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| 13:29 Uhr

Fotografie-Ausstellung
Bilder von Weltenbummlern

Katrin Ullrich, Georg Vesper, Jürgen Oehme betrachten die Bilder in der neuen Kunstraum-Ausstellung.
Katrin Ullrich, Georg Vesper, Jürgen Oehme betrachten die Bilder in der neuen Kunstraum-Ausstellung. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda . Michael Kruscha und Jean Molitor zeigen im Bürgerzentrum Braugasse 1 zwei Fotoserien. Von Katrin Demczenko

In aller Welt sind die Berliner Künstler Michael Kruscha und Jean Molitor unterwegs gewesen. Zwei Fotoserien, die dabei entstanden sind, sind jezt im Bürgerzentrum Braugasse 1 innerhalb der Ausstellungsreihe „Kunstraum“ der Kulturfabrik Hoyerswerda zu sehen. Bis zum 6. Mai läuft die Ausstellung in Hoyerswerda.

Zur Vernissage sind viele Hobbyfotografen sowie kunstliebendes Publikum gekommen. Florian Ziesche unterhielt sie mit futuristischen Klängen auf seiner Elektrogitarre und das war genau die Musik, die sich die Hoyerswerdaer Architektin Dorit Baumeister als Einleitung für ihre Laudatio gewünscht hatte. Sie erklärte, dass Jean Molitor im Bauhausstil errichtete Gebäude in Guatemala, Kuba, Russland, in Gera und Berlin ausfindig gemacht und fotografiert hat. Da auch Hoyerswerda-Neustadt im Stil der klassischen Moderne erbaut wurde, gehört ein Haus aus dem Wohnkomplex 1 in seine Fotoserie. Diese neue Architektur der klaren Linien hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland entwickelt. In Weimar gründete der Architekt Walter Gropuis 1919 das erste Bauhaus und in den 1920er- und 1930er-Jahren verbreitete sich dieser Baustil weltweit. Jean Molitor dokumentiert solche Gebäude in seiner Fotoserie. Wenn 100 Jahre Bauhaus und die Auswirkungen dieser vorrangig an der Funktion orientierten Art des Bauens bis zur Gegenwart im nächsten Jahr gefeiert werden, gestaltet er in Berlin eine große Ausstellung mit seinen schwarz-weißen Fotos.

Michael Kruscha war von 2003 bis 2015 immer wieder in Südafrika, Marokko, China und Europa unterwegs, um so etwas Profanes wie Buswartehäuschen fotografisch festzuhalten. Jedes Land nimmt diese alltäglichen Orte unterschiedlich wichtig und so zeigen seine Bilder einfache Blechhütten, standardisierte Bauten, auch in Hoyerswerda, und aufwendig im orientalischen Stil errichtete BusStops, so Dorit Baumeister in ihrer Laudatio. Michael Kruscha fotografierte in Farbe stets einzeln stehende Objekte in einsamen Gegenden und Wüsten, um dem Phänomen Zeit auf die Spur zu kommen. „Das Buswartehäuschen steht für Beschleunigung, die Natur für Entschleunigung“ so der Künstler.

Michael Kruscha und Jean Molitor haben die Objekte zum alleinigen Mittelpunkt ihrer Fotos gemacht, damit die Betrachter durch nichts davon ablenkt sind. Für künstlerische Spannung beim Betrachten der Aufnahmen, die so unterschiedliche Fotomotive zeigen, ist also gesorgt.

Mitglieder der Fotogruppe des Nachbarschaftshilfevereins haben sich in der Ausstellung Anregungen für die eigene Arbeit geholt. Ihr Leiter Georg Vesper erklärte seinen Mitstreitern, dass sie hier den Umgang mit Linien studieren können, die den Blick des Betrachters führen. Monika Weist vom Kulturbund Hoyerswerda hatte einige Bus-Stop-Fotos wiedererkannt, weil die KuFa diese schon 2015 in einer Miniausstellung gezeigt hatte. „Die Häuschen sind verrückt, einfach und schön“, fasst sie zusammen und lobt Michael Kruscha dafür, dass er in der Wildnis „wegen dem Unscheinbaren“ angehalten hat.