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Kuchen backen hilft beim Deutsch lernen

Beim Sprachcafé in Hoyerswerda übt Ilona Fehér mit jungen Flüchtlingen die deutschen Begriffe für auf Karten abgebildete Tiere.
Beim Sprachcafé in Hoyerswerda übt Ilona Fehér mit jungen Flüchtlingen die deutschen Begriffe für auf Karten abgebildete Tiere. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Wenn im Jugendklubhaus "Ossi" herrliche Düfte aus dem Backofen durch die Räume ziehen, dann geht es nicht nur darum, etwas Leckeres zu Essen herzustellen. Nein, die gemeinsamen Backnachmittage sind für Belal Ola aus Syrien und andere Asylbewerberinnen aus Hoyerswerdas Unterkünften viel mehr. Katrin Demczenko / dcz1

"Wir üben dabei die Worte wie Mehl, Butter oder Zucker und ihre Aussprache", erzählt Cindy Paulick, Lokalkoordinatorin für das Projekt SAMO.FA., was für das Wortungetüm Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit steht. Das Projekt wird in Hoyerswerda durch die RAA mit Leben erfüllt.

Beim gemeinsamen Arbeiten geht vieles leichter. Das findet auch die Syrerin Belal Ola, die seit einem Jahr in Deutschland lebt und am vergangenen Sonnabend auch zum zweiten Sprach-Café ins "Ossi" gekommen ist. Gemeinsam mit der ehrenamtlichen SAMO.FA-Helferin Naima Ehlouzi aus Marokko, die seit 2004 in Hoyerswerda wohnt, übt sie die Aussprache der Buchstaben des deutschen Alphabets. Für die Syrerin ist das Sprachcafe eine gute Ergänzung zu dem Deutschkurs, den sie gerade besucht. Sie nutzt jede Möglichkeit, um besser sprechen zu lernen.

Ein Migranten-Stammtisch in Hoyerswerda verbindet seit 2016 länger hier lebende ausländische Mitbürger und erst kürzlich hier angekommene Geflüchtete. Zusammen haben sie nach dem erfolgreichen ersten Sprachcafé im Jugendclubhaus im November nun ein zweites organisiert. Asylbewerberinnen steuern selbstgebackenen Kuchen nach Rezepten aus ihren Heimatländern für die etwa 80 Besucher bei.

Cindy Paulick hat für den Migranten-Stammtisch noch andere Ideen als das Back- und Sprachtraining. Vielleicht lässt sich daraus ein Mutter-Kind-Kreis entwickeln, bei dem die Frauen Informationen zu den Themen Kindergarten und Schule bekommen.

Ilona Fehèr von der Hoyerswerdaer Außenstelle der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH Bautzen betreut am Samstag den Tisch mit der großen Weltkarte, auf der jeder Teilnehmer sein Herkunftsland mit dem deutschen Namen und der Landesfahne kennzeichnen kann. Afghanistan, Eritrea, Syrien und andere Länder sind markiert und Ilona Fehèr meinte dazu: "So bunt ist das hier." Sie hilft vor allem unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern beim Einleben und sucht immer noch deutsche Jugendlichen für das interkulturelle Projekt "AkzepTanz". Die jungen Teilnehmer sollen eine Bühnenshow erarbeiten und dabei ihre unterschiedlichen Lebenswelten als bereicherndes Element erfahren, erklärt Ilona Fehèr. "Leider gibt es auf deutscher Seite für das Projekt noch viele Berührungsängste. Die müssen wir abbauen helfen", sagt sie.

Das Ehepaar Poka aus Ruhland hat solche Berührungsängste nicht. Die Beiden gehen schon länger auf Menschen aus anderen Kulturkreisen zu. Sie haben aus ihrer christlichen Grundhaltung heraus Senait aus Eritrea als Pflegekind aufgenommen, sagte Udo Poka. Zum Sprachcafé in Hoyerswerda waren sie gekommen, damit Senait Kontakte zu Landsleuten aus Eritrea halten kann und ihre Heimat nicht vergisst. Denn in Hoyerswerda leben mehrere junge Frauen aus Eritrea.

Der Migranten-Stammtisch ist Teil des Bürgerbündnisses "Hoyerswerda hilft mit Herz". Die Bundesregierung finanziert dieses Projekt 2017 weiter, weshalb im Martin-Luther-King-Haus auch schon bald ein drittes Sprachcafé stattfinden kann, erklärt Cindy Paulick. Zu dieser Veranstaltung sollen dann vorrangig dezentral untergebrachte Asylbewerber eingeladen werden.