Gut elf Kilometer liegen zwischen Hoyerswerda und Spremberg. So kurz war einst die Distanz zwischen beiden Städten über die Fernverkehrsstraße 97. Meist schnurgerade führte sie bis in die 1960er-Jahre von Süd nach Nord. Heute ist die Distanz zwischen der Elster- und der Spreestadt etwa doppelt so lang. Denn die jetzige Bundesstraße 97 verläuft in einem weiten Bogen östlich am ehemaligen Tagebau Spreetal-Nordost, dem heutigen Spreetaler See, vorbei. Ein 300 Meter langer Abschnitt direkt oberhalb des Gewässers ist sogar auf 30 Stundenkilometer herabgebremst, da die Trasse dort über ungesichertes Kippenland verläuft.

Jetzt werden Stimmen laut, die nach dem Ende der bergmännischen Sanierung in diesem Gebiet eine Rückverlegung der vielbefahrenen Bundesstraße anregen. Beispielsweise der sächsische Landtagsabgeordnete und Verkehrsexperte Thomas Baum (SPD). Vor ein paar Wochen hatte in seinem Büro der Spremberger Pascal Schierz die Idee vorgestellt. Anlass bildete die rutschungsgefährdete Tempo-30-Zone am Spreetaler See. In diesem konkreten Bereich schließen die Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Gesellschaft mbH (LMBV) eine Umverlegung der Straße nicht aus. Ob eine Rückverlegung der kompletten Straße Hoyerswerda – Spremberg realistisch ist, könne die LMBV indes gegenwärtig nicht beantworten. „Ohne fachliche Untersuchungen ist die Lage derzeit nicht einschätzbar“, erklärt Sprecher Uwe Steinhuber.

„Ich finde die Idee zur Neutrassierung und damit zur Verkürzung der B 97 berechtigt und überlegenswert“, kommentiert Thomas Baum. Mehr noch: „Die derzeitige Linie ist deutlich länger und muss sowieso in Abschnitten saniert werden.“ Ob letztendlich eine Verlegung auf die alte Trasse machbar und wirtschaftlich ist, müssen die Fachbehörden in Sachsen und Brandenburg prüfen. Aber ich würde dies eindeutig befürworten.“

Nicht zuletzt sei eine Verkürzung nicht nur für die B 97 zwischen Hoyerswerda und Spremberg ein Thema. Auch die B 156 zwischen Boxberg und Weißwasser muss seit Beginn der 1990er-Jahre in einem weiten Bogen Bergbaugebiet umgehen, in diesem Fall den Tagebau Nochten. Die Leag als Bergbautreibender ist ohnehin auf Grundlage des Braunkohlenplans verpflichtet, die alte Trasse der B 156 freizuhalten, informiert Sprecherin Kathi Gerstner. „Dieser Vorgabe kommen wir nach, indem wir einen Hauptwirtschaftsweg angelegt haben.“

Im sächsischen Verkehrsministerium stehen derzeit Rückverlegungen der B 97 und der B 156 nicht zur Diskussion. „Es handelt sich um Straßen des Bundes und Maßnahmen, die derzeit nicht im Bundesverkehrswegeplan verankert sind. Damit besteht kein Planungsrecht“, stellt Referentin Kathleen Brühl klar. Die Ministeriumssprecherin weist darauf hin, dass eine Rückverlegung der B 97 einen Verlauf über die Spreetaler Innenkippen mit aufwendiger Verdichtung und Querung von Flächen des Naturschutzgroßprojektes Lausitzer Seenland bedeuten würde. Zudem sei die bestehende B 97 gut und bedarfsgerecht ausgebaut. „Eine mögliche Reisezeiteinsparung im unteren einstelligen Minutenbereich rechtfertigt nicht die erheblichen Investitionen“, sagt Brühl weiter.

Auch für die Rückverlegung der B 156 zwischen Boxberg und Weißwasser macht das Verkehrsministerium aktuell wenig Hoffnung. Denn diese Trasse würde einerseits den noch in Betrieb befindlichen Tagebau Nochten queren und andererseits über den dortigen Truppenübungsplatz führen. „Damit besteht derzeit keine sinnvolle Möglichkeit für eine Rückverlegung“, sagt Kathleen Brühl.

Thomas Baum sieht zumindest für diese Verbindung einen Hoffnungsschimmer. Denn der Abgeordnete hatte bereits im vergangenen Jahr die Idee der Nordverlängerung der B 178n, also von der A 4 bei Weißenberg bis zur A 15 östlich von Cottbus, entwickelt. Dazu ist laut Baum derzeit eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, deren Ergebnisse bis zum Sommer vorliegen sollen. „Ich gehe aber davon aus, dass eine solche neue Trasse von Südosten kommend einen Teil der jetzigen B 156 aufgreift und um Weißwasser herumgeführt wird. Insofern wäre hier eine Rückverlegung zwischen Nochten und Weißwasser ohnehin obsolet.“