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Kriminalität ist auf dem Vormarsch

Stellten bei einem Pressegespräch in Görlitz die Kriminalitätsstatistik 2014 vor: Conny Stiehl (links), Leiter der Polizeidirektion Görlitz, und Kripochef Klaus-Jörg Mehlberg. Probleme bei den Asylbewerbern machen vor allem die 53, die häufiger auffielen.
Stellten bei einem Pressegespräch in Görlitz die Kriminalitätsstatistik 2014 vor: Conny Stiehl (links), Leiter der Polizeidirektion Görlitz, und Kripochef Klaus-Jörg Mehlberg. Probleme bei den Asylbewerbern machen vor allem die 53, die häufiger auffielen. FOTO: Christian Essler/cer1
Görlitz. Die Kriminalität im Bereich der Polizeidirektion Görlitz ist im Jahr 2014 erheblich angestiegen. Von 38 916 wuchs die Zahl der angezeigten Straftaten um 5,4 Prozent auf 41 027. Schwerpunkt ist dabei nach wie vor der Bereich an der Grenze zu Polen. Uwe Menschner

"An den aktuellen Zahlen gibt es nichts zu beschönigen", erklärt Conny Stiehl, Leiter der Polizeidirektion Görlitz, die die Landkreise Bautzen und Görlitz umfasst. "Ein Anstieg der Kriminalitätsbelastung um mehr als fünf Prozent ist eine ernst zu nehmende Größe und erfüllt uns mit Besorgnis." Gleichwohl warnt der Görlitzer Polizeichef davor, die Lage zu dramatisieren: "Alles in allem haben wir die Situation im Griff." Dafür spreche auch die Aufklärungsquote, die bei 58,1 Prozent und damit über dem sächsischen Durchschnitt (54,8 Prozent) liegt.

Woher kommen die Zuwächse? Einen besonders starken Anstieg hat es bei den Vermögensdelikten (unter anderem Betrug und Urkundenfälschung) gegeben: Die Zahl der Fälle stieg von 5717 um 21 Prozent auf 6916. Bei den Diebstählen, die mit 42 Prozent der Gesamtdelikte das Gros ausmachen, liegt der Anstieg bei knapp fünf Prozent (von 16 380 auf 17 170). Einen Anstieg gibt es auch bei den Rauschgiftdelikten, die um fast neun Prozent von 1251 auf 1359 zugenommen haben. Diese Fälle sind im Landkreis Görlitz rückläufig, im Kreis Bautzen hingegen steigend. 53 Prozent der Rauschgiftfälle hängen mit der Droge Crystal zusammen.

Wo gibt es Rückgänge der Fallzahlen? Abgenommen hat die Zahl der Rohheitsdelikte, unter denen die Polizei unter anderem Körperverletzungen und Raub zusammenfasst: von 4747 um knapp drei Prozent auf 4593. Innerhalb des insgesamt angewachsenen Deliktfeldes Diebstähle verzeichnet die Polizei in zwei Teilfeldern, die besonders stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen, positive Tendenzen: So ist die Zahl der vollendeten Kfz-Diebstähle von 539 um acht Prozent auf 497 zurückgegangen. Die Zahl der Fahrraddiebstähle sank von 2608 um vier Prozent auf 2505. "Wir hoffen, dass dies den Beginn eines positiven Trends darstellt, zu dem die vielfältigen von uns eingeleiteten Maßnahmen, aber auch die verbesserten Sicherungsmöglichkeiten beitragen", so Conny Stiehl. Übrigens: Von den 497 gestohlenen Fahrzeugen wurden 100 wieder gefunden, davon 48 im Direktionsgebiet.

Wie verteilt sich die Kriminalität räumlich? Der grenznahe Bereich entlang der Neiße bildet den Schwerpunkt. Absolute "Hochburg" der Kriminalität ist die Stadt Görlitz mit einer "Häufigkeitsziffer" (HKZ) von 18 023. Das ist die Zahl der Straftaten, hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: In der gesamten Polizeidirektion liegt dieser Wert bei 7191. Auf Platz zwei (HKZ 15 911) folgt mit Kodersdorf überraschenderweise eine Landgemeinde. "Dies liegt daran, dass der dortige Parkplatz einen wichtigen Anlaufpunkt für die Bundespolizei bildet", stellt Conny Stiehl klar. Auf den weiteren Plätzen folgen Zittau, Kamenz und Hoyerswerda. Weißwasser und Bautzen tauchen nicht unter den "ersten sechs" auf. Am sichersten lebt es sich übrigens in Großnaundorf: Die Gemeinde in der Nähe von Pulsnitz bringt es gerade einmal auf eine HKZ von 1016.

Welche Rolle spielen Ausländer in der Kriminalstatistik? 22,2 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen waren keine deutschen Staatsbürger - ein Wert, der in etwa dem der vergangenen Jahre entspricht. Entlang der polnischen Grenze ist die Kriminalitätsbelastung wesentlich höher als an der tschechischen, was laut Conny Stiehl "ausschließlich geografisch" bedingt ist. Hinsichtlich der Kriminalität gegen Asylbewerber sieht der Polizeichef nach einer turbulenten Zeit "langsam wieder eine gewisse Normalität einziehen". Unter den Asylbewerbern selbst gibt es 53 "Intensivtäter", die fünf Mal oder mehr in Erscheinung getreten sind. Allerdings spielt sich diese Form der Kriminalität fast ausschließlich innerhalb der Wohnheime ab; Einheimische sind kaum betroffen.