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Kreis prüft Gewerbegebiete für Flüchtlings-Unterkünfte

Asylbewerber sollen früher integriert werden. Dabei soll das Erlernen der deutschen Sprache eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. Foto: Boris Roessler/Archiv
Asylbewerber sollen früher integriert werden. Dabei soll das Erlernen der deutschen Sprache eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. Foto: Boris Roessler/Archiv
Bautzen. Der Landkreis Bautzen prüft den Bau neuer Asylbewerberheime auf leeren Gewerbeflächen. Damit reagiert die Verwaltung auf den anhaltenden Flüchtlingsstrom. Zudem richtet die Kreisverwaltung ein Ausländeramt ein. Sascha Klein

Die Kreisverwaltung geht bei der Unterbringung von Flüchtlingen neue Wege. Laut Landrat Michael Harig (CDU) will der Landkreis womöglich selbst neue Asylbewerberheime auf der grünen Wiese bauen. Dazu prüft die Kreisverwaltung derzeit alle Gewerbegebiete zwischen Spreetal und Sohland auf passende Flächen. Der Bau für ein Heim für rund 150 Personen kostet nach Schätzungen etwa eine Million Euro, so Gritt Borrmann-Arndt, Leiterin der Stabsstelle Asyl beim Kreis Bautzen. Der Landkreis müsste einen Bau vorfinanzieren und könnte sich einen Teil der 7600 Euro, die der Kreis pro Asylbewerber und Jahr erhält, zurückholen. Bei einem Neubau sei eine Containerbauweise denkbar.

Noch ist laut Harig offen, ob Asylbewerberheime neu entstehen. Dies sei auch davon abhängig, welche Flächen zur Verfügung stehen, wie sich Verhandlungen mit Eigentümern gestalten und ob der Standort in der Nähe von Kitas und Schulen ist. Ebenso müsse eine Bus- oder Bahnverbindung vorhanden sein.

Die Verwaltung hat derzeit große Mühe, ausreichend Platz für die Hilfebedürftigen zu finden. 1346 Flüchtlinge leben laut Statistik zurzeit im Kreis Bautzen. Weitere 1250 werden in diesem Jahr erwartet. Wie Gritt Borrmann-Arndt betont, seien in diesem Jahr bereits 337 aufgenommen worden. Allein in den beiden Hoyerswerdaer Heimen sind fast 160 Menschen untergebracht.

Um weitere Asylbewerber aufnehmen zu können, sucht die Verwaltung laut Harig nun weiter nach Gebäuden, in denen jeweils zwischen 50 und 120 Personen eine Bleibe finden. Bei der Suche scheiden Hoyerswerda, Kamenz, Bautzen und Bischofswerda aus. Dort gibt es bereits je ein Asylbewerberheim und eine Notunterkunft. Nun sollen Häuser in kleineren Städten gesucht werden. Vier bis fünf Objekte sind nach Angaben von Stabsstellen-Leiterin Gritt Borrmann-Arndt "in näherer Betrachtung" - auch im Norden des Landkreises. "Wir wollen jedoch Orte mit 1000 oder 2000 Einwohnern nicht mit einem Heim mit 300 Personen belasten", sagt Harig. Damit will die Verwaltung auch Spannungen aus der Diskussion um die steigende Zahl von Asylbewerbern nehmen. Bis zum 30. Mai soll zudem der zweite Bauabschnitt im Bautzener Greenpark fertig sein. Dort finden dann bis zu 180 Menschen eine Unterkunft. Wie Kreis-Ordnungsamtsleiter René Burk betont, sollen dort maximal 120 Personen wohnen.

Auch die Ausländerbehörde mit 19 Mitarbeitern spürt den allgegenwärtigen Druck, Lösungen zu finden. Michael Harig zufolge liegt der Krankenstand dort bei bis zu 30 Prozent. Um gegenzusteuern, führt der Landkreis bis zum Herbst ein neues Amt ein. Der Arbeitstitel lautet: Ausländeramt. In ihm sollen die Prozesse gebündelt werden, die derzeit über mehrere Dezernate verteilt sind. Auch die vorhandene Stabsstelle Asyl geht im neuen Amt auf. Dafür will Harig weitere Stellen in der Verwaltung schaffen. Über die Anzahl sei noch nicht entschieden, so der Landrat.