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| 01:14 Uhr

Kreis und Gemeinde stehen zur Schule

Ausgelassen feierten dieser Tage die Neustädter Senioren ihr Weihnachtsfest. Mitten unter den Gästen war Bürgermeister Manfred Heine, der die seltene Gelegenheit nutzte, einmal ein paar Minuten vom Alltag mit seinen vielen kleinen und großen Problemen abzuschalten. „Und trotzdem macht es Spaß, in der Gemeinde Bürgermeister zu sein“ , lautet Heines ganz persönliches Jahresfazit. Foto: LR ArchivFoto: LR-Archiv



Der neue Haushaltsplan wurde gerade durch den Gemeinderat auf den Weg gebracht. Eine gute Gelegenheit um zu schauen, ob der alte denn auch aufgegangen ist„
Die Haushaltspläne sind aufgegangen, das, was wir uns vorgenommen haben, ist gekommen, wenn auch eine relativ große Maßnahme nicht in Erfüllung gegangen ist. Für die Bernsteinstraße in Burghammer, die wir bereits das zweite Jahr im Haushalt haben, ist wieder keine Förderzusage gekommen und ohne Förderung ist dieses Vorhaben zu groß. Besser lief es da mit der Fertigstellung der Feuerwehr in Burgneudorf, die sich ja über neun Jahre hingezogen hat. Die Kameraden haben ihr Domizil jetzt in Besitz genommen und waren wirklich gerührt. Das freut einen natürlich. Ebenso wie die Entwicklung im Zweckverband Elstertal und in der Scheibe-Gesellschaft.

Von wichtigen Leuchtzeichen war hier in der letzten Zeit häufig die Rede“
Im Elstertal-Verband sind die Aktivitäten von Geierswalde hervorzuheben, die für den Verband einen großen Imagegewinn bringen. Die nächsten wurden angestachelt, die Partwitzer beginnen sich zu finden. Wir befinden uns also auf dem richtigen Weg. Was uns noch stärker gelingen muss, ist die Integration der Scheibesee-Gesellschaft. Teilweise wird noch davon gesprochen, dass sie parallel laufen. Das steht uns in der Region sicherlich nicht so gut zu Gesicht. Doch die ersten Monate haben gezeigt, dass es uns gelingen wird, vernünftig abgestimmte Konzepte in Dresden vorzustellen.

Immer mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu gewinnen„
Das ist richtig. Ich gehe davon aus, dass wir schon im nächsten Jahr das eine oder andere aufzeigen können. Ich bin also optimistisch. Wenn nicht wir hier positiv denken, wer denn sonst“

Das Speedbootzentrum ist dabei das Schlüsselprojekt für die Spreetaler Region. Es gab bereits eine Ausschreibung, gesucht wurde ein Betreiber„
Das Ergebnis war für viele ernüchternd, aus meiner Sicht eigentlich nicht, weil natürlich allen klar sein muss, dass nicht vor dem Jahr 2008, tendierend 2009 das erste Mal überhaupt ein Boot auf dem Spreetaler See fahren wird. Grund sind die notwendigen Böschungsstabilisierungen, die die LMBV noch vor sich hat. Sie müssen natürlich erst das Wasser oben haben, damit die Wellen keinen Schaden anrichten. Da kann man den künftigen Investor verstehen, dass man nicht vier oder fünf Jahre etwas vorhält. Das macht die Aufgabe für uns nicht leichter, im Gegenteil. Wir sind jetzt dabei, mit dem Wirtschaftsministerium Gespräche zu führen, welche Maßnahmen gemeinsam mit der LMBV noch für das spätere Gelingen des Projektes zwingend umzusetzen sind. Da sind wir relativ zuversichtlich, dass wir Gehör finden.

Dennoch hat sich bereits ein Wassersportverein gegründet“
Ähnlich wie in Geierswalde, ähnlich wie in Partwitz kann es eigentlich nur von unten kommen. Das müssen auch die Macher sein. Alles andere würde uns nicht zum Ziel bringen. Und hier bin ich wirklich stolz, dass es uns gelungen ist, den Verein ins Leben zu rufen.

Weniger Erfreuliches vollzog sich direkt in der Nachbarschaft mit der Insolvenz des SVZ„
Leider weiß hier nach wie vor niemand, wohin die Reise geht. Wir haben jetzt erst einmal ein kleines Weihnachtsgeschenk vom Insolvenzverwalter erhalten, dass das Geld wohl bis März reichen soll. Trotz alledem ist es noch nicht in trockenen Tüchern. Wir werden wohl erst richtig durchatmen können, wenn wir einen Käufer gefunden haben, der das Ganze als Paket erwirbt. Ohne Wirtschaftsministerium werden wir aber auch hier nicht über den berühmten Berg kommen.

Geld haben derzeit aber auch die Kommunen in der Region kaum. Wie sieht es in Spreetal damit aus und was ist finanziell im kommenden Jahr überhaupt möglich“
Die allgemeine Finanzsituation macht natürlich auch um Spreetal keinen Bogen. Wichtig ist für uns nach wie vor die Bernsteinstraße in Burghammer. Wir haben allerdings größere Ansprüche der Ortsteile nicht mehr zu verzeichnen. Die kleineren Wünsche wurden in dem Haushaltsplan eingeordnet. Finanziell können wir sicherlich das eine oder andere umsetzen, aber man sollte mit den Mitteln immer sorgfältig umgehen.

