie betrachten Sie die kulturelle Entwicklung hier?

Kruscha: Was die Zukunft angeht, bleiben schon Fragen. Etwa wie sich die Region entwickeln und sich die Stadt profilieren wird. Um die Jugend an die Stadt zu binden, braucht es sicher Visionen. Die Kulturarbeit in Hoyerswerda ist im Verhältnis zu anderen Städten dieser Größe eine Botschaft und wird über die Stadtgrenzen hinaus positiv wahrgenommen. Sie zieht Besucher an und davon kann auch vieles andere profitieren.

Jüngst wurde Ihr Bildband beim Deutschen Fotobuchpreis 2018 mit Bronze ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stehen  Bushaltestellen in menschenleeren Gegenden. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Kruscha: Als ich Bushaltestellen in wüstenartigen und abgelegenen Gegenden wie im Jemen und Oman sah, wurde mir klar, dass daraus eine Serie entstehen könnte. Dass es dann zwölf Jahre für dieses Buch brauchte, war nicht klar, aber durch diese lange Zeit gab es auch viele neue persönliche Erkenntnisse.

Haben Sie in dem Bildband auch Bushaltestellen aus Hoyerswerda und Umgebung aufgenommen?

Kruscha: Ja, eine am Bernsteinsee im Winter und eine im alten Industriegelände, die es aber schon lange nicht mehr gibt.

Welchen Eindruck machen die hiesigen Bushaltestellen auf Sie?

Kruscha: Diese Thematik ist für mich abgeschlossen. Ab und an schaue ich mir beim Reisen natürlich noch die eine oder andere skurrile Haltestelle an. Die schönen alten Busstops in unserer Region sind mittlerweile abgerissen und durch industriell vorgefertigte ersetzt worden. Diese sind langweilig, haben keine Ecken und Kanten mehr, sind nur Werbetafeln.

 Was symbolisiert eine Bushaltestelle für Sie?

Kruscha: Es sind Orte, von denen aus sich alles ändern könnte -– Aufbruch, Anfang, Abenteuer.

 In der nächsten Kunstraum-Ausstellung – die Vernissage ist am 9. März um 19.30 Uhr – steht Architektur im Mittelpunkt. Neben der klassischen Moderne, die Jean Molitor präsentiert, zeigen Sie Bushaltestellen. Welche Eindrücke sollen die Besucher mit nach Hause nehmen?

Kruscha: Vielleicht, dass die Welt in diesem Bereich so einiges zu bieten hat und dass man beim Reisen einiges entdecken kann.

 Mit Michael Kruscha sprach
Rainer Könen