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| 12:03 Uhr

Kreistag Bautzen
Verwirrspiel um Nahverkehrsplan

 Der Idee einer S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz, die in einer zweiten Stufe über Straßgräbchen-Bernsdorf bis nach Hoyerswerda verlängert werden solle, wurde eine Absage erteilt.
Der Idee einer S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz, die in einer zweiten Stufe über Straßgräbchen-Bernsdorf bis nach Hoyerswerda verlängert werden solle, wurde eine Absage erteilt. FOTO: Deutsche Bahn / Lars Neumann
Bautzen. Das Papier des Verkehrsverbundes Oberelbe erteilt der Zugverbindung zwischen Kamenz und Hoyerswerda eine Absage. Das findet selbst der eigene Pressesprecher merkwürdig. Von Uwe Menschner

Mindestens Einer hatte sich den 339 Seiten umfassenden Nahverkehrsplan des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) aufmerksam durchgelesen: Christoph Wowtscherk von der CDU-Fraktion war auf Seite 118 eine merkwürdige Diskrepanz aufgefallen. Hier steht wörtlich: „Eine Reaktivierung der SPNV-Verbindung zwischen Kamenz und Hoyerswerda mit ‚Kopfmachen’ in Hosena wird nicht weiter verfolgt. Zwar können – mit der Arnsdorfer Kurve – vergleichbare Reisezeiten zwischen Dresden und Hoyerswerda wie über Großenhain erreicht werden, aber neue Nachfragepotenziale sind nicht zu erschließen.“ Hatte es da, so fragte sich Wowtscherk, nicht erst in jüngster Vergangenheit andere Verlautbarungen gegeben? Und gehört die Reaktivierung dieser Verbindung nicht zu den von der Kohlekommission vorgeschlagenen Maßnahmen?

Die für den Nahverkehr zuständige Beigeordnete des Landrates, Birgit Weber, konnte auf diese Frage auch keine wirklich zufrieden stellende Antwort geben: „Der Nahverkehrsplan wird alle fünf Jahre fortgeschrieben und beinhaltet Maßnahmen, die in diesem Zeitraum realisiert werden sollen. Die Reaktivierung einer Verbindung dürfte länger dauern.“ Der Strukturwandel, so versicherte sie, werde in den Planungen des VVO Berücksichtigung finden.

Auch dem Pressesprecher des Verkehrsverbundes, Christian Schlemper, ist durchaus bewusst, dass es „seltsam wirkt, dass der Nahverkehrsplan offenbar andere Ziele aufweist, als der VVO an anderer Stelle kommuniziert.“ Der Grund dafür liegt laut Schlemper im „unterschiedlichen Erstellungstermine der beiden Dokumente“. Und weiter: „Der Nahverkehrsplan zitiert aus dem 2017 beschlossenen Zielnetz des Verkehrsverbundes Oberelbe. Dieses entstand zu einer Zeit, als eher von Kürzungen als von zusätzlichen Mitteln die Rede war. Daher bestand die Prämisse darin, das Angebot in der Region rund um Hoyerswerda auf dem bisherigen hohen Niveau fortzuführen und langfristig zu sichern.“

Die vor wenigen Wochen kommunizierten Ideen entstanden dagegen vor dem Hintergrund möglicherweise zur Verfügung stehender zusätzlicher Mittel des Bundes. Darin hatte der VVO von einer S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz geschrieben, die in einer zweiten Stufe über Straßgräbchen-Bernsdorf bis nach Hoyerswerda verlängert werden solle. „Diese zusätzlichen Mittel würden perspektivisch den Ausbau der Strecke nördlich von Kamenz sowie den Bau einer Kurve zwischen der Bahnstrecke aus Kamenz und der nach Hoyerswerda ermöglichen, so dass dann eine neue, und verglichen mit dem Kopf-Machen in Hosena, schnellere Verbindung entstehen könnte“, konkretisiert Christian Schlemper die Überlegungen.

Der Zwischenstopp in Hosena würde dann tatsächlich entfallen. Stattdessen könnten die Züge, ähnlich wie in der Nähe von Arnsdorf, ohne Richtungswechsel weiterfahren. „Natürlich sind diese Ideen noch nicht gesetzgeberisch oder finanziell untersetzt, dennoch war es uns wichtig, unsere Ideen für die Region in die Öffentlichkeit zu tragen“, schränkt der VVO-Pressesprecher ein. Parallel dazu sieht der Nahverkehrsplan vor, die Strecke Priestewitz-Großenhain-Ruhland für Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h zu ertüchtigen, wodurch die bisherigen Reisezeiten in Richtung Hoyerswerda/Cottbus deutlich gesenkt werden könnten.

 Der Idee einer S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz, die in einer zweiten Stufe über Straßgräbchen-Bernsdorf bis nach Hoyerswerda verlängert werden solle, wurde eine Absage erteilt.
Der Idee einer S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz, die in einer zweiten Stufe über Straßgräbchen-Bernsdorf bis nach Hoyerswerda verlängert werden solle, wurde eine Absage erteilt. FOTO: Deutsche Bahn / Lars Neumann