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| 01:27 Uhr

Kritische Kronen-Kontrolle tief im Forst

Mit einem kleinen Bestimm-Buch, einem Erhebungsbogen sowie ihren Ferngläsern sind Forst- und Umweltplanerin Cornelia Ginhold sowie Arndt Schöndube vom Staatsbetrieb Sachsenforst unterwegs, um den Zustand der Baumkronen auch rings um Hoyerswerda zu begutachten.
Mit einem kleinen Bestimm-Buch, einem Erhebungsbogen sowie ihren Ferngläsern sind Forst- und Umweltplanerin Cornelia Ginhold sowie Arndt Schöndube vom Staatsbetrieb Sachsenforst unterwegs, um den Zustand der Baumkronen auch rings um Hoyerswerda zu begutachten. FOTO: Julia Lindenberger
jedes Jahr im Herbst setzt sich Sachsens Umweltminister vor die Presse, um darüber zu informieren, wie gesund oder wie krank Sachsens Wälder sind. Ohne Leute wie Arndt Schöndube vom Staatsbetrieb Sachsenforst sowie die selbstständige Forst- und Umweltplanerin Cornelia Ginhold würde er das nicht können. Die beiden sind eines von sieben Teams, die derzeit im gesamten Land unterwegs sind, um den Waldzustand zu erfassen. Von Mirko Kolodziej

Irgendwo bei Zeißholz steigen die zwei mitten im Wald aus ihrem Auto. An einer Birke am Waldweg steht mit roter Farbe „WZE” geschrieben. Das Kürzel steht für „Wald-Zustands-Erhebung” und ist inzwischen fast zwei Jahrzehnte alt. Man hat vor 18 Jahren bei der ersten Erhebung nach einem Raster festgelegt, wo sogenannte Baumstichproben genommen werden. Von einem „Zentralbaum” wurden in jeder Himmelsrichtung jeweils sechs Bäume bestimmt, die Jahr für Jahr begutachtet werden. „Es müssen Bäume sein, die den Standort beherrschen und über eine Krone verfügen”, erklärt Arndt Schöndube, während er und Cornelia Ginhold sich gegen das nasse Gras im Wald Wander-Gamaschen umbinden, sich die Ferngläser sowie ihren Erhebungsbogen schnappen und sich zum Stichprobenpunkt aufmachen. Dort sind die 24 Bäume, die begutachtet werden müssen, wiederum mit roter Farbe am Stamm exakt durchnummeriert. Mit Hilfe eines kleinen Bestimm-Büchleins sowie der Ferngläser wird nun der Zustand jeder einzelnen Krone eingeschätzt.
„Fehlen nur bis zu zehn Prozent Nadeln oder Blätter, gilt der Baum als gesund”, erläutert Arndt Schöndube. In weiteren Stufen gibt es Bäume mit leichten, deutlichen, mittelstarken und starken Schäden. So taucht es auch im Waldzustandsbericht auf. Im vorigen Jahr galten 20 Prozent der sächsischen Wälder als deutlich und weitere 45Prozent als leicht geschädigt. „Der Kiefer geht es eigentlich gut”, sagt Arndt Schöndube über den typischen Lausitzer Waldbaum. Seine mittlere Kronenverlichtung liegt laut Waldzustandsbericht 2007 lediglich bei 18 Prozent, während bei Eichen im Durchschnitt bis zu 25 Prozent vom Laub fehlte.
Der Zustand der Baumkronen wird heute als Indikator für den Stress gesehen, dem ein Baum ausgesetzt ist. Schädlinge, Trockenheit oder Wildverbiss etwa spielen eine genauso große Rolle wie die Umweltbelastung. Arndt Schöndube sagt, die Schwefelbelastung zum Beispiel habe deutlich abgenommen: „Der Hausbrand ist zurückgegangen und es gibt viel mehr Schwefel filter.” Dafür sind die Bäume heute eher zu viel Stickstoff ausgesetzt. Helfen, sagt Arndt Schöndube, könne da eigentlich nur der Verzicht aufs Auto.
Noch bis Ende dieser Woche sind er, Cornelia Ginhold sowie die anderen sechs Teams in Sachsens Wäldern unterwegs. Dann geht es ins Büro. Die gesammelten Daten müssen schließlich aufgearbeitet werden. Im Herbst wird Umweltminister Frank Kupfer sie brauchen.

Hintergrund Aussagen aus dem Waldzustandsbericht 2007
Blatt- und Nadelverlust sind sachsenweit von 16,6 Prozent im Jahr 2006 auf 18,5 Prozent gestiegen.
Auslöser sind vor allem außergewöhnliche Witterungsverläufe, die durch atmosphärische Stoffkonzentrationen verstärkt oder abgeschwächt werden.
Saurer Regen ist seltener als früher, dennoch sind die Böden weiter großflächig kritisch belastet.
Lausitzer Wälder bekommen Stress vor allem wegen geringer werdender Regenmengen, die im Sandboden auch noch schneller versickern.
Stürme verursachen größere Schäden als in früheren Zeiten.
Borkenkäfer sind mit der Zunahme wärmerer Tage häufiger unterwegs und werden deutlich mehr.
Waldbrände werden wegen des Klimawandels mit langer Hitze, weniger Regen und größerer Verdunstung wieder häufiger.