Eine wichtige Entscheidung, die in diesen Tagen getroffen wurde, ist die Frage der künftigen Trägerschaft der Burgneudorfer Mittelschule„
Ich will nicht sagen, dass die Schule mit der Übergabe an den Landkreis auf Dauer gesichert ist. Das wäre verkehrt. Wenn ich die Geschichte bemühe, dann war die Schule gekennzeichnet von jährlichen Ausnahmegenehmigungen, was natürlich eine Kraftanstrengung gekostet hat, die ein Außenstehender gar nicht wahrnehmen konnte. Die Genehmigungen waren grundsätzlich nur möglich mit Unterstützung des Kreises. Pluspunkt für uns war, dass unmittelbar an der Landesgrenze das Kultusministerium den Eltern nahegelegt hat, ihre Kinder im Sächsischen beschulen zu lassen und insofern den Standort Burgneudorf favorisiert hat. Dafür auch ein Dankeschön an die Eltern. Es ist auch für uns ein gutes Zeichen, dass ein gewisses Vertrauensverhältnis da ist.

Darf man nun auch auf eine Sanierung des Gebäudes hoffen“
Es ist im Innenleben schon eine ganze Menge passiert, hier können wir auch Erfolge vorweisen. Es fiel uns allerdings immer wieder schwer, Mittel für die Sanierung zu bekommen, weil es immer hieß, die Schule hat keine Bestandssicherung. Deshalb mussten wir uns stets hinten anstellen. Doch wer das Gebäude von außen sieht, der wird erkennen, hier ist Handlungsbedarf. Der Kreis kann hingegen frei entscheiden, wofür er seine Fördermittel einsetzt. Auch diese Überlegung hat dazu beigetragen, diesen Schritt zu gehen und die Schule an den Landkreis zu übergeben. Der Kreis steht zur Schule, die Gemeinde steht zur Schule und nur wenn wir gemeinsam dazu stehen, wird es uns gelingen, die Einrichtung länger am Leben zu erhalten.

Neues Leben hat die Papierfabrik in Pumpe gebracht. Mit Auswirkungen auch für Spreetal„
Alles was im Industriegebiet Pumpe passiert hat auch Auswirkungen für uns. Es ist nicht so, dass nur Brandenburger in der Papierfabrik arbeiten. Genauso wie nicht nur Sachsen bei uns in der Verwaltung arbeiten. Im letzten halben Jahr gab es zudem vermehrt Anfragen für das Industriegebiet, die auch auf diese Ansiedlung zurückzuführen sind. Am Standort sind auch Überlegungen hinsichtlich einer Ansiedlung einer Holzkohleproduktion getätigt worden. Die ganze Thematik Photovoltaik oder Biomasse, um nur zwei Beispiel zu nennen, ist momentan in der Diskussionen, dort sollten wir uns richtig aufstellen, dass es uns gelingt, auch Ansiedlungen auf sächsischem Territorium zu bringen.

Wofür Sie in der Vergangenheit immer wieder eine funktionierende Infrastruktur angemahnt haben“
Ich bin hinsichtlich des Themas Straßenbau in der Gemeinde nicht am schlechtesten dran. Wenn ich natürlich die Zubringerstraße zum Industriestandort Schwarze Pumpe sehe, kann ich nur immer wieder betonen, dass es in keinem Verhältnis zur Dimension des Standortes steht. Die Situation ist unbefriedigend für alle Beteiligten.

Eine andere Straße, die B97 direkt vor der Spreetaler Haustür, ist hingegen in diesem Jahr fertiggestellt worden - allerdings ohne die von Ihnen gewünschte dritte Spur„
Für mich ist diese Entscheidung immer noch nicht nachvollziehbar. Die meisten, mit denen ich spreche, geben mir Recht. Eine dritte oder vierte Spur hätte dort in Verkehrshochzeiten Probleme gelöst, das Nadelöhr zumindest für ein Stück beseitigt.

Welcher Eindruck des Jahres 2004 bleibt beim Bürgermeister, bleibt bei den Einwohnern seiner Gemeinde also hängen“
Grundsätzlich ein positiver. Wir sollten auch nicht immer bloß nach vorne schauen, sondern auch sehen, was wir bisher erreicht haben. Das stimmt uns schon zuversichtlich. Da kann ich durch alle Ortsteile gehen, überall wurden Highlights geschaffen. Das betrifft die Mehrzweckgebäude, Spielplätze, Feuerwehr oder Kindergarten. Es ist so viel geworden, worüber man sich freuen kann. Und man spürt auch, wenn man mit den Leuten ins Gespräch kommt, dass man mit dem Erreichten durchaus zufrieden ist.

Die Schlagzeile, die der Spreetaler Bürgermeister in einem Jahr über seine Gemeinde lesen möchte, würde . . .
. . . das Thema Hartz IV zum Inhalt haben. Sie sollte beschreiben, dass wir dieses Vorhaben allesamt ordentlich bewältigt haben. Wenn wir dort im nächsten Jahr ein positives Fazit ziehen könnten, wäre ich am heutigen Tag schon glücklich darüber.

Mit MANFRED HEINE
sprach Sven Hering.

Hintergrund Spreetal
  Einwohner: 2255

Zuzüge: 57

Wegzüge: 76

Geburten: 17

Sterbefälle: 11

Hochzeiten: 6