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| 18:20 Uhr

Gastronomie
Küchencheck: Wie regional sind die Zutaten in Gaststätten?

Alles für die Region: Im „Haus des Müllers“ in Schwarzkollm werden von Nadine Paula und ihren Kollegen viele regionale Gerichte wie der Tafelspitz mit Meerrettichsauce serviert.
Alles für die Region: Im „Haus des Müllers“ in Schwarzkollm werden von Nadine Paula und ihren Kollegen viele regionale Gerichte wie der Tafelspitz mit Meerrettichsauce serviert. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Immer mehr Gaststätten bieten regionale Gerichte an. Es kommt auf den Tisch, was auch in der Region wächst und produziert wird. Von Anja Guhlan

Einfach, bodenständig und lecker. Das ist die Lausitzer Küche.  Doch werden in den Gaststätten und Gasthöfen der Region auch wirklich regionale Gerichte angeboten? Der Küchencheck der RUNDSCHAU zeigt, dass immer mehr gastronomische Einrichtungen sich auf  Regionales konzentrieren. Gastwirte wollen ein hervorragendes kulinarisches Angebot bieten, das möglichst aus heimischen Produkten besteht.

Das „Haus des Müllers“ an der Krabatmühle in Schwarzkollm hat sich seit seiner Eröffnung vor anderthalb Jahren ganz der sorbischen Küche verschrieben. „Wir bieten ausschließlich eine sorbische, regionale Küche an“, sagt der Geschäftsführer der Krabatmühle, Tobias Zschieschick. So finden Gäste unter anderem in Rinderbrühe gegarten Tafelspitz mit geröstetem Buchweizen, sächsische Rinderroulade mit Apfelrotkohl und Kartoffelklöße oder Kass­lerlachs mit Meerrettichsauce und  Kartoffel-Gurken-Salat auf der Karte.

„Viele der Zutaten stammen aus der Region. Buchweizen bekommen wir von einem Bauern in der Region,  Meerrettich und Gurken stammen aus dem Spreewald, der Senf für das Bestreichen der Rouladen aus Bautzen und das Rind vom heimischen Jäger“, zählt der Küchenchef im „Haus des Müllers“ auf. Gerade beim Kasslerlachs erhält das Gericht durch den Spreewälder Meerrettich erst seinen pikanten Geschmack.  Er als Koch würde eigentlich auch die Hochzeitssuppe mit Eierstich anbieten, da aber sorbische Hochzeitssuppe traditionell mit Eierflocken zubereitet wird, steht eben beides auf der Karte.

Beliebt bei den Sorben ist auch das Leinöl, was direkt aus der Lausitzer Ölmühe in Hoyerswerda stammt. Es ist reich an Vitamin E und man kann es wunderbar zu Kartoffeln und Quark essen. „Der Quark stammt übrigens aus Kotten“, ergänzt der Küchenchef und deutet auf ein weiteres regionales Produkt hin.

Auch die  „Sorbenscheune“ in Neustadt/Spree bezeichnet sich als Gaststätte mit regionaler Küche. Auf der Speisekarte stehen unter anderem die sorbische Hochzeitssuppe, der Specksalat, Quark mit Leinöl, Brotsuppe oder Rindfleisch mit Meerrettich. „Wir versuchen, was geht aus der Region zu beziehen, greifen aber auch auf Produkte aus dem Großmarkt zurück. Zum Beispiel kaufen wir Gemüse beim Großhandel ein. Am Ende ist es immer auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, sagt die Inhaberin. „Am Ende gibt es auch viel zu wenig regionale Produzenten direkt vor der Tür“, bedauert sie.

Claudia Graf, die seit acht Jahren das Restaurant „Zur Grafschaft“ im idyllischen Neudorf-Klösterlich bei Wittichenau betreibt, setzt ebenfalls auf regionale Produkte. „Auf unserer Speisekarte finden Gäste Spezialitäten aus der Lausitz. Unsere Küche ist regional, bodenständig und ehrlich“, sagt Claudia Graf. So kommen Molkereiprodukte und Kartoffeln direkt von der MKH aus Kotten und der Karpfen sowie anderer Fisch direkt aus Teichwirtschaften der Umgebung.   Der frisch gebratene Karpfen mit Apfelrotkohl und Petersilienkartoffeln geht wohl am besten. Dazu ein Wittichenauer Bier oder einer der Lausitzer Säfte.

„Wir legen viel Wert auf regionale Produkte und wollen damit auch regionale Produzenten unterstützen. Unternehmen in der Region sollten sich gegenseitig stützen und tragen und somit die Region fördern“, appelliert Claudia Graf. Sie selbst stelle auch Kellner direkt aus der  Region ein. „Wir sollten die jungen Menschen auch zum Bleiben animieren“, sagt sie. Die regionalen Gerichte sind im Vergleich zu überregionalen Gerichten auch nicht teurer, sagt Claudia Graf.

„Gäste zahlen für gute Qualität aber auch sehr gerne“, erzählt sie weiter. Die Gastronomin will in jedem Fall weiterhin regionale Küche anbieten und die Lausitzer Region damit unterstützen. Essen mit Mehrwert sozusagen.