Der ehemalige Betriebsleiter der Fertigungsstätte in Bernsdorf (Landkreis Kamenz) lacht. „Davon gab's zwar auch hier einige“ , erinnert sich Horst Schuster. „Aber die waren ziemlich teuer.“ Dr. Hans-Joachim Jeschke, der ehemalige Kombinatsdirektor des DDR-Chemie-Riesen, kann das nur bestätigen: „430 Mark. Das war mir zu fett. Ein Garten-Ei haben wir deshalb nie besessen.“ Der Preis war in den 70er-Jahren übrigens etwa so hoch wie das ganze Monatsgehalt eines kleinen Angestellten.
Eines der überaus praktischen Sitz-Möbel hat Silvia Zinke, die in der BASF Schwarzheide die Archiv-Schätze hütet, noch vom Sperrmüll gerettet. „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich das Garten-Ei in der Stadt am Straßenrand zur Entsorgung abgestellt gesehen habe“ , erzählt sie schmunzelnd. Logisch, dass sie das seltene Exemplar unverzüglich vor dem Äußersten bewahrte. „Es hat etwas gelitten“ , sagt Silvia Zinke. „Aber wir werden es restaurieren lassen“ , kündigt die Archivarin an. Für die Nachwelt ist das zweifellos interessant. Denn die Garten-Eier, die 1973 entworfen wurden und auch heute wieder in jedem berühmten Schweden-Möbelhaus reißenden Absatz finden könnten, sind ein Stück Schwarzheider Chemie-Geschichte.
„Die Sessel haben wir auch ans Fernsehen geliefert“ , erzählt Horst Schuster. „Erst unlängst habe ich sie in einer Sendung wieder gesehen.“ Die DEFA-Studios in Berlin-Adlershof haben also schon so manchen mehr oder weniger berühmten Gesprächspartner auf dem Polyurethan-Sitz vor der Mattscheibe platziert. Das „Ideale an der Erfindung war, dass die mit Schaumstoff bequem gepolsterten Kunststoff-Schalen einfach zusammenzuklappen waren und deshalb auch bei Regen im Garten stehen bleiben konnten. Ohne Schaden zu nehmen“ , erklärt Dr. Hans-Joachim Jeschke. „Deshalb wurden sie Garten-Eier genannt.“
Achim Diener, langjähriger technischer Direktor und Ende der 90er-Jahre aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden, erklärt leicht verdutzt: „Ja, wir haben ein Garten-Ei.“ Allerdings muss der Welzower einräumen, es inzwischen artfremd auf dem eigenen Grundstück eingesetzt zu haben. „Es ist geteilt und bepflanzt, also als Zeitzeuge gänzlich ungeeignet“ , sagt er mit leicht bedauerndem Unterton. Ja, wer konnte auch ahnen, dass die Garten-Eier mal Kult sein würden.
Ärger hatten die Produktionsarbeiter damit seinerzeit genug, weiß Hans-Joachim Jeschke noch genau. „Die Lackierung war das Problem“ , erinnert er sich. Die hochwertige Polyurethan-Versiegelung bildete öfter kleine Löcher. Die Kunststoff-Sessel mussten dann aufwändig - oft mehrmals - geschliffen werden. „Nach gut zwei Jahren wurde die Produktion deshalb eingestellt“ , berichtet Jeschke. „Vor ein paar Jahren ist mir dann erzählt worden, dass ein Berliner Antikhandel unser Garten-Ei für 1200 Mark angeboten hat“ , fügt er hinzu